Mobiles Planetarium

In 15 Minuten in die Galaxis reisen

Wien ist leiwand
24.10.2021 09:00
Die unendlichen Weiten des Universums haben auf dem Lastenfahrrad der Leopoldstädterin Ruth Grützbauch Platz. Die Astronomin schickt ihre Gäste nicht nur auf ein Abenteuer, sondern hat auch spannenden Lesestoff.

Wie stehen meine Sterne, Frau Grützbauch? Der Saturn belastet mich heute sehr.“ – Diese Sätze sind keine Seltenheit für die Wienerin. Viele können nicht zwischen der Naturwissenschaft Astronomie und der Sterndeutung Astrologie unterscheiden. „Ich nehme solche Aussagen mit Humor. Aber wenn es mir zu weit geht, sage ich schon, dass die Schwerkraft des Stuhles in einem Raum viel mehr Wirkung auf einen Menschen hat, als ein Planet, der viele Millionen Kilometer entfernt ist“, so die Astronomin.

Aber wie kommt eine Wienerin aus dem Gemeindebau auf die Idee, sich mit dem Weltall zu beschäftigen? „Vielleicht habe ich einfach zu viel ,Star Trek’ gesehen?“, lacht die 43-Jährige. Die Sterne haben sie schon immer fasziniert, aber eigentlich hat ein Schulkollege den damaligen Teenager auf das Studium gebracht. „Nicht einmal in Deutschland gibt es ein reines Astronomiestudium mit Bachelorabschluss. Das ist schon einzigartig für Österreich, obwohl es wenig Berufe dafür vor Ort gibt.“ Grützbauch machte schließlich aus der Not eine Tugend. Sie ist nämlich mit ihrem Planetarium mobil. Im britischen Manchester lernte sie das Konzept kennen und nahm die Idee mit nach Österreich.

In nur 15 Minuten steht das tragbare Weltall. Die Wissenschafterin braucht dafür einen drei Meter hohen Raum sowie 6x6 Meter Platz und eine Steckdose. Mit 15.000 Menschen reiste sie bereits zur Sonne und zum Saturn. Nicht nur Schulen interessieren sich für die Asteroiden: „Ich war sogar schon auf Hochzeiten und habe den Gästen eine Vorstellung gegeben“, freut sich die Wienerin. Aber Heiratsantrag unter ihren Sternen gab es noch nie. „Diesen Geschäftszweig muss ich mir noch überlegen“, witzelt die promovierte Forscherin.

In ihrem aufblasbaren Projektionszelt fühlt sich Grützbauch wie zu Hause. Mit einem Lächeln erzählt sie, dass die Sonne eigentlich aus Gas besteht und ein Stern ist, den man auch am Tag sehen kann. Mittlerweile ist die Lichtverschmutzung in den Städten aber so stark, dass man abends die Sterne kaum sieht. „Das ist ein Problem für den Schlafrhythmus der Menschen. Auch Tiere orientieren sich am Nachthimmel“, erklärt die 43-Jährige.

(Bild: Christian A. Pichler)

Von Außerirdischen, die Mikroorganismen sind
„Sehen wir auch Außerirdische?“ - Das ist wohl die häufigste Frage, die Grützbauch von Kindern gestellt bekommt. „Ich liebe es! Dann erzähle ich immer, dass wir uns einen Mond ansehen werden, wo es möglicherweise außerirdisches Leben gibt.“ Konkret handelt es sich um den Europamond des Jupiters. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass der riesige Stein mit Eis überzogen ist. „Diese Schicht ist bis zu 20 Kilometer dick und man sieht Krater und Risse, wo Wasserfontänen rausspritzen. So entsteht immer wieder neues Eis. Darunter befindet sich ein Ozean, der zehnmal so tief ist wie unsere.“ Wenn es dort Wasser gibt, kann dort auch Leben sein. „Vielleicht keine grünen Männchen, aber Mikroorganismen.“

Dann verspricht uns die Wienerin eine Reise ins Schwarze Loch. 26.000 Lichtjahre ist dieses Objekt, das sich in der Mitte der Milchstraße befindet, von uns entfernt. Dennoch gibt es sehr nahe Aufnahmen, aber bisher wissen die Forscher noch sehr wenig darüber.

Warum müssen wir überhaupt das Schwarze Loch untersuchen? „Weil es wirklich existiert und es gut ist, wenn wir wissen, was da draußen ist. Für mich hat das Schwarze Loch aber auch eine relativierende Wirkung. Da gibt es Galaxien, die so absurd weit entfernt sind. Diese Tatsache macht meine Probleme auf der Erde dann ein bisschen kleiner.“

„Und wenn wir Richtung Norden blicken, sehen wir rechts neben der Milchstraße die Andromedagalaxie“, weist uns die Forscherin ein. „Sie rast auf uns mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Sekunde, beziehungsweise mit 400.000 km/h auf uns zu, bis es zur interstellaren Kollision kommt.“

(Bild: Christian A. Pichler)

Kollisionen im Weltall wirbeln Sterne herum
Die Angst unter den Beobachtern breitet sich aus, bis die Astronomin auflöst: „Aber das passiert erst in zwei Milliarden Jahren.“ Erleichterung ist zu spüren. Eine Animation zeigt, wie so ein Zusammenstoß aussieht. Dabei werden die Sterne herumgewirbelt und das Faszinierende: Solche Kollisionen passieren im Weltall ständig!

Um ihr Wissen vielen weiterzugeben, veröffentlichte die Astronomin ein Buch. Auf 224 Seiten erklärt sie in „Per Lastenrad durch die Galaxis“ alles zum Thema. Aber sie hat noch ein größeres Ziel: „Der Mond!“ Was wie ein Scherz wirkt, ist purer Ernst. „Ich habe mich als Astronautin bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA gemeldet“, erklärt Grützbauch. 22.589 Menschen haben sich heuer beworben, darunter sind sogar 464 Österreicher. „Aber dass ich dran komme, ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich habe eine fünfprozentige Chance“, rechnet sich die Wienerin aus. Im November soll auf 1000 Kandidaten ausgesiebt werden. Bis dahin reist die Astronomin zumindest mit ihrem Planetarium zum Erdtrabanten.

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