In Innsbruck wurde am Samstag ein neues Projekt im Gedenken an Tiroler NS-Opfer vorgestellt. Statt der bekannten Stolpersteine werden so genannte Zeitpunkte in der Stadt verteilt. Die ersten sind bereits sichtbar. Über QR-Codes kann man dort in die Geschichte eintauchen.
Es sind die letzten Kriegstage Anfang Mai 1945. Der Tiroler Lehrer Franz Josef Maria Mair wird beim Landhaus in Innsbruck von den Nationalsozialisten angeschossen. Er stirbt am 6. Mai 1945. Mair war Widerstandskämpfer. Er war aber vor allem Pädagoge, der die Schüler kritisches Denken lehrte und ihnen Werte abseits des Nationalsozialismus vermittelte.
Gedenken an Lehrer und andere Tiroler NS-Opfer
Am Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust wurde in Innsbruck auch an den gebürtigen Niederndorfer Franz Mair erinnert. Ihm und elf anderen mutigen Tirolern sind die ersten so genannten Zeitpunkte gewidmet, die in Innsbruck offiziell enthüllt wurden. Das Projekt ist in Anlehnung an die internationale Aktion „Stolpersteine“ - die es in einigen Orten Tirols gibt - entstanden. Der Stadt-Kulturausschuss entschied sich aber für eine etwas andere Form und hat 100.000 € für die Zeitpunkte budgetiert.
Sichtbares Zeichen sind Bronzescheiben, auf denen die Namen von Tiroler NS-Opfern eingraviert sind. Die Scheiben werden nicht – so wie die Stolpersteine – als Pflasterstein verlegt, sondern auf Lichtmasten oder Pollern befestigt. Über einen QR-Code gelangen Interessierte auf die Internetseite www.zeitpunkte.at, wo Daten zu den Menschen und dem Projekt abrufbar sind.
Zwölf Zeitpunkte sind an neun Orten schon montiert
Die ersten zwölf Zeitpunkte sind bereits an neun Orten in der Stadt montiert. Das Projekt soll aber weiter wachsen. Es wurde unter anderem gemeinsam mit der Plattform erinnern.at und dem Stadtarchiv umgesetzt. Das Besondere daran: die Bevölkerung kann Zeitpunkte initiieren.
„Die Förderung einer lebendigen Erinnerungskultur ist dem Land Tirol ein zentrales Anliegen“, führte LH Anton Mattle am gestrigen Gedenktag aus, „das Projekt Zeitpunkte ist ein gelungenes Beispiel für ein solches Sensibilisieren, gleichzeitig ermöglicht es ein würdiges Gedenken an die Opfer des NS-Regimes“. Innsbrucks BM Georg Willi betonte: „Es ist wichtig, sich nicht nur an die Gräueltaten zu erinnern, sondern auch an die Menschen. Nicht nur an ihren Tod, sondern auch an ihr Leben. Nicht als Nummern, sondern mit Namen, mit Adresse, mit Identität, mit Geschichte – und das alltäglich und mitten in der Stadt.“
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