04.07.2022 19:05 |

Neue Studie

Gas-Lieferstopp würde Ländle-Wirtschaft abwürgen

Anlässlich des traditionellen Sommerempfangs präsentierte die Industriellenvereinigung Vorarlberg eine Studie über die Bedeutung von Gas für die Vorarlberger Wirtschaft. Ein Engpass wäre fatal.

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Ohne Gas käme der Vorarlberger Wirtschaftsmotor nicht nur ins Stottern, er würde regelrecht abgewürgt werden: „Allein der direkte und vorgelagerte Wertschöpfungsverlust läge wöchentlich bei 74,4 Millionen Euro, also bei über 23 Prozent der gesamten Wertschöpfung. Darüber hinaus hängen fast 28.000 Arbeitsplätze und damit jeder dritte der 76.700 Arbeitsplätze in der Industrie, dem Handwerk und dem Gewerbe am Gas“, sprach IVV-Präsident Martin Ohneberg beim Sommerempfang Klartext. Nicht inkludiert sind dabei die nachgelagerten Effekte eines Gas-Lieferstopps. Ohneberg schätzt, dass die indirekten Verluste noch viel höher wären: „Wenn man sich bewusst wird, dass bei einem Gas-Stop de facto fast jede Verpackung, jeder verarbeitete Stahl und vieles weitere nicht mehr produziert werden kann, schlägt der Wertschöpfungsverlust rasch in alle anderen Wirtschaftssektoren um - vom Tourismus bis zur Landwirtschaft.“

Kritik an der Bundesregierung
Zwar wurden die Gasspeicher in Österreich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verhältnismäßig rasch aufgefüllt, angesichts der sinkenden Liefermengen aus Russland ist die Gefahr allerdings noch lange nicht gebannt. Dies liegt auch daran, dass sich Österreich in den vergangenen Jahren in ein sehr einseitiges Abhängigkeitsverhältnis begeben hat - rund 80 Prozent des Gases wird aus Putins Reich bezogen.

Die Industriellenvereinigung hat die Studie auch deshalb in Auftrag gegeben, um für die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Gases zu sensibilisieren. Die Bundesregierung sei sich dem Ernst der Lage offenbar noch nicht bewusst, es überwiege die naive Hoffnung, dass Russland weiter Gas liefern werde, kritisiert Ohneberg: „Der Bund muss dringend mehr Klarheit schaffen und mit der Wirtschaft und der Industrie enger zusammenarbeiten. In Deutschland wurde längst zum Gas-Sparen aufgerufen, in Österreich agieren wir jedoch kaum. Es braucht einen klar kommunizierten ’Masterplan Gas’, der diesen Namen auch verdient. Es wäre fatal, sich nur auf die europäische Solidarität zu verlassen.“

Zitat Icon

Die Gaskrise, die über uns allen schwebt und Industrie und Gesellschaft verunsichert, ist eine der größten Herausforderungen, die sich uns je gestellt hat.

Vorarlbergs IV-Präsident Martin Ohneberg

Die IV will mit gutem Beispiel vorangehen und wird eine „Task Force Gas“ einrichten. In diese eingebunden sind die Wirtschaftskammer, die Illwerke/VKW und die größten Gasabnehmer. Gemeinsam wolle man alle Szenarien durchdenken. Die Betriebe seien zudem sehr darum bemüht, alternative Lieferanten aufzubauen, Gas durch andere Energien wie Öl oder Biomasse zu ersetzen oder an anderen, weniger betroffenen Standorten zu produzieren. „Aber es ist kurzfristig schwer, eine Lösung zu finden. Das geht alles nicht von heute auf morgen“, gab Ohneberg zu bedenken.

Der IV-Boss wäre aber nicht er selbst, hätte er nicht auch eine positive Botschaft. Trotz der schwierigen Rahmenbedingen gebe es keinen Grund, in Panik zu verfallen. Die Betriebe seien sehr resilient, wie sich auch in der Pandemie gezeigt habe. „Wichtig wäre jetzt, rasch und pragmatisch die großen Strukturreformen anzugehen und nicht nur mit Notfallplänen zu reagieren.“

 Vorarlberg-Krone
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