23.11.2021 17:00 |

Legendärer Hausarzt

„Jetzt können wir nicht mehr hinauf zum Max“

„Dann musst du zum Max!“ Dieses geflügelte Wort im Großraum Telfs ist semantische Geschichte: Mit Dr. Max Zimmermann ging einer der letzten Hausärzte alter Schule in Pension.

Die 65 Jahre sind dem gebürtigen Inzinger nicht anzusehen, der vor 36 1/2 Jahren die frei gewordene Stelle des praktischen Arztes in Pfaffenhofen annahm. Der Max, wie ihn alle nannten und nennen durften, ging in diesen fast vier Jahrzehnten seinem Beruf und – wie er es nennt – seiner Berufung nach. Er war Haus-, Sprengel- und Notarzt – mit Leib und Seele. Als Chefarzt des Roten Kreuzes in Telfs hat er das Notarztsystem in der Region aufgebaut und auch laufend weiterentwickelt.

„Ich habe genug gearbeitet
Topfit bittet er uns in seine Wohnung in Rietz, um die 36 1/2 Jahre im Zeitraffer Revue passieren zu lassen. Seit dem 1. Oktober 2021 fährt der Oberländer nicht mehr täglich in die Praxis in Pfaffenhofen. „Ich habe genug gearbeitet“, begründet er seinen Rückzug. Das sehen seine Patienten ein, dennoch herrscht bei vielen Wehmut, weil sie „jetzt nicht mehr hinauf zum Max“ können.

„Ich war in den intensivsten Jahren bis zu 100 Stunden in der Woche für meine Patienten da. Da sind die Bereitschaftsdienste noch gar nicht eingerechnet“, erzählt er. Bis zu 4000 Menschen vertrauten sich pro Quartal dem einfühlsamen Mediziner an, fast 400 suchten Tag für Tag die Praxis in Pfaffenhofen auf.

Die führte er seit 1995 mit seinem Kollegen Dr. Michael Berti. „Die Bevölkerungszahlen in der Region nahmen laufend zu, eine zweite Kassenstelle wurde nötig“, sagt Zimmermann.

„Ich sah mich als Berater meiner Patienten“
„Mir war wichtig, dass mich die Patienten wie einen Partner betrachten. Nach einigen Jahren habe ich aufgehört, ihnen Dinge vorzuschreiben. Ich bin ja nur deren Berater“, erklärt er seine erfolgreiche Philosophie. „Wenn einer weiter rauchen oder trinken will, soll er das tun. Er muss ja selbst mit den Konsequenzen leben.“

Neben der Hausarzttätigkeit entwickelte er als Chefarzt des Roten Kreuzes Telfs das Notarztsystem der Region maßgeblich mit. Zimmermann führte das Rendez-Vous-System ein, anschließend baute er das NEF-System auf.

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Erfolgreiche Wiederbelebungen gehören zu den schönsten Erlebnissen.

Max Zimmermann

Notarzteinsätze prägten sich stark ins Gedächtnis von Max ein. „Erfolgreiche Wiederbelebungen gehören zu den schönsten Erlebnissen“, sagt er. Die Reanimation eines Oberhofers mitten in der Nacht mit Unterstützung von dessen Frau vergisst er nie. Eine Woche später verließ der Mann schon die Klinik, kurz darauf haben sich alle Beteiligten zum Schnitzel essen getroffen.

Tief berührt hat ihn freilich auch der Fall jenes Vaters, der abends – Sturm läutend – vor dem Haus von Max stand. In den Armen: der leblose zweieinhalbjährige Sohn. Handy gab es damals noch keines, der Vater wusste keinen anderen Ausweg, als direkt zu Max zu fahren. „Wir haben das Kind eine Stunde lang in der Küche reanimiert. In der Klinik ist es leider verstorben.“

Sport hat ihm immer geholfen abzuschalten. So stehen Langlaufen, Skitourengehen, Skifahren, Radfahren und Segeln auch in der Pension am Programm.

Und ab und zu wird er als Urlaubsvertretung für seinen Nachfolger Dr. Georg Hechenberger einspringen. Dann kann es doch wieder heißen: „Geh zum Max!“

Von
Peter Freiberger
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