01.07.2011 14:56 |

Keim im Magen

Bakterium schützt vor allergischem Asthma

Wissenschaftler der Universität Zürich haben gemeinsam mit deutschen Kollegen bei Mäusen nachgewiesen, dass ein Bakterium (Bild) im Magen vor allergischem Asthma schützt. Laut Angaben der Forscher bestätige die neue Studie, dass Hygienemaßnahmen und der weitverbreiteten Einsatz von Antibiotika in den vergangenen Jahrzehnten zur Ausbreitung von Allergien beigetragen haben.

Dadurch verursachtes Asthma hat in Industriestaaten geradezu explosionsartig zugenommen und nimmt heute epidemische Ausmaße an, wie die Uni Zürich mitteilte. Die Gründe für den Anstieg sind nicht klar. Eine Hypothese besagt, Hygienemaßnahmen hätten dazu geführt, dass das Immunsystem in der Kindheit unterfordert ist, und so nicht normal reift.

Forscher um die Immunologin Anne Müller von der Uni Zürich haben nun eine Bestätigung für diese Annahme gefunden. In einer im Fachblatt "Journal of Clinical Investigation" publizierten Studie wiesen sie nach, dass die Asthma-Zunahme wohl auf das gezielte Ausmerzen des Magenbakteriums Helicobacter pylori (kurz: H. pylori) zurückzuführen ist.

Hälfte aller Menschen trägt den Keim
Etwa die Hälfte aller Mensche weltweit dürfte mit H. pylori infiziert sein. Häufig verläuft der Befall ohne Symptome, unter bestimmten Voraussetzungen löst das Bakterium aber Magen-Darm-Geschwüre, eine Magenschleimhautentzündung oder Magenkrebs aus. Oft wird es deshalb mit Antibiotika ausgerottet - selbst wenn der Patient keine Beschwerden hat.

Neuerdings steht der Erreger auchim Verdacht, an der Entstehung von Morbus Parkinson (Schüttellähmung) beteiligt zu sein. Das legt jedenfalls eine Studie an Mäusen nahe, die von US-Forschern der Louisiana State University in Baton Rouge durchgeführt wurde (Bericht in der Infobox).

Mehr regulatorische T-Zellen
Anne Müller und ihre Kollegen infizierten für ihre Studie Mäuse mit den Stäbchen-Bakterien und setzten sie später starken, Allergie-auslösenden Stoffen aus. Es zeigte sich, dass die Allergene bei Tieren, die schon im Alter von wenigen Tagen mit H. pylori infiziert worden waren, keine oder nur geringfügige asthmatische Anfälle verursachten. Jene Nager, die erst als Erwachsene mit dem Magenbakterium infiziert wurden, genossen dagegen einen weitaus schwächeren Schutz. Die frühe Infektion führe zu einer Anreicherung von sogenannten regulatorischen T-Zellen, die für die Unterdrückung von Asthma entscheidend seien, wird Müller in der Untersuchung zitiert.

Die Forscher wiesen dies nach, indem sie solche T-Zellen auf nicht mit H. pylori infizierte Mäuse übertrugen: Auch diese Tiere waren nun gegen Asthma geschützt. Im Gegenzug töteten die Forscher bei einigen resistenten Mäusen die Darmbakterien mit Antibiotika ab. Die Folge: deren Resistenz gegen die Asthma-Allergene ging verloren.

Mehr Antibiotika - mehr allergisches Asthma
Die Zunahme von allergischem Asthma in Industrienationen hänge also mit dem weitverbreiteten Einsatz von Antibiotika zusammen und dem daraus folgenden Verlust an Mikroorganismen im Körper, sagte Christian Taube von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Mitautor der Studie. Dieses Wissen könne bei der Entwicklung von Therapien und Präventionsstrategien helfen.

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