24.06.2022 07:43 |

Im Februar verstorben

Heute wäre er 80: Das Vermächtnis des Gerhard Roth

Dem Alltäglichen eine poetische Kraft zu entlocken - diese Aufgabe hat der im Februar verstorbene Gerhard Roth in seiner Kunst verfolgt. Am heutigen Freitag hätte der große steirische Autor seinen 80. Geburtstag gefeiert. Nun ist sein letzter Roman „Die Imker“ erschienen, der Fotoband „Atlas der Stille“ wurde neu aufgelegt und „sein“ Greith-Haus widmet ihm eine Ausstellung.

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Unzählige Bienen durchschwärmen einen der bedeutendsten Romane von Gerhard Roth: In „Landläufiger Tod“ von 1984 lässt der steirische Autor den stummen Franz Lindner ein poetisches Bild seiner idyllischen, aber auch von Elend geprägten, ländlichen Umgebung zeichnen. Der Roman ist der Schlüssel für gleich zwei Werke, die nun, zum 80. Geburtstag, erscheinen.

Das Landleben rund um Obergreith
Einerseits wurde mit „Atlas der Stille“ jener Fotoband neu aufgelegt, der quasi die fotografische Vorarbeit zum Roman war. Kurz nachdem Roth 1976 ins südsteirische Obergreith gezogen war, hat er begonnen, das Landleben in der Region zu dokumentieren: „Erst wenn ich spürte, dass der Auslöser zugleich auch in mir etwas auslöste, fotografierte ich, das heißt, drückte ich ab. Der Fotoapparat war für mich jetzt wie eine Sonde, die mir beim Beobachten und aufspüren half“, schrieb Roth einmal über diese Arbeit.

Wenn man sich durch diesen Atlas blättert, den der Brandstätter Verlag zum Jubiläum in einem Prachtband neu aufgelegt hat, ist es fast unvermeidlich, in diesen Bilder eine Art Zerrspiegel seiner literarischen Arbeit zu sehen. Wie auch viele der Texte von Roth, wirken sie zutiefst bodenständig und zugleich völlig träumerisch.

Letzter Roman ist posthum erscheinen
Roths spannende künstlerische Grätsche zwischen beinahe schon dokumentarischem Realismus und surreal anmutender Fantastik ist auch ein wichtiger Bestandteil seines letzten Romans „Der Imker“. Darin feiert nicht nur das für Roth so zentrale Motiv der Bienen eine literarische Wiederauferstehung, sondern auch die Figur des Franz Lindner. Er lebt mittlerweile in einer psychiatrischen Einrichtung für Künstler und wird dort zum Zeugen eines unheimlichen Erlebnisses: Eines Tages überzieht ein gelber Nebel das Land, der den Großteil der Menschen verschwinden lässt. Nur eine kleine Kolonie an Imkern bleibt übrig - doch ist diese Welt die bittere Realität oder nur ein böser Traum?

Unmittelbar nach der Fertigstellung des dystopischen Romans ist Roth im Februar verstoben. In dem von ihm mitgegründeten Greith-Haus wird das Buch an seinem 80. Geburtstag, präsentiert. Zugleich wird dort auch eine Ausstellung mit seinen Venedig-Bildern eröffnet. Die italienische Stadt zwischen Grauen und Grandezza, zwischen Prunk und Verfall hat den Künstler Zeit seines Lebens fasziniert und inspiriert, denn er sah in ihr ein „Spiegelbild der Menschheit“ - so auch der Titel der Schau in Erinnerung an Gerhard Roth. Über die Erinnerung hat dieser ja einst selbst geschrieben, sie sei „eine Fata Morgana in der Wüste des Vergessens.“

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