06.07.2022 14:55 |

Abtreibungen

„Die Volkspartei lässt die Frauen im Stich“

Vorarlbergs Landesstatthalterin Schöbi-Fink (ÖVP) sorgt mit ihrem kategorischen Nein zu Schwangerschaftsabbrüchen in Landesspitälern für Empörung. 

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Gut möglich, dass Vorarlberger Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschlossen haben, bald in ein anderes Bundesland ausweichen müssen. Zwar gibt es in Bregenz einen Arzt, der in seiner Praxis Abtreibungen durchführt, dieser wird sich aber in naher Zukunft in den Ruhestand verabschieden. Barbara Schöbi-Fink (ÖVP), die derzeit für den erkrankten Landeshauptmann Markus Wallner die Geschäfte führt, hofft zwar, dass sich eine Nachfolgelösung findet, zugleich lehnt sie aber kategorisch ab, dass Schwangerschaftsbrüche künftig auch in den Landeskrankenhäusern vorgenommen werden. Diese seien nämlich in erster Line dazu da „Leben zu retten und Gesundheit zu fördern“, so Schöbi-Fink.

Die SPÖ-Landesvorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger kann ob dieser Begründung nur den Kopf schütteln: „In den meisten Landeskrankenhäusern Österreichs sind Schwangerschaftsabbrüche möglich. Unterstellt die Landesstatthalterin diesen Medizinern ernsthaft einen Bruch des hippokratischen Eides? Es ist eine Schande, dass eine führende Vorarlberger Politikerin im 21. Jahrhundert dermaßen tendenziös und frauenfeindlich argumentiert.“ Die SPÖ-Chefin fürchtet, dass es im Ländle bald keine Möglichkeit mehr geben wird, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Dies läge nicht zuletzt an der „zynischen“ Haltung der Volkspartei: „Die ÖVP hat jahrzehntelang dabei zugeschaut, wie radikale Abtreibungsgegner sowohl Patientinnen als auch den Arzt, der Abtreibungen durchgeführt hat, tyrannisiert haben.“ Die SPÖ wird das Thema demnächst im Landtag auf die Agenda setzen: „Die Selbstbestimmungsrechte von Frauen dürfen nicht der ideologischen Mottenkiste der ÖVP geopfert werden!“

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Der einzige ehrliche Zugang besteht darin, dass die Landesregierung Verantwortung für Vorarlbergs Frauen übernimmt und Schwangerschaftsabbrüchen in Landeskrankenhäusern nicht länger im Weg steht. Diesen Appell richte ich ausdrücklich auch an die Grünen, denn bei grundlegenden Frauenrechten muss Schluss sein mit Koalitionstreue.

SPÖ-Landesvorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger

Auch die Neos stoßen sich an der Weltsicht von Schöbi-Fink. Gleichstellungssprecher Johannes Gasser ortet bei der ÖVP ein grundsätzliches Problem mit dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Für ihn steht außer Zweifel, dass es in Vorarlberg auch in Zukunft ein „gutes, sicheres und niederschwelliges Angebot“ für Abtreibungen geben muss.

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