Viele Ehrenzeichen

Heiße Diskussion um steirische Auszeichnungen

Steiermark
21.05.2023 08:30

Mehrmals im Jahr werden hierzulande Ehrenzeichen verteilt. Viele sehen diese Flut an Ausgezeichneten kritisch - der oberste Protokollchef des Landes klärt nun auf.

Heimat bist du großer Auszeichnungen! Besonders im Ausland staunt man immer wieder, mit wie vielen Titeln sich die Österreicher gerne schmücken und welch prächtige Orden sie sich stolz auf die Brust helfen. Blättert man im Geschichtsbuch der Steiermark ein Vierteljahrhundert zurück, war die Vergabe von Ehrenzeichen aus der Hand des Landeshauptmannes und seines Stellvertreters durchaus umstritten. Die landläufige Meinung in der Bevölkerung war: Wer ein „Du“-Freund der Frau Abgeordneten ist oder mit dem Herrn Bürgermeister öfters ins Wirtshaus geht, hat auch die besseren Chancen, dereinst einen der begehrten Orden einzuheimsen.

Richtlinien umfassend überarbeitet
Diese Ansicht hat sich bei vielen nun geändert - vor allem, weil die Verleihungsrichtlinien des Landes in den Jahren 2005 bis 2007 umfassend überarbeitet wurden. „Ein für die Steiermark angewandtes Regulativ, das wir mit Organisationen und Körperschaften abgestimmt haben, ist die Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des Ehrenzeichenwesens und spiegelt die Autorität des Verleihers wider“, sagt Michael Tiefengruber, Protokollchef des Landes.

Das Goldene Ehrenzeichen (Bild: Christian Jauschowetz)
Das Goldene Ehrenzeichen

VIPs räumen häufig ab
Was jedoch immer wieder für Murren sorgt: Vor allem VIPs räumen häufig am Verleihungstisch ab. Dem widerspricht Tiefengruber. „Jemand, der prominent ist, ist nicht automatisch davon ausgeschlossen, dass er auch ehrungswürdig ist.“

Grundsätzlich erhalten die Ehrenzeichen des Landes Steiermark zwei Personengruppen. Jene, die außergewöhnliche Leistungen im Bereich der Politik, Wirtschaft, Universitäten, Kirchen oder bei Einsatzorganisationen geleistet haben. Und jene Steirer, die unentgeltlich im Ehrenamt Verdienste erworben haben.

(Bild: Jauschowetz, Land Steiermark, Krone KREATIV)

Ehrenring als höchste weiß-grüne Auszeichnung
Und welche gibt es? Das Ehrenzeichen in vier Stufen, das Ehrenzeichen für Wissenschaft, Forschung und Kunst - eine Besonderheit der Steiermark -, die Lebensrettungsmedaille und den Ehrenring. Letzterer gilt als die höchste Auszeichnung, die die Landeshauptleute vergeben können. Die Industriellen Hannes Androsch und Helmut List sowie die früheren Politiker Siegfried Nagl und Hermann Schützenhöfer erhielten zuletzt den Ehrenring - im Schnitt gibt es zwei Verleihungen in drei Jahren.

Wie viele Auszeichnungen werden insgesamt pro Jahr im Weißen Saal der Grazer Burg feierlich überreicht? „Zwischen 70 und 90“, sagt Tiefengruber.

Christian Jauk mit LH Christopher Drexler und Anton Lang (Bild: Fotoatelier Robert Frankl)
Christian Jauk mit LH Christopher Drexler und Anton Lang

„Tausche Ehrenzeichen gegen Stadion“
„Viele Menschen hätten diese Auszeichnung wohl mehr verdient als ich“, sagt Sturm-Präsident Christian Jauk, der in seiner Funktion als portugiesischer Honorarkonsul unlängst mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark ausgezeichnet wurde. „Aber trotzdem freut man sich natürlich über die Würdigung in einem wunderschönen Rahmen. Wobei, ich würde das Ehrenzeichen schon auch gegen ein neues Stadion tauschen“, lächelt der Vorstandsvorsitzende der Grawe-Bankengruppe in Anspielung an die Grazer Stadion-Diskussion.

Sonja Klimas Herz hängt noch immer an Piber (Bild: Sepp Pail)
Sonja Klimas Herz hängt noch immer an Piber

Höchstens ein Drittel der Ausgezeichneten pro Termin sind übrigens Frauen. Eine davon war zuletzt Sonja Klima, der diese Ehre für ihre Verdienste um das Lipizzanergestüt Piber zuteil wurde. „Für mich ist es eine einmalige Auszeichnung, die mir ungemein viel bedeutet. Schließlich bin ich seit Jahren in die Steiermark verliebt“, erzählt die ehemalige Kanzler-Gattin der „Krone“. Bei der Errichtung des Ronald McDonald Kinderhilfshaus am LKH-Gelände sei sie mit offenen Armen empfangen worden.

„Und nach wie vor schlägt mein Herz für das Gestüt in Piber, deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass der Landeshauptmann sich in seiner Laudatio so wertschätzend über meine Arbeit dort geäußert hat.“

Oberst Gerhard Schweiger (Militärkommando Steiermark) (Bild: Christian Jauschowetz)
Oberst Gerhard Schweiger (Militärkommando Steiermark)

„Wertschätzung am Ende des Berufslebens“
Einer, der den Mitausgezeichneten um zumindest eine Ordenslänge voraus war, ist der nunmehrige Oberst in Ruhestand Gerhard Schweiger. „Als Soldat hab ich natürlich einen besonderen Zugang zu solchen Auszeichnungen“, lächelt der langjährige Presseoffizier des Militärkommandos Steiermark. „Als Wertschätzung am Ende meines Berufslebens freue ich mich sehr über dieses Ehrenzeichen.“ Für Schweiger übrigens nicht das einzige, das er dieser Tage erhielt: Vom Bundespräsidenten wurde er sogar mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgezeichnet. Marcus Stoimaier

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