Fr, 17. August 2018

Intimsphäre verletzt

16.12.2011 12:31

Ukraine quält Timoschenko mit Video aus Spital

Rätselhafte Entwicklung in der Causa rund um die inhaftierte Julia Timoschenko, Ex-Regierungschefin der Ukraine: Am Mittwoch hatten ihre Anwälte noch die miesen Haftbedingungen für die Schwerkranke angeprangert. Doch nun tauchte ein Video auf, das die bettlägerige Timoschenko in einem Luxus-Krankenhaus zeigt. Alles nur staatliche Propaganda? Gegen die Verletzung ihrer Intimsphäre wehrt sich die Politikerin zumindest vehement.

Das knapp zwei Minuten lange Video, das auf YouTube zu finden ist, beginnt mit einer Außenaufnahme des Gefängnisspitals, in dem Timoschenko derzeit offenbar liegt. Hohe Zäune, Stacheldraht, vergitterte Fenster und massive Türen versperren den Weg in die Freiheit. Beim Blick in den Eingangsbereich ist ein gefliester Fußboden zu erkennen, in den das Erbauungsjahr des Gebäudes eingelassen ist: 1989. Es handelt sich also offenbar um eine vergleichsweise moderne Klinik.

In der nächsten Einstellung schließt dann ein mit einem Knüppel bewaffneter Wärter die massive Tür von Zelle Nummer 260 auf. Eine Horde von Ärzten drängt an ihm vorbei in den Raum. Durch den Türspion ist nun zu sehen, wie die Mediziner wie bei einer Visite rund um ein Bett gruppiert stehen. Dann verlassen die Ärzte den Raum wieder.

Bettlägerige Timoschenko diskutiert erregt mit Wärter
Dann ist - immer noch vom Flur aus gefilmt - erstmals eine Frau zu sehen, bei der es sich offenbar um die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko handelt. Sie liegt im Bett und diskutiert mit einem der Wärter. Die Frau deutet auf die Kamera, als ob sie sich über die Aufnahmen beschweren wolle. Anders als mit Worten kann sich die bettlägerige 51-Jährige derzeit wegen ihres schweren Wirbelsäulen-Leidens nicht wehren.

Doch die Verletzung von Timoschenkos Intimsphäre geht noch weiter. Denn als die Politikerin sich einmal kurz nicht in der Zelle befindet, betritt das Team den Raum und filmt nicht nur das Zimmer samt Bett, Flatscreen-Fernseher und Klimaanlage, sondern auch das modern eingerichtete Badezimmer. Hier sind rund um das Waschbecken Timoschenkos Kosmetikartikel aufgereiht. Die Gesichter des Videoteams, die im Badezimmerspiegel zu sehen sind, wurden unkenntlich gemacht.

Nur ein plattes Propagandavideo des EM-Landes Ukraine?
In der Ukraine wird jetzt über den Sinn und Zweck des Videos gerätselt. Ist es ein plattes Propagandaprodukt, mit dem das EM-Land auf die Haft-Vorwürfe der Anwälte reagiert, die europaweit für Aufsehen gesorgt hatten? Wurde Timoschenko also flugs in das Luxus-Krankenhaus verfrachtet? Ebenfalls mysteriös: Wieso hat das Video keinen brauchbaren Ton, damit man zum Beispiel hören kann, worüber Timoschenko sich beschwert? Besonders auffällig in dieser Hinsicht: Die Tonspur klingt in der entsprechenden Szene trotz einer sich verändernden Kameraposition immer gleich. Wurde hier manipuliert?

Vielleicht zeigt das Video aber auch nur, dass Timoschenkos Anwälte gelogen haben und die Haftbedingungen in Wirklichkeit gut sind. So oder so: Die Schlammschlacht um die Ex-Regierungschefin geht in eine neue Runde. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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