"Ich wollte, dass ich meine Olympia-Karriere aus eigener Kraft beende und nicht wegen der Entscheidung eines Schiedsrichters", erklärte Rogan am Donnerstag im "Austria Haus Tirol": "Das tut sehr weh. Ich bin in meinem Leben 45.000 Kilometer geschwommen, diese 200 Meter wollte ich auch noch schwimmen." Die nach zweimaliger Protestbehandlung nicht zurückgenommene Disqualifikation wegen eines Wendefehlers schmerzte auch 16 Stunden danach sehr.
"Hätte Chance auf eine Medaille gehabt"
"Ich bin drei Jahre lang aufgestanden, um von fünf bis sieben Uhr zum Training zu gehen", erklärte Rogan. "Ich habe sportlich alles richtig gemacht. Ich hätte im Finale eine kleine Chance auf die Medaille gehabt." Härter als er es in den vergangenen Jahren gemacht habe, könne er nicht trainieren. "Ich kann nicht mehr tun, als mich in so eine Form zu bringen." Dass seine Semifinalzeit von 1:58,81 nicht so überragend war, ließ Rogan nicht gelten. "Es hätte für das Finale gereicht", erläuterte er.
Der Hakoah-Athlet habe nämlich schon vor seinem Semifinale von Chad le Clos von dessen Absicht erfahren, dass dieser bei einem Einzug ins Finale auf eine Teilnahme daran verzichten würde. Platz neun hätte damit zum Aufstieg gereicht. "Mir ist klar, dass ich nicht 1:55 oder 1:54 schwimmen kann." Auch der Deutsche Markus Deibler kann das nicht. Der Deutsche hatte aber das Glück, durch Le Clos' Rückzug und die Disqualifikation Rogans ins Finalfeld nachzurutschen.
Bis Rogan seine Disqualifikation verdaut hat, werde es noch bis in den Herbst dauern. Vorher wolle er nicht fix über seine Zukunft entscheiden. Nächste Woche wird der OSV-Star am Freitag oder Samstag bei den Staatsmeisterschaften in Innsbruck starten. Danach möchte Rogan zurück nach London, zur Schluss-Zeremonie der Spiele. Aktuell hat der Wiener noch keinen Rückflug gebucht. "Ich möchte hier sein, wenn es die erste Medaille (für Österreich) gibt."
Treffen mit Hermann Maier?
Rund um die Schluss-Zeremonie würde es ihn freuen, den am nächsten Donnerstag nach London kommenden Hermann Maier zu treffen. Es wäre eine Gelegenheit, dass Rogan seine in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" getätigten umstrittenen Aussagen dem "Herminator" erklären kann. Rogans Manager Ronald Leitgeb habe ihm ursprünglich abgeraten, das Interview zu geben. Rogan entschied dafür. Leitgeb: "Er ist 30 und entscheidet das selbst. Ich bin sein Mitarbeiter, nicht sein Chef."
Leitgeb brach auch eine Lanze für den Sportler Markus Rogan, zweifacher Olympia-Silbermedaillengewinner von Athen 2004, Ex-Weltmeister und -Weltrekordler sowie Europarekordler: "Es gibt wenige Sportler, die so viel geleistet haben in ihrer Sportart. Man sollte den Hut ziehen und Respekt zeigen vor seinen Leistungen. Man sollte sich den Respekt gegenüber einem der größten österreichischen Sommersportler bewahren. Es ist meine feste Überzeugung - er hätte das Finale verdient."
34 internationale Medaillen gewonnen
Die Karriere des Markus Rogan hat(te) es wirklich in sich, mit allen Höhen und undenkbaren Tiefen - bis hin zum K.o. durch die Türsteher in einer Disco von Ostia bei der WM in Rom. Bis London hatte er 34 internationale Medaillen gewonnen – eine Bilanz, die wohl kein anderer unserer Schwimmer erreichen wird.
Was Rogan sportlich auszeichnet, war seine Konstanz in der Weltspitze über die letzten zwölf Jahre. Seit 2001, als er in Japan Vize-Weltmeister wurde, hat er jedes Jahr zumindest immer eine Medaille gewonnen. Heuer auch bei der EM mit Bronze über 200 Meter Lagen.
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