11.11.2021 20:05 |

Eisschnelllauf

Der Rücken! Herzog vor ungewisser Olympia-Saison

Eisschnellläuferin Vanessa Herzog geht am Freitag in Tomaszow Mazoviecki in Polen in ihre insgesamt nach 2014 und 2018 bereits dritte Olympia-Saison - oder auch nicht! Denn für Österreichs Ass wackelt der Start, ihre Bandscheibenprobleme wurden wieder akut. „Wenn nicht über Nacht eine schlagartige Besserung eintritt, müssen wir den Weltcup-Auftakt in Polen leider komplett streichen“, sagte Ehemann, Coach und Manager Thomas Herzog am Donnerstag.

„Vanessa musste die Rennvorbereitung nach zwei Minuten wegen zu starker akuter Rückenschmerzen abbrechen“, berichtete Thomas Herzog weiter. Dabei hatte die Tirolerin die Bandscheibenprobleme, die sie seit dem Frühsommer beschäftigten, zuletzt einigermaßen in den Griff bekommen. Schon vor den jüngsten Entwicklungen hatte Thomas Herzog gewarnt: „Wenn der Schmerz noch einmal zurückkommt und sich der Bandscheibenvorfall noch einmal akut meldet, dann wird es mit Olympia sehr knapp.“

Die Leistungen der Tirolerin in Testwettkämpfen und Trainings in Inzell und in Polen gaben eigentlich Zuversicht, vor allem über ihre Paradestrecke 500 m ist es aber ohnehin der von den Herzogs oft zitierte „Tanz auf der Rasierklinge“. „Es warten jetzt 15 Rennen in den nächsten 32 Tagen, das ist schon ein sehr intensives Programm“, bezog sich Vanessa Herzog auf die aus vier Events bestehende Weltcup-Phase. Nächste Woche wäre ein Trip nach Stavanger geplant, in der ersten Dezember-Hälfte stehen Reisen nach Salt Lake City und Calgary an. In Nordamerika werden die schnellsten Zeiten gelaufen.

Herzog ist mit ihren in der Vorbereitung gelaufenen Marken über 500 und 1.000 m für die Peking-Spiele wohl auf der sicheren Seite, sollte sie sich nicht über den Weltcup qualifizieren. Offen ist die 1.500-m-Qualifikation - diesen Bewerb möchte die 26-Jährige bei Olympia als ihr Eröffnungsrennen haben, auch um sich für die danach folgenden kürzeren Konkurrenzen einzustimmen. Den 1.500er läuft Herzog in Polen sicher nicht, aber dann ab Stavanger. „Das Ziel sind gute Läufe, aber vor allem auch schmerzfreie Läufe“, hatte die Wahl-Kärntnerin für dieses Wochenende eigentlich postuliert.

Völlig schmerzfrei war sie zuletzt nie gewesen. „Beim 500-m-Start verspüre ich immer noch einen Stich beim ersten Schritt. Im Rennen ist es okay, nach dem Lauf beim Aufrichten muss ich sehr aufpassen.“ Thomas Herzog verdeutlicht: „Sie muss beim Start einen Kompromiss einer nicht ganz so tiefen Haltung und einer nicht ganz so breiten Fußstellung eingehen. Das ist nicht so schmerzhaft.“

Die Gefahr eines gesundheitlichen Rückschlages wurde in monatelangen Behandlungen u.a. bei Spezialisten in Deutschland zu minimieren versucht. Zudem wurde alternatives Training zu verpassten Eis-Einheiten verstärkt. Ihre Ergometer-Werte seien so gut wie noch nie. „Vanessa ist sehr gut gestärkt von der tiefen Bauchmuskulatur“, erläuterte Thomas Herzog. „Wir haben sehr viel Regeneratives gemacht, sehr viel Physio, Massagen, Osteopathen. Laut Ärzten sind wir auf einem sehr guten Weg.“ Jetzt allerdings droht ein Rückschlag.

In der Weltcup-Phase ist jedenfalls eine Neuro-Trainerin dabei. „Sie soll dafür sorgen, dass Vanessa von der Schmerzempfindung geschärft ist“, führte der Coach aus. Bei den Europameisterschaften am zweiten Jänner-Wochenende in Heerenveen und natürlich bei Olympia werde dann auch ein Physiotherapeut dabei sein. Sollte es sich für Polen doch noch ausgehen, stehen die Ergebnisse nicht an erster Stelle. „Wir würden schon gerne in den Top 10 sein“, betonte er. „Aber das Wichtige ist bei jedem Rennen, dass Vanessa schmerzfrei durchkommt. Wir können beide damit leben, wenn sie bei den Startzeiten zwei, drei Zehntel weg ist und die Runden ein bisschen langsamer sind. Was wir wollen, ist ein vernünftiger Start. Wir sehen jedes Rennen jetzt als wichtigen Schritt Richtung Olympia.“

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