Rabiater Corona-Kurs

Blauer Ex-Minister entsetzt: „Kickl-FPÖ unwählbar“

Steiermark
23.12.2021 06:30

Irritation, Ablehnung - aber auch Zustimmung: Die Corona-Politik von FPÖ-Parteichef Herbert Kickl sorgt für viel Diskussionsstoff, vor allem innerhalb der Partei. Während Jüngere den Rabiat-Kurs häufig goutieren, sind Ältere empört. Wie Michael Schmid, langjähriger Parteichef der FPÖ Steiermark und liberaler Geist.

Parteiaustritte gebe es immer wieder, derzeit aber nicht mehr als vor Corona oder vor Kickl, betont FPÖ-Landesparteisekretär Stefan Hermann. In Graz-Umgebung - der nach Graz mitgliederstärkste Bezirk, in dem Hermann Parteiobmann ist - habe es heuer nur zwei Austritte gegeben: „Dem gegenüber stehen acht Neueintritte allein in den letzten zehn Tagen.“

Laut einem Parteifunktionär aus Graz, der namentlich nicht genannt werden will, würde Kickl bei der Basis „sehr gut“ ankommen, weil er „volksnah“ sei, „weil er sich was traut“.

Die FPÖ-Parteizentrale in Graz. (Bild: Christian Jauschowetz)
Die FPÖ-Parteizentrale in Graz.

Rabiat-Kurs verschreckt vor allem ältere Parteimitglieder
Tatsache sei aber auch, dass ältere Parteimitglieder („70 plus“) dem Kickl-Kurs mehrheitlich kritisch gegenüberstehen, weil sie Angst vor Corona haben: „Das merkt man an den Stammtischen.“ Diese Gruppe sei in der Partei jedoch deutlich in der Minderheit. Und: Wer bei der FPÖ Mitglied wird, tue das in der Regel aus tiefer ideologischer Überzeugung - die meisten würden daher auch nicht „nur wegen des Themas XY“ der Partei den Rücken kehren.

Leute, die wegen Kickl oder Corona austreten, seien vor allem solche, die nie tief in der Partei verwurzelt waren. So wie Partei-Rebell Manuel Lackner, früher FPÖ-Stadtrat in Spielberg und zuletzt Gemeinderat, der Anfang Juni den Austritt aus der FPÖ verkündete - weil Kickl Parteichef wurde.

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Was mich am meisten stört, ist die fehlende Bereitschaft der Regierenden zur Zusammen- arbeit. So einen Stil hat es bei uns in der Landesregierung früher nicht gegeben. Bei mir zählte nicht das Parteibuch, sondern die Qualifikation.

Ex-Verkehrsminister und FPÖ-Steiermark- Obmann Michael Schmid

Doch auch den liberalen Geistern in der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft stoßen die Kickl’schen Tiraden gegen die Corona-Politik der Bundesregierung sauer auf. Wie Michael Schmid, steirisches Partei-Urgestein und im Jahr 2000 Verkehrsminister. „Die Bundes-FPÖ ist unwählbar geworden“, sagt der Weststeirer zur „Krone“. „Herbert Kickl hätte genügend Möglichkeiten, ohne Spaltung und Eskalation die Fehler der Bundesregierung anzuprangern.“

„Bin kein Pferd, habe keine Würmer“
Die „Causa Ivermectin“ (Kickls Wunder-Arznei gegen Corona) kommentiert Michael Schmid ähnlich wie FPÖ-Ideologe Andreas Mölzer: „Erstens bin ich kein Pferd, und zweitens habe ich keine Würmer.“

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