Freude ist groß

Alpakas im Seniorenheim: Begegnung der feinen Art

Tirol
18.03.2023 17:00

Was macht ein Alpaka in einem Pflegeheim? Eine Antwort lautet: Es bringt Freude und Abwechslung ins Haus. Wie erfrischend und bewegend die Begegnung zwischen Tier und Mensch ist, zeigt ein Beispiel aus Zams in Tirol. 

Es ist Nachmittag und im Seniorenzentrum Zams versammeln sich Bewohner und Mitarbeiter für ein besonderes Rendezvous im Aufenthaltsbereich. Aus dem Radio tönen alte Schlager. „Wunder gibt es immer wieder“, trällert Katja Ebstein. Der 70er-Jahre-Hit handelt vom Glück vor der Tür, das man nur hereinlassen muss. Im Seniorenzentrum Zams sind heute alle entschlossen, das zu tun.

Und dann geht die Eingangstür auf. Jetzt kommen sie: der kleine Pauli und der lustige Mexify, der selbstbewusst voranschreitet. Zwei herzige Alpakas. Sie trippeln durch den Raum, als wären sie hier zu Hause. „Stimmt in gewisser Weise ja auch“, meint Gebhard Thöni, Besitzer der flauschigen Hochland-Schönheiten. Er erzählt vom ersten Besuch im Vorjahr und dem Wunsch aller nach einem Wiedersehen.

„Also bringen wir die Abwechslung ins Haus“
„Früher konnten wir noch mehr Ausflüge unternehmen. Doch heute betreuen wir viele sehr betagte Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Also müssen wir Abwechslung ins Haus bringen“, erklärt Pflegedienstleiterin Angelika Schöpf die Überlegung hinter der charmanten Idee. Mit großem Hallo werden Pauli und Mexify in der Runde begrüßt. Die beiden Vierbeiner genießen die Streicheleinheiten und lassen sich geduldig von Platz zu Platz führen.

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Viele unserer Bewohner hatten früher Tiere. An diese besonderen Beziehungen werden sie bei der Gelegenheit erinnert.

Angelika Schöpf

Mini-Trekkingtour führt rund ums Haus
Dann geht es eine Runde ums Haus. Trekking light mit Rollstuhl und Krückstock. Bei der Gelegenheit dürfen die Alpakas die ersten Frühlingspflänzchen rupfen. „Sooo herzig“, schaut Frau Eva Pauli tief in seine freundlichen Kulleraugen. „Das sanfte Wesen der Tiere tut uns Menschen gut“, sagt Thönis Vater Josef. Er muss es wissen. Im Oberland kennen ihn alle als „Lama-Joe“. Er gilt als Pionier in der Haltung von Lamas und Alpakas.

Joe und Gebi bieten seit Jahren Trekkingtouren an. „Unsere Tiere sind an Menschen gewöhnt. Sie schaffen es eindrucksvoll, ihren entspannten Rhythmus auf die Gruppe zu übertragen“, schwärmen Vater und Sohn von den magischen Fähigkeiten ihrer Schützlinge.

Schöne Erinnerungen an die Kindheit werden wach
Jetzt drückt „Lama-Joe“ einer Bewohnerin die Leine von Mexify in die Hand. Die betagte Dame scheint versiert im Umgang mit Tieren. „Ich bin am Bauernhof aufgewachsen“, erzählt sie mit verträumtem Lächeln. So, als habe sie gerade einen kurzen Abstecher in ihre Kindheit gemacht. „Viele unserer Bewohner hatten früher Tiere. An diese besonderen Beziehungen werden sie bei der Gelegenheit erinnert“, beschreibt Schöpf den Wert solcher Begegnungen. Mexify trottet gemütlich neben seiner Begleiterin her. Dort und da zieht er sanft an der Leine, um ihr zu signalisieren, dass er eine Fresspause einlegen möchte.

Schöpf und Heimleiter Anton Pircher sind glücklich, dass der Besuch der Alpakas so tierisch gut ankommt. Nach vielen einsamen Tagen in der Pandemie tut es allen gut, wenn wieder Leben ins Haus kommt. „Das genießen wir jetzt doppelt“, bekräftigt Pircher. Mitarbeitern wie Bewohnern ist die Freude anzusehen.

Stiege und Lift sind kein Hindernis für die Tiere
Inzwischen ist der kleine Ausflug beendet und alle sind wieder im Haus. Pauli und Mexify haben dort noch einen wichtigen Weg. Es geht zwei Stockwerke über die Stiege hinauf zu einer alten Bekannten. Von der werden sie bereits sehnsüchtig erwartet. Die bettlägerige Dame ist glückselig, als die Alpakas ins Zimmer kommen und sich neugierig zu ihr beugen. „Da seid’s ja wieder“, freut sich die Tierliebhaberin und streichelt den Gästen sanft übers feine Wollkleid.

Wie Kuscheltiere fühlen sich Pauli und Mexify an. Aber jedem hier ist klar, dass sie Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen sind. Und so wird der Besuch nicht unnötig in die Länge gezogen. Mit dem Lift geht es zurück zum Ausgang. Der Besuch verabschiedet sich. Aber nicht, ohne ein Wiedersehen zu vereinbaren. 

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