Di, 14. August 2018

Stärke 7,1

11.04.2011 12:18

AKW durch starkes Beben kurzzeitig erneut ohne Strom

Genau einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami ist der Nordosten Japans am Montag erneut von einem schweren Nachbeben erschüttert worden. Die Behörden gaben nach dem Erdstoß der Stärke 7,1 vorübergehend eine Tsunamiwarnung für die Pazifikküste aus. Beim havarierten Atomkraftwerk Fukushima führten die Erschütterungen zu einem 50-minütigen Ausfall der Stromversorgung, meldete Kraftwerksbetreiber Tepco. Kurz zuvor hatte die Regierung bekannt gegeben, den Evakuierungsradius um das AKW erweitern zu wollen.

Das Nachbeben ereignete sich nur kurze Zeit nach einer landesweiten Schweigeminute, mit der Japan der Opfer der Katastrophe vom 11. März gedachte. Das Epizentrum des Bebens lag etwa zehn Kilometer unter der Oberfläche und rund 86 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Fukushima in der gleichnamigen Präfektur, in der sich auch das havarierte Atomkraftwerk befindet.

Laut dem Betreiber Tepco fiel dort der Strom für die Pumpen zum Kühlen der Reaktoren 1, 2 und 3 aus. Das Einfüllen von Wasser sei dadurch gestoppt worden. Man bereite gerade vor, wieder Pumpen der Feuerwehr einzusetzen, sagte ein Sprecher, der 50 Minuten darauf wieder Entwarnung geben konnte: Die Kühlung konnte wieder in Gang gesetzt werden. Die Arbeiter mussten ihre Arbeiten - seit Montag früh wird in die zuvor ins Meer entleerten Behälter schwer radioaktives aus den Reaktoren gepumpt - allerdings unterbrechen und sich in einem erdbebensicheren Gebäude in Sicherheit bringen.

Kurz nach der Erschütterung wurden Wellen von einem halben Meter in der Provinz Ibaraki gemessen. Die daraufhin ausgegebene Tsunamiwarnung wurde kurze Zeit später aber wieder zurückgezogen. Der heftige Erdstoß war auch in der Hauptstadt Tokio zu spüren, Häuser gerieten stark ins Schwanken. Nach Informationen des Fernsehsenders NHK wurden in der Millionen-Metropole zehn Menschen verletzt.

Sperrzone um AKW soll erweitert werden
Zuvor hatte die japanische Regierung verkündet, den Evakuierungsradius um das AKW erweitern zu wollen. Derzeit gilt die Sperrzone de facto nur für einen 20-Kilometer-Radius um das Atomkraftwerk. Von 20 bis 30 Kilometern wurden die Bewohner angewiesen, entweder in ihren Häusern zu bleiben oder die Gegend zu verlassen. Ein großer Teil der Bewohner kam der zweiten Forderung nach. Regierungssprecher Yukio Edano nannte am Montag kein konkretes Maß für den neuen Evakuierungsradius, der innerhalb von einem Monat hergestellt sein soll. Er sprach jedoch als Beispiel die Stadt Iitate an, die 40 Kilometer von Fukushima 1 entfernt liegt.

"In diesen Regionen könnte die Strahlung 20 oder mehr Millisievert pro Jahr betragen", erklärte Edano. Es sei nicht nötig, sofort zu handeln, zumal das Risiko für weitere massive Strahlenlecks in dem havarierten Kernkraftwerk geringer sei als zu Beginn der Katastrophe vor einem Monat: "Das Risiko, dass sich die Situation verschlechtern wird und dass es neue massive Ausstöße radioaktiver Substanzen geben wird, wird deutlich geringer." Edano riet allerdings Kindern, Schwangeren und Kranken, sich nicht näher als 30 Kilometer dem AKW zu nähern. Am Sonntag waren trotz Evakuierungsanordnung zahlreiche Bewohner in die Zone zwischen 20 und 30 Kilometern zurückgekehrt, um Habseligkeiten aus ihren verlassenen Häusern zu holen.

Greenpeace: Erhöhte Radioaktivität auf Spielplatz
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte schon seit Tagen eine Ausweitung der Sperrzone auf 40 Kilometer, um die Bevölkerung vor Strahlen zu schützen. In bewohnten Gebieten rund um die Atomruine hatte die Umweltorganisation am Sonntag deutlich erhöhte Strahlenwerte gemessen. Sogar noch rund 60 Kilometer vom AKW entfernt habe man gesundheitsgefährdende Radioaktivität im Boden festgestellt. Auf einem Spielplatz in Fukushima City fand ein Team demnach Werte von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde. In der Stadt Koriyama seien es 2,8 Mikrosievert pro Stunde gewesen.

Laut Greenpeace ist die Kontamination so hoch, dass die maximal tolerierbare Dosis für die Bevölkerung von 1.000 Mikrosievert pro Jahr in wenigen Wochen aufgenommen würde. Eine Analyse der Bodenproben habe ergeben, dass 80 Prozent der Radioaktivität von Cäsium-Isotopen stamme. Cäsium 137 hat eine Halbwertzeit von rund 30 Jahren, Cäsium 134 von zwei Jahren.

"Die Menschen in Fukushima City und in Koriyama müssen Langzeitfolgen befürchten, Kinder sind besonders gefährdet", erklärte der Leiter des Klima- und Energiebereichs von Greenpeace, Thomas Breuer. "Die japanische Regierung muss endlich handeln. Es fehlen klare Informationen und ausreichende Maßnahmen, um die Bevölkerung zu schützen. Die Regierung kann nicht so tun, als gehe das Leben einfach weiter", fügte Breuer hinzu.

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