19.12.2021 16:38 |

Viele wollen fliehen

Afghanistan: Taliban stellen wieder Reisepässe aus

Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban ist die Lage für viele Menschen in Afghanistan katastrophal. Der Großteil der Hilfen für das Land wurde eingestellt und Reserven der Zentralbank des Landes eingefroren. Die bereits zuvor angeschlagene Wirtschaft befindet sich seither im freien Fall. Mehr als die Hälfte der 38 Millionen Afghanen leiden nach UNO-Angaben unter Nahrungsmittelknappheit. Für viele von ihnen bestehe nur die Wahl zwischen Migration und Hunger. Nun keimt bei vielen Ausreisewilligen Hoffnung. Denn die Behörden stellen seit Sonntag wieder Reisepässe aus.

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Alle „technischen Probleme“ seien gelöst, sagte am Samstag der Chef zuständigen Abteilung des Innenministeriums, Alam Gul Hakkani. Erste Dokumente sollten bereits ab Sonntag ausgegeben werden. Die Taliban hatten die Ausstellung von Reisepässen kurz nach ihrer Machtübernahme Mitte August gestoppt. Im Oktober wurde das Passbüro in Kabul neu geöffnet - und wenige Tage später wieder geschlossen, weil die Technik und vor allem das biometrische System unter dem Ansturm Tausender Antragsteller zusammenbrachen.

Lange Schlangen vor dem Passamt
Auch diesmal ist der Andrang enorm. Bereits in den frühen Morgenstunden des Sonntags bildeten sich lange Schlangen vor dem Passamt in der Hauptstadt Kabul. Zunächst sollten bereits beantragte Dokumente ausgehändigt werden. Ab 10. Jänner sollen dann neue Anträge angenommen, wie offiziell bekannt gegeben wurde. Die Ausgabe von Pässen gilt als wichtiges Kriterium für die Zusage der Taliban an die internationale Gemeinschaft, ausreisewilligen Staatsbürgern auch wirklich das Verlassen des Landes zu ermöglichen.

Der Parteienverkehr wird von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet - groß ist die Angst, dass die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat wartende Menschen ins Visier nehmen könnte. Bereits einmal schlugen Terroristen der Gruppe zu, als im August verzweifelte Menschen versucht haben, einen Platz in einem der ausländischen Flugzeuge zu ergattern, die eigene Staatsbürger beim hektischen Abzug ausflogen. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich vor einem der Tore des Flughafens in die Luft und riss über 150 Menschen mit in den Tod.

Pakistan warnt vor Chaos in Nachbarland
Pakistans Premier Imran Khan warnte am Sonntag bei einer Konferenz zur humanitären Lage Afghanistans davor, dass fehlendes „sofortiges Handeln“ zu einem Chaos führen könne, von dem der IS profitierten könnte. Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan al-Saud mahnte, eine humanitäre Krise in Afghanistan könnte zu weiterer Instabilität führen und den regionalen sowie internationalen Frieden gefährden. An der Konferenz nahmen auch Vertreter der Vereinten Nationen, internationaler Finanzinstitutionen, der USA sowie Großbritanniens, Frankreichs, Chinas, Russlands, Deutschlands, Italiens, Japans und der EU teil. 

Es wurde erwartet, dass sich die Konferenz auf Schritte verständigt, wie den Menschen am Hindukusch stärker geholfen werden kann. Die Taliban-Regierung wandte sich unterdessen mit einem offenen Brief an den US-Kongress und forderte die USA auf, die eingefrorenen Guthaben freizugeben, um einen Massenexodus von Flüchtlingen zu verhindern.

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