14.02.2022 20:00 |

Rechtsanwaltskammer

In 170 Jahren: Erste Frau in Männerdomäne am Ruder

Sie ist die erste Präsidentin in der 170-jährigen Geschichte der Tiroler Rechtsanwaltskammer. Mit der „Krone“ sprach Dr. Birgit Streif über Aufgaben und Ziele der Kammer, Probleme der Kollegenschaft und die Corona-Pandemie.

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„Krone“: Sie sind seit der Wahl 2020 die erste Präsidentin der Tiroler Anwälte. Wie kam es dazu?
Streif: Es hat sich sozusagen so entwickelt. Ich war vorher auch schon viele Jahre im Ausschuss der Kammer und seit 2013 Vize-Präsidentin. Und als mein Vorgänger Markus Heis nicht mehr zur Wahl stand, bin ich gebeten worden, dieses Amt zu übernehmen. In der Vollversammlung wurde ich dann für vier Jahre gewählt.

Haben Sie vor, mehrere Perioden im Amt zu bleiben?
Schauen wir einmal (lacht). Man muss ja wiedergewählt werden und die Kollegenschaft muss ja auch zufrieden mit meiner Arbeit sein. Bisher gab es aber viele positive Rückmeldungen.

Welche Ziele haben Sie in Ihrer Präsidentschaft?
Ein Ziel ist sicherlich, den Frauenanteil zu erhöhen. Wir haben derzeit eine Frauenquote von rund 20 Prozent. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass der Beruf nicht besonders familienfreundlich ist. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Frauen anfangen, aber, sobald es in Richtung Familie geht und Kinder da sind, lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln oder die Anwaltschaft zurücklegen.

Die Rechtsanwaltskammer wächst und hat nun in der Meranerstraße in Innsbruck neue Räume dazubekommen.
Ja, wir werden personell aufstocken müssen. Der Verwaltungsaufwand wird leider nicht weniger. Und wir wollen versuchen, unsere Aus- und Fortbildungsoffensive, die wir jetzt schon seit Jahren in der Kammer haben, weiterzuführen. Und da hat sich die Gelegenheit ergeben, im ersten Stock des Millerhauses weitere Räumlichkeiten anzumieten. Damit können wir auch den Kolleginnen und Kollegen in Tirol die Aus- und Fortbildung vor Ort in eigenen Räumen ermöglichen.

Welche Aufgaben hat die Kammer sonst noch?
Wir sind eine komplette Selbstverwaltung: Wir haben ein eigenes Pensionssystem ohne staatlichen Zuschuss und eine Standesgerichtsbarkeit im Haus. Vergehen eines Anwaltes und Verstöße gegen Standesregeln werden von unserem Disziplinarrat geahndet. Wir sind auch für andere Beschwerden zuständig, unter anderem bei Honorar-Unstimmigkeiten zwischen Klient und Anwalt. Und wir haben ein Treuhandbuch im Haus. Jeder Anwalt muss die Treuhandschaft etwa bei der Abwicklung eines Immobiliengeschäftes melden und wird dabei geprüft.

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Die Corona-Krise geht natürlich auch an uns nicht spurlos vorüber.

Dr. Birgit Streif

Welche Probleme beschäftigen derzeit Tirols Anwälte?
Die Corona-Krise geht natürlich auch an uns nicht spurlos vorüber. Man muss ja bedenken, dass jede Anwaltskanzlei ein kleineres oder größeres Unternehmen ist. Wir kämpfen, wie viele andere auch, damit, dass Angestellte in Quarantäne oder krank sind. Das heißt, dass viele Kanzleien am personellen Limit sind oder sogar still stehen. Das ist schon ein mehr oder minder großes Problem. Gott sei Dank gibt es aber ein Entgegenkommen der Gerichte, Verhandlungen zu vertagen, wenn darum gebeten wird. Weil man muss ja dazusagen, dass die Justiz, bis auf den ersten Lockdown, immer weiter gearbeitet hat.

Was bietet die Rechtsanwaltskammer den Bürgern?
Es gibt die sogenannte erste anwaltliche Auskunft, die wir derzeit aber leider aufgrund der Corona-Krise ruhen lassen müssen. Wir geben aber, wenn möglich, gerne telefonisch Auskunft. Und sobald es die Infektionszahlen zulassen, werden wir mit größeren Räumen im ersten Stock die kostenlose Beratung selbstverständlich wieder anbieten.

Es kam nun zu einer Kooperation zwischen Rechtsanwaltskammer und „Tiroler Krone“, bei der Leser mit Anliegen etwa bei Scheidungen, Erbsachen oder Wohnungskäufen an Anwälte herantreten können. Was erhoffen Sie sich von dieser Kooperation?
Ich hoffe, dass wir spannende Themen bekommen, zu denen Kolleginnen oder Kollegen gute Tipps geben oder auch manche Dinge erklären können und wir so für die Leser viele interessante Beiträge aus dem Bereich Recht liefern können.

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