Jubilar Konsel privat:

„Mir ist überhaupt nicht zum Feiern zumute“

Seine letzten runden Geburtstage waren großangelegte Galas, echte Brüller. Den heutigen 60er begeht „Panther“ Michael Konsel aber nur im kleinen Familienkreis. „Mir ist überhaupt nicht zum Feiern zumute“, sagt er. Die Corona-Pandemie, Todesfälle von Wegbegleitern und der Ukraine-Krieg erschüttern auch Österreichs sonst so abgeklärten Jahrhundert-Goalie, wie die „Krone“ beim gemeinsamen Karriere-Roadtrip anlässlich seines Ehrentags erfuhr ...

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„Dort drüben ist eine alte Bude mit Hendltreppe gestanden. Und die Tornetze, die haben einen ganz eigenen, modrigen Geruch gehabt.“ Michael Konsel lächelt, als er über den Sportplatz seiner Heimat Kritzendorf blickt. Hier beim Strombad an der Donau im „Gelsenparkstadion“, benannt nach lästigen tierischen Angreifern, hat Ende der 1970er alles begonnen.

Zwei Jahrzehnte später jubelten Zigtausende Tifosi ihrem „Pantera“ beim AS Rom zu. Klublegende Francesco Totti sorgte für Tore, Konsel verhinderte sie. Sogar zum besten Tormann der Serie A wurde der Wiener im Herbst der Karriere gewählt, die 2001 bei Venezia endete. „Mit 35 nach Italien zu wechseln, war ein Risiko. Aber ich wollte jeden Tag Champions-League- und Länderspiel-Atmosphäre. Das erzeugte bei mir immer wieder Ganslhaut, machte mich jedoch nie nervös, sondern nur noch stärker.“ Wie schon zuvor bei Rapid, seinem Herzensklub. Mit dem der zweimalige WM-Teilnehmer (1990 und 1998) zwei Europacup-Finali bestritt, je dreimal Meister und Cupsieger wurde.

Die Mama sammelte Zeitungsberichte
Erfolge, die über 20 Jahre nach dem Karriereende in Erinnerungen und auf Papier fortleben. „Meine Mama hat immer alle Zeitungsberichte von mir in Schachteln aufgehoben, diese habe ich dann irgendwann sortiert“, zeigt Konsel auf etliche Mappen, die er neben Pokalen und Auszeichnungen wie dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik in seinem Haus in Kritzendorf aufbewahrt. Was ihm diese Ehrungen bedeuten? „Schön anzusehen, der Lohn extrem harter Arbeit, aber es gibt Wichtigeres.“

Vor allem in Zeiten wie diesen. „Corona lähmt uns seit zwei Jahren“, fasste Konsel das Virus selbst schon aus. Nun bereitet der Krieg in der Ukraine große Sorgen. „Zudem sind plötzlich viele langjährige Wegbegleiter nimmer“. Wie etwa Otto Baric, sein einstiger Rapid-Coach, der zu Pandemie-Beginn Ende 2020 88-jährig verstarb. Vor allem aber der unerwartete Tod von Ex-Muster-Manager Ronnie Leitgeb mit erst 62 traf Konsel zuletzt hart. „Mein aufrichtiges Beileid an die Verwandten. Es ist so unfassbar traurig. Man sieht, wie schnell was passieren kann. Unter solchen Umständen ist mir heuer natürlich überhaupt nicht nach Feiern zumute“, seufzt der Jubilar, dem Gattin Tina sowie Moritz (21) und Valentin (18) daheim Halt geben.

Es „zwickt“ schon überall
Der ältere Sohn studiert und ist begeisterter Beachvolleyballer, der jüngere lernt am Modul (Tourismusschule in Döbling) und spielt für Klosterneuburg im Fußball-Unterhaus. Der Papa unterstützt, wo er kann, drängte seine Sprösslinge aber nie zu Profisport-Karrieren. „Bringt auch nix. Das muss aus dir selber kommen!“ So wird aus Spaß zusammen geradelt, Tennis gespielt, Ski gefahren. „Beim Tischtennis lass ich ihnen keine Chance, beim Rennen haben sie aber deutlich mehr Power, zieh ich schon den Kürzeren.“

Weil es bei Konsel senior, der nach wie vor begeisterter Motorrad-Fahrer ist, immerhin „schon überall zwickt“. Bereits vor 18 Jahren brauchte er eine Hüftprothese, „auch wenn ich das Herumfliegen in der Stadthalle, auf Asphalt oder auf roter Erde im Strandbad nicht bereue“. Zudem meldet sich die Wirbelsäule immer lauter, half Moser Medical beim Haaransatz nach, ist jetzt ist auch ein Knie beleidigt.

Aber auch wenn das Fleisch mit 60 etwas schwächer wird, ist der Geist nach wie vor bärenstark! Österreichs Jahrhundert-Keeper begeistert als Kolumnist und im TV-Studio der „Krone“ als Fußball-Experte, hält Vorträge, veranstaltet Firmen-Events und Turniere. „Ich habe mit meiner Frau ja ein eigenes Management aufgebaut - die Marke Konsel funktioniert nach wie vor.“ So unternimmt er auch immer wieder exklusive Rom-Reisen samt Derbybesuch mit Fans (Infos und Anmeldungen unter office@konsel.at). Für die nach wie vor zahlreichen Italo-Anhänger möchte er nun sogar seine Biografie „Keine Angst vorm Elfmeter“ neu auf Italienisch herausbringen! „Ich bin gerade dabei, das Buch zu übersetzen.“

Fad wird dem ewigen „Panther“ also nicht. Obgleich ein Job im Fußball-Geschäft - vor allem bei den Grün-Weißen in Hütteldorf - reizen würde. „Ich hätte schon öfters Ideen eingebracht, angeboten zu helfen. Da wurde aber nie was daraus, spielten wohl auch persönliche Motive mit. Vielleicht war und bin ich zu erfolgsorientiert, daher für manche Leute zu unangenehm“, grübelt Konsel, als er beim gemeinsamen „Krone“-Besuch des Allianz-Stadions in die „eigene“ Vitrine im Rapid-Museum schaut. Ein Blick zurück in bessere Zeiten. Nicht nur im sportlichen Sinn. 

Harald Dworak
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Peter Wiesmeyer
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Montag, 16. Mai 2022
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