26.10.2021 10:05 |

Verzerrtes Funksignal

Mysteriöse Radiowellen nicht von Proxima Centauri

Ein mysteriöses Signal aus dem Weltall, das von Proxima Centauri, dem der Sonne am nächsten gelegenen, bekannten Stern zu kommen schien, hat im Vorjahr Schlagzeilen gemacht. Nach einer elf Monate langen Untersuchung nun die Ernüchterung: Die vom großen Parkes-Radioteleskop in Australien aufgefangenen Schallwellen sind irdischen Ursprungs. Das BLC1 getaufte Radiosignal sei durch die Verzerrung irdischer Funksignale entstanden, sagt die Astronomin Sofia Sheikh von  der University of California Berkeley.

Ganz nutzlos sei die aufwendige Untersuchung dennoch nicht gewesen, lautet das Fazit Sheikh: Im Verlauf des Verifizierungsprozesses wurden Checklisten und Prüfalgorithmen optimiert, so dass künftige ähnliche Untersuchungen leichter vonstattengehen. Solche Trockenübungen seien wirklich wertvoll, sagte der Astronom Jason Wright von der Pennsylvania State University. „Wir brauchen diese Signal-Kandidaten, um zu lernen, wie wir damit umgehen - wie wir überprüfen können, ob sie außerirdisch oder menschlich sind.“

Anwärter für Nachweis außerirdischen Lebens
Die Entdeckung von 2020 erfolgte im Rahmen des SETI-Projekts Breakthrough Listen zur Auffindung außerirdischer Intelligenz, das seit 2016 Technosignaturen aufspürt: Das sind Radiosignale, die extraterrestrischen Ursprungs sein könnten. BLC1 (Breakthrough Listen Candidate 1) war der erste Anwärter für einen akustischen Nachweis außerirdischen Lebens.

Das Projekt Breakthrough Listen soll zehn Jahre dauern. Ziel ist es unter anderem, eine Million erdnahe Sternensysteme, die hundert nächsten Galaxien und das galaktische Zentrum nach Anzeichen extraterrestrischer Intelligenz zu scannen. Alle erlangten Teleskopdaten sind Open Data und die verwendete Software Open Source.

Der scheinbare Ursprung des Signal-Kandidaten, Proxima Centauri, ist der Stern, welcher der unserer Sonne am nächsten liegt - nur 4,2 Lichtjahre entfernt. Für die SETI-Forschung (Search for Extraterrestrial Intelligence) ist er von besonderem Interesse, da er zwei Planeten hat, von denen einer Wasser führen könnte - die Grundbedingung für Leben, so wie wir es kennen.

Signal wurde von Praktikant entdeckt
Das mysteriöse Signal wurde erstmals im vergangenen Jahr von Shane Smith, einem Studenten des Hillsdale College in Michigan, entdeckt, der als Forschungspraktikant bei Breakthrough Listen arbeitete.

Die vom 64-Meter-Parkes Radioteleskop gelieferten Daten umfassten mehr als vier Millionen Signale aus der Umgebung von Proxima Centauri. Smith entdeckte ein Signal in der Nähe von 982 Megahertz, das vom Stern selbst zu stammen schien, etwa fünf Stunden lang anhielt und alle Grundkriterien erfüllte.

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