Sa, 23. Juni 2018

Chaos in Städten

30.10.2012 23:43

Mehr als 40 Tote durch Sturm 'Sandy' an US-Ostküste

Der Wirbelsturm "Sandy" ist in der Nacht auf Dienstag mit voller Wucht auf die US-Ostküste geprallt. Die Angaben über Opferzahlen gehen auseinander, es dürften aber mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen sein. In zahlreichen Städten, darunter die Millionenmetropole New York, standen Straßen unter Wasser, der Verkehr kam zum Erliegen. Bei rund acht Millionen Menschen in 18 Bundesstaaten fiel der Strom aus. Über eine Million Menschen wurden von den Behörden angeweisen, küstennahe Gebiete zu verlassen. Drei Atomkraftwerke mussten zudem aus Sicherheitsgründen außer Betrieb genommen werden.

In New Jersey wurde das älteste Atomkraftwerk der USA, Oyster Creek, wegen des bedrohlich gestiegenen Wasserpegels abgeschaltet. Auch der Meiler Nine Mile One im Staat New York wurde deaktiviert, nachdem es zu Problemen bei der Übertragung des Stroms gekommen sei, hieß es. Wenige Stunden später musste auch der Atommeiler Salem 1 am Delaware River abgeschaltet werden.

Zwei Kinder in Wohnhaus von Baum erschlagen
Der Sturm forderte zahlreiche Todesopfer, meist durch umstürzende Bäume: So starben nach Behördenangaben zwei Kinder in Westchester nahe New York, als ein umstürzender Baum das Dach ihres Wohnhauses durchschlug. Weitere Tote gab es von North Carolina über New Jersey bis nach Kanada. Auch hier soll es mehrere Todesopfer gegeben haben, unter anderem in Toronto.

Videos vom Wirbelsturm "Sandy" und seinen Auswirkungen findest du hier: Video1, Video2, Video3, Video4, Video5, Video6. Bilder von den Verwüstungen findest du in der Infobox.

Bei einem Großbrand in einem überschwemmten Bezirk des New Yorker Stadtteils Queens wurden mindestens 50 Häuser zerstört. Auf einer kleinen Insel vor Long Island seien rund 60 Menschen gestrandet. Sie hatten sich nicht an den Evakuierungsbefehl gehalten, hieß es. Schwere Schäden gab es zudem an der Infrastruktur in US-Küstengebieten: So wurden ganze U-Bahn-Stationen und der Tunnel unter dem East River in New York überschwemmt, die betreffenden Abschnitte könnten nun für längere Zeit außer Betrieb sein. Die Behörden evakuierten zudem die Umgebung der Baustelle eines 90-stöckigen Wolkenkratzers in der Nähe des Central Parks: Nachdem die Spitze eines riesigen Krans in dem starken Wind zusammengebrochen war, bestand die Gefahr, dass sein Ausleger abstürzen könnte.

Gewaltige Explosion in Umspannwerk
In einem New Yorker Umspannwerk kam es zu einer Explosion. Ein gewaltiger Feuerball schoss aus der Anlage in der Lower East Side von Manhattan (siehe Video in der Infobox). Die knapp 200 Kilometer südlich von New York gelegene Spielermetropole Atlantic City im Bundesstaat New Jersey wurde schwer überflutet - mehr als 30.000 Einwohner wurden evakuiert.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg forderte die Einwohner der Stadt auf, auf keinen Fall auf die Straße zu gehen. "Wo immer Sie gerade sein mögen: Bleiben Sie da!", sagte Bloomberg im Rathaus. Zugleich solle der Notruf nicht wegen Sachschäden oder leichten Verletzungen genutzt werden: "Rufen Sie nur an, wenn es um Leben und Tod geht."

Bis zu 50 Milliarden Dollar Sachschaden
Tausende Geschäfte bleiben am Dienstag geschlossen. Busse und Bahnen blieben vielerorts schon seit Sonntagabend in den Depots, mehr als 15.000 Flüge wurden gestrichen. Die Börsen an der Wall Street machten erstmals seit 27 Jahren wetterbedingt dicht. Zuletzt war der gesamte Handel nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestoppt worden. Ersten Analysen zufolge könnte sich der Sachschaden durch "Sandy" auf bis zu 50 Milliarden US-Dollar belaufen.

Obama: "Herzzerreißend für das ganze Land"
Das Katastrophenwetter wirkte sich auch bereits auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama mahnte seine Landsleute, den Sturm ernst zu nehmen. "Dies ist ein ernster und großer Sturm", sagte Obama, der eine Woche vor der Präsidentschaftswahl auf Kundgebungen verzichtete, um das Krisenmanagement zu übernehmen. Das Land müsse gewappnet sein, sagte der Präsident und forderte die Bürger auf, den Evakuierungsanweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten. Obama stimmte die Amerikaner zudem auf tagelange Stromausfälle ein. Die Aufräumarbeiten würden länger dauern.

Der Sturm sei "noch nicht vorüber", so Obama später am Dienstag bei einem Besuch der Zentrale des Roten Kreuzes in Washington. Die von dem Unwetter angerichteten Verwüstungen seien "herzzerreißend für das ganze Land".

"Sandy" forderte Tote in der Karibik
Vor dem Eintreffen in den USA hatte der Sturm in der Karibik knapp 70 Menschen den Tod gebracht. Meteorologen zufolge handelt es sich bei "Sandy" um einen sehr seltenen Super-Sturm, bei dem arktische Luftströme sich um den aus den Tropen kommenden Wirbelsturm wickeln würden. Die Kombination dieser beiden Wetterphänomene an sich ist schon gefährlich genug.

Doch droht über dem Festland der Zusammenschluss mit einem dritten Sturm, der sich aus dem kalten Norden von Kanada aus nähert. Dadurch würde der Sturm sich nur noch langsam bewegen und relativ lange über der Region toben. Die Folge können unter anderem sintflutartige Regenfälle mit bis zu 30 Zentimetern Niederschlag sein. In den Höhenzügen kann bis zu einem Meter Schnee fallen. Vom Auge des Sturms bis zu seinen entferntesten Ausläufern liegen mehr als 800 Kilometer - ein enormes Ausmaß, für das "Sandy" als einmalig eingestuft wird.

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