Empörung über Minister

Lehrermangel, Überlastung: Schulen in höchster Not

Politik
29.03.2023 06:00

Akuter Lehrermangel, mangelnde Wertschätzung, überlastetes Personal. Bildungsminister Martin Polaschek im Fokus der Kritik: Experten und Pädagogen schlagen Alarm.

Interviews mit Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP), wie zuletzt in der „ZiB 2“, hinterlassen einen Geschmack wie warmes Bier. Aktuell sorgen seine abgeschmackten Stehsätze für Empörung. Vor allem in der Lehrerschaft, die schon lange über Personalmangel klagt - 33.300 von 123.000 Lehrern sind 55 plus, 20.000 bald in Pension.

Die Lehrer in der Gegenoffensive
Polascheks Strategien, Quereinsteiger und Maturanten mit Charmeoffensiven in die Schulen zu locken und Studien auf drei Jahre zu verkürzen, seien gut gemeint. „Aber sein gezeichnetes Bild entspricht nicht der Realität. Und die Maßnahmen taugen nicht für die akute Notlage“, sagt der steirische Pädagoge Hannes Grünbichler, hochrangiger Lehrergewerkschafter. Es geht um attraktivere Gehälter und Arbeitszeiten, Entlastung bei Administrativem. „Nichts davon ist in der Initiative ,Klasse Job‘ des Ministers.“ 

Bildungsminister Martin Polaschek (Bild: Tomschi Peter)
Bildungsminister Martin Polaschek

Dafür machen Lehrer mit „Krasser Job“ mobil. Gemeinsam mit „Schule brennt“ soll es Demos geben. Trotz hoher Belastungen seien Lehrer grundsätzlich sehr gerne in ihrem Beruf, berichtet Bildungspsychologin Julia Holzer von der Uni Wien. „Früher hatten die Lehrer hohes Ansehen, heute ist das nicht mehr so. Ein Grund dafür ist, dass das Bildungssystem oft Spielball der Politik ist, wie die jüngste Forderung nach Deutschpflicht in Unterrichtspausen. Das ist eine Forderung ohne Mehrwert für Lehrer und Schüler.“ 

Wertschätzung für Beruf fehlt
Ein Problem liege in der mangelnden Mitbestimmung bei Reformen. „Viele fühlen sich als Passagiere, schauen, wie sie über die Runden kommen.“ Vor allem fehle Wertschätzung. „Lehrer sind allein gelassen mit ihren Sorgen. Junge wollen sich das deshalb nicht antun.“ Julia Holzer hat neulich mit Christiane Spiel im Auftrag des Ministeriums eine Studie zum Deutschfördermodell durchgeführt. Hunderte Befragungen, am Ende standen Empfehlungen. „Passiert ist kaum etwas. Das ist nur ein Beispiel für den Umgang der Politik mit Bildung. Es ist frustrierend. Wir brauchen mutige Lösungen.“

Die große Frage: Ist der Minister mutig genug?
Ob Minister Polaschek mutig genug ist? Er verweist erneut auf bereits gesetzte Maßnahmen, die aber nur ein Teil einer längerfristigen Lösung seien. „Es sind auch Verbesserungen im Personalmanagement vorgesehen“, lässt er ausrichten. Das Lehrpersonal wird ihn schon bald beim Wort nehmen.

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