Österreichs Seniorinnen und Senioren ab 65 werden immer gebrechlicher. Das hat nun eine Analyse der Daten der Gesundheitsumfrage der Statistik Austria im Auftrag des Gesundheitsministeriums durch heimische Wissenschaftler ergeben.
So stieg die Häufigkeit von Einschränkungen bei alltäglichen Aktivitäten bei Männern binnen fünf Jahren von 12,8 auf 17,9 Prozent, bei Frauen von 19,2 auf 25,7 Prozent, wie die Studie vom Karl Landsteiner Institut für Gesundheitsförderungsforschung mit Beteiligung von Experten der Medizinischen Universität Wien und des Hauses der Barmherzigkeit, der größten privaten Betreuungseinrichtungen von schwer pflegebedürftigen Menschen in Österreich, zeigt.
„Schwierigkeiten bei Aktivitäten des täglichen Lebens (kurz ADL) und instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) bei älteren Erwachsenen sind mit einer verminderten Lebensqualität und einem erhöhten Bedarf an Langzeitpflege verbunden. Die vorliegende Studie untersuchte die Prävalenz von Behinderungen bei Personen ab 65 Jahren in Österreich anhand von Daten der Austrian Health Interview Surveys (ATHIS)“, schrieben die Experten.
Daten aus Gesundheitsumfrage analysiert
Man verwendete die Daten der ATHIS-Umfragen aus den Jahren 2014 und 2019. Dabei wurde auch erhoben, wie häufig es bei der Gruppe der Über-65-Jährigen Einschränkungen in der Alltagskompetenz (ADL, also Aktivitäten des täglichen Lebens wie z.B. Essen, Baden, Körperpflege, An- und Auskleiden, Mobilität, Stiegensteigen) oder im sogenannten IADL-Score (speziellere Tätigkeiten wie Telefonieren, Einkaufen, Kochen, Haushalt, Verkehrsmittel, Medikamente, Geldgeschäfte) kommt.
Verglichen wurden die Daten aus den beiden Umfrage-Staffeln mit 5853 Personen im Alter über 65 Jahren. Die Unterschiede im Zeitraum von fünf Jahren sind jedenfalls statistisch signifikant, so die Autoren.
Mehr Behinderungen im täglichen Leben
Bei den spezielleren Tätigkeiten des täglichen Lebens kam es bei den Männern über 65 Jahre binnen fünf Jahren fast zu einer Verdoppelung der Häufigkeit an Einschränkungen von 18,9 auf 35,1 Prozent. Unter den Frauen stieg die Häufigkeit von einem bereits hohen anfänglichen Niveau (2014) von 38,2 sogar auf 50,8 Prozent (2019).
In der Altersgruppe über 80 Jahre war die Häufigkeit von Einschränkungen in den täglichen Aktivitäten (ADL, IADL) noch einmal um mehr als das Vierfache höher als unter den jüngeren Teilnehmern an der ATHIS-Befragung. Teilnehmer mit mindestens einer chronischen Erkrankung berichteten ebenfalls viermal öfter von solchen Behinderungen.
Auch abhängig von sozialer Stellung
Es zeigte sich auch eine starke Abhängigkeit vom Bildungsgrad, sozialer Umgebung (ledig/verheiratet), von Geburt in EU oder außerhalb Europas und vom Wohnort.
Die Autoren der Studie in ihren Schlussfolgerungen: „Geschlecht, Alter, Bildung, Geburtsland, Wohnsitz, Partnerschaftsstatus, Anzahl chronischer Krankheiten, mangelnde Einhaltung von körperlichen Aktivitäten und Ernährungsempfehlungen stehen in engem Zusammenhang mit einer erhöhten Anfälligkeit für Behinderungen. Die öffentliche Gesundheitspolitik muss diese Faktoren bei Strategien zur Prävention von Behinderungen berücksichtigen.“
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