Fußgänger in Gefahr

Verkehrstoten-Rekord bei Vorrangsverletzungen

Österreich
14.03.2023 15:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Jahr 2022 sind 73 Menschen aufgrund von Vorrangverletzungen ums Leben gekommen. Damit ist die Zahl auf einen traurigen Rekordwert gestiegen - laut Kuratorium für Verkehrssicherheit ist es der höchste Stand „seit mindestens zehn Jahren“.

Wie der Leiter der Verkehrssicherheitsforschung Klaus Robatsch ausführt, liegt man damit deutlich über dem Zehnjahresschnitt von 55 Toten pro Jahr. Einspurige Fahrzeuge sind dabei besonders gefährdet. Im Vorjahr waren zudem auffällig viele Fußgänger betroffen. Motorradfahrer beispielsweise haben in den vergangenen fünf Jahren laut KFV-Daten nur rund ein Prozent der Vorrangverletzungsunfälle verursacht. Ihr Anteil an den Getöteten liegt aber bei 27 Prozent.

Zweithäufigste Hauptunfallursache
Vorrangverletzungen sind die zweithäufigste Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden. Die gefühlte Wahrnehmung der Bevölkerung ist eine ganz andere: Beim jüngsten KFV-Präventionsmonitor vermutete die Summe der Befragten diese Ursache erst auf Platz zwölf, tatsächlich pendle ihr Anteil seit zehn Jahren zwischen 21 und 25 Prozent. Für 2022 liegt der Anteil am Gesamtunfallgeschehen noch nicht vor, aber die Anzahl der Getöteten durch Vorrangverletzungen bezeichnet Robatsch als besorgniserregende Entwicklung.

Zählweise UDM

Seit Einführung der digitalen Zählweise UDM (Unfalldatenmanagement) wurden noch nie mehr Unfälle aufgrund von Vorrangverletzungen gezählt als im Vorjahr. Mit UDM wird von der Exekutive bei allen Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten elektronisch die vermutete Hauptursache erfasst.

Laut vorläufigen Ergebnissen für 2022 befanden sich unter den Verunglückten mindestens 27 Pkw-Insassen, elf Fußgänger, neun E-Bike-Nutzer, neun Motorrad-Nutzer, sechs Moped- und drei Fahrrad-Nutzer. Hinzu kommen E-Scooter-, Microcar- und Leichtmotorrad-Nutzer. 

Der Anteil der Fußgängerinnen und Fußgänger war laut KFV ungewöhnlich hoch. Im längerfristigen Vergleich (2017 bis 2021) rangieren hingegen anteilsmäßig nach den Pkw-Insassen (29 Prozent) die Motorrad-Nutzer (27 Prozent) an zweiter Stelle, gefolgt von Fahrrad-Nutzern (19 Prozent), Fußgängern (16 Prozent) und Moped-Nutzern (vier Prozent).

Mehrheit der Opfer nicht Hauptunfallverursacher
Die überwiegende Mehrheit der Verletzten (78 Prozent) und Getöteten (60 Prozent) waren nicht die Hauptunfallverursacher. Noch größer ist der Unterschied bei Einspurigen, aber auch Passantinnen und Passanten. Vor allem Motorradfahrerende werden „besonders durch andere Verkehrsteilnehmer, die den Vorrang missachten, gefährdet“, sagte Robatsch.

Das KFV plant heuer mehrere Maßnahmen zum Thema Vorrangverletzungen, darunter eine Befragung und ein Austausch mit Verkehrsplanern, Sachverständigen, Richtern, der Exekutive sowie weiteren Fachleuten, um Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. 

Zu den zentralen Forderungen gehören „unkompliziertere gesetzliche Regelungen, damit auch zu Fuß Gehende, Radfahrende und andere Personengruppen, die ohne Führerschein am Verkehrsgeschehen teilnehmen, die Vorrangregeln leichter verstehen. In weiterer Folge braucht es aber auch vermehrte Wissensvermittlung sowie Bewusstseinsbildung, damit diese vereinfachten Regeln dann auch eingehalten werden“.

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