Tochter war erst 14

Drei Schüsse, die Leben für immer verändert haben

Drei Schüsse aus einer Pistole stellten im September 1992 das Leben eines damals 14-jährigen Mädchens auf den Kopf. Ihr Vater hatte – wohl aus krankhafter Eifersucht – mit zwei Schüssen ihre Mutter ermordet und dann sich selbst gerichtet. Im Gespräch mit der „Krone“ schildert sie, wie sie von dem Unglück erfahren hat, wie sie es verarbeiten wollte und wie sie nach wie vor mit dem Trauma zu kämpfen hat
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„Krone“: Fünf Kinder trauern in Weißenbach um ihre Mutter, der Vater sitzt nach dem tödlichen Kopfschuss in Haft. Sie wissen, wie sich so ein Verlust anfühlt.
Wenn ich so etwas höre, hab’ ich wieder im Kopf, wie es bei mir vor 30…Jahren war. So einen Tag vergisst man nie wieder.

Im September 1992 ermordete Ihr Vater Ihre Mutter und tötete sich selbst. Welche Erinnerungen haben Sie an den Unglückstag?
Es war gerade die letzte Ferienwoche, und ich war eigentlich immer gerne bei meiner Mama in der Arbeit mit. Auch an diesem Tag wollte ich mit, aber sie hat zu mir gesagt, dass ich daheim bleiben und die letzten freien Tage genießen soll. Sie hat gewusst, dass der Papa wegen den Alimenten vorbeikommen wird. Vor der Firma hat er dann zuerst die Mama und dann sich erschossen.

Ihre Eltern wohnten zum Tatzeitpunkt getrennt?
Ja, mein Papa wollte ein paar Wochen davor meine Mama und sich umbringen. Papa wurde in die Nervenklinik eingeliefert, und ihm wurde der Waffenschein weggenommen. Als er heim durfte, hat meine ältere Schwester meine Mama und mich aufgenommen.

Wie war das Verhältnis zu Ihren Eltern?
Die Zwistigkeiten meiner Eltern wurden von mir ferngehalten. Ich war immer ein ,Papa-Mädl‘, zu mir war er normal und ich habe ihn auch besucht, als wir schon bei meiner Schwester wohnten. Auch zur Mama war mein Verhältnis sehr gut.

Wie erfuhren Sie damals von dem Mord und Suizid?
Ich war alleine zu Hause, als meine Tante anrief, dass ich zu ihr ins Nachbarhaus kommen soll. Dann kam mein Onkel, beide gingen in ein Zimmer und kamen komplett verheult zurück. Ich habe sofort gewusst, dass irgendetwas nicht stimmt. Mein erster Gedanke war: ,Was hat der Papa getan?‘

Wann realisiert man, dass man keine Eltern mehr hat?
Bis zum Tag der Verabschiedung will man es nicht wahrhaben. Wenn man die Särge sieht, ist klar: ,Okay sie kommen nicht mehr.‘

Wie sind Sie mit dem Vorfall umgegangen?
Ich wurde zur Rebellin, habe meine Lehre geschmissen und bin in den falschen Freundeskreis geraten. Meine Schwester hatte die Vormundschaft übernommen, aber ich hab’ mir damals von ihr nichts sagen lassen wollen. Ich kam dann, bis ich 18 wurde, in eine betreute Wohngemeinschaft. Und suchte auch Hilfe bei einem Psychologen. Ganz alleine kann man mit so einer Geschichte nicht umgehen. Erst als ich meine eigene Familie gründete, legte sich bei mir ein Schalter um.

Trotzdem beschäftigt Sie der Vorfall noch immer?
Obwohl es 30 Jahre her ist, kommt es mir so vor, als wäre es gestern gewesen. Es prägt sich so in deinen Kopf ein. Man wird dadurch aber auch stärker und zum Kämpfer. So schnell haut mich jetzt nichts mehr um.

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