Mo, 20. August 2018

Strauss-Kahn-Affäre

18.05.2011 13:27

Bruder des Opfers: "Sie ist tief gläubig und anständig"

Der Bruder des mutmaßlichen Sexopfers von Dominique Strauss-Kahn hält es für ausgeschlossen, dass seine Schwester dem IWF-Chef eine Falle stellen wollte. "Sie kannte ihn nicht. Meine Schwester ist unfähig, sich eine solche Geschichte auszudenken. Sie ist praktizierende Muslimin und trägt Kopftuch", sagte Blake Diallo in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Parisien". Unterdessen bröckelt die Unterstützung für Strauss-Kahn immer mehr.

Seine Schwester habe keine Ahnung von Politik, sie wisse nicht einmal, wer Bürgermeister von New York sei, erzählte Diallo. "Sie ist eine ehrenwerte und anständige Frau, die hart arbeitet, um ihre Tochter großzuziehen", betonte der 42-Jährige. "Wenn sie nach Hause kommt, schaut sie afrikanische TV-Serien."

Nach Angaben von Diallo hält sich seine 32 Jahre alte Schwester Nafissatou, "Nafi", derzeit unter Polizeischutz an einem geheimen Ort auf. "Sie weint viel", sagte ihr Bruder. "Nafi" stehe noch immer unter Schock. Laut "Parisien" ist Nafissatou unverheiratet, hat aber eine neunjährige Tochter, die Dana heißt. US-Medien hatten zuletzt berichtet, die Tochter der wohl aus Guinea stammenden Frau sei im Teenageralter.

Nafissatou wirft Strauss-Kahn einen Vergewaltigungsversuch in dem New Yorker Hotel vor, in dem sie als Zimmermädchen arbeitet. Der 62-jährige Franzose, der in seiner Heimat als Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, sitzt seitdem in U-Haft.

Wohnt Zimmermädchen in WG für HIV-Infizierte?
Am Montag hatte der Direktor des Luxushotels Sofitel, Jorge Tito, der AFP gesagt, das Hotel sei "vollkommen zufrieden mit der Arbeit und dem Auftreten" der Frau. Die Zeitungen "New York Post" und "New York Times" hatten Kollegen und Nachbarn mit den Worten zitiert, die Frau sei stets "sehr angenehm und sehr freundlich" gewesen.

Mittlerweile schockte die "New York Post" allerdings mit offenbar tragischen Fakten. Laut ihrem jüngsten Bericht soll das mögliche Strauss-Kahn-Opfer schon lange in einer Art WG für HIV-Infizierte leben. Ob das gleichbedeutend damit ist, dass die Frau das Virus in sich trägt, ist allerdings unklar.

US-Regierung rückt von Strauss-Kahn ab
Unterdessen rückte die US-Regierung von Strauss-Kahn ab. Washington forderte den IWF dazu auf, eine Interimsführung zu ernennen. Er könne sich zwar zu dem konkreten Fall nicht äußern, aber Strauss-Kahn sei derzeit offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten, sagte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in New York. Es sei daher wichtig, dass das IWF-Direktorium offiziell jemanden einsetze, der für eine Übergangszeit die Führung übernehme. Die USA sind das wichtigste Geberland für den Währungsfonds.

Geithner sagte zudem, er sei zuversichtlich, dass der IWF trotz der gegenwärtigen Herausforderung seine Rolle in der Finanzwelt spielen werde. "Da passiert gerade eine Menge in der Welt, und da möchte man, dass der Währungsfonds hilfreich ist", sagte Geithner. "Ich bin aber überzeugt, dass er dazu in der Lage sein wird." Der IWF hatte zuvor Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky mit der Führung der Geschäfte beauftragt.

Auch Frankreich will neuen IWF-Boss
In Frankreich ist unterdessen die konservative Regierungspartei UMP von dem inhaftierten Chef des Internationalen Währungsfonds abgerückt. Er sehe keine Möglichkeit für Strauss-Kahn, im Amt zu bleiben, sagte UMP-Chef Jean-François Cope am Mittwoch. Der Posten des IWF-Chefs wird traditionell mit einem Europäer besetzt. Die wirtschaftlich erstarkten Schwellenländer hatten aber schon vor der Strauss-Kahn-Affäre ihren Anspruch angemeldet. Vor allem die großen Schwellenländer brachten sich zuletzt in Stellung. China, Brasilien und Südafrika begannen indirekt die Regelung infrage zu stellen.

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