19.09.2021 14:06 |

Warenteile fehlen

Haushaltsgeräte preislich im Schleudergang

Zweistelliges Verkaufsplus bei Kühlschrank, Waschmaschine & Co., doch auch Preise und Lieferzeiten steigen wegen Teile-Mangel.

Corona ist für die Haushaltsgerätefirmen sozusagen ein Konjunkturprogramm: Wegen Homeoffice beschleunigte sich der Trend zum Selberkochen, und viele rüsteten – auch mit dem nicht in den Urlaub gesteckten Geld – ihre in die Jahre gekommenen Küchen technisch auf.

„Im ersten Lockdown waren es besonders Kühl- und Gefriergeräte, weil die Konsumenten Vorräte angelegt haben. Dann kam als Thema die Hygiene bei Wäsche und Bodenpflege dazu. Die Nachfrage ist bis jetzt eigentlich in allen Kategorien sehr stark, es gibt wertmäßig ein zweistelliges Plus. Wir glauben, dass sich das etwas normalisiert, aber als Trend bleiben wird“, strahlt Sandra Kolleth, Chefin von Miele Österreich, über eines der besten Jahre seit Langem. Der Umsatz der Elektrobranche mit den großen Geräten dürfte gut 1,3 Milliarden Euro ausgemacht haben. „Jede der großen Produktgruppen hatte zumindest fünf Prozent Wachstum in Stück, mitunter auch mehr“, ergänzt Brendan Lenane, Geschäftsführer der Elektrohändlergruppe Red Zac. Bei den Kleingeräten waren Haar- und Bartschneider sogar zeitweise ausverkauft, als die Friseure zusperren mussten ...

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Im ersten Lockdown waren es besonders Kühl- und Gefriergeräte, weil die Konsumenten Vorräte angelegt haben. Dann kam als Thema die Hygiene bei Wäsche und Bodenpflege dazu. Die Nachfrage ist bis jetzt eigentlich in allen Kategorien sehr stark, es gibt wertmäßig ein zweistelliges Plus.

Brendan Lenane, Geschäftsführer der Elektrohändlergruppe Red Zac

Dem wertmäßigen Marktführer Miele folgen Siemens und Bosch, die zusammen zur BSH-Gruppe gehören. Sie schaffte bei uns elf Prozent Umsatzplus, das war gut doppelt so viel wie im Europaschnitt! Treiber waren der Onlineverkauf (plus 400 Prozent), extragroße Kühlgeräte, Wäschetrockner sowie Akku-Staubsauger.

Die Markenhersteller dürften überproportional profitiert haben, weil „wie schon nach der Finanzkrise 2008 die Kunden eher höherwertige, langlebige Geräte kaufen. 85 Prozent der Gesamtkosten fallen bei der Verwendung an, Energieeffizienz ist daher unter den Top-3-Kriterien beim Kauf“, ergänzt Kolleth. Doch der Nachfrageboom bringt die Hersteller teilweise sogar ins Schleudern. So wie etwa die Autokonzerne trifft auch die Hausgeräteerzeuger die weltweite Knappheit bei Elektronikteilen, die zur Steuerung notwendig sind. Gleichzeitig stocken die Lieferketten, weil etwa Container fehlen und entsprechend teuer sind.

Zwei Folgen für die Konsumenten
Erstens ungewohnt lange Lieferzeiten bei besonders begehrten Geräten von mehreren Wochen bis einigen Monaten. „Der Handel versucht alles, um lieferfähig zu bleiben. Bei bestimmten Marken und Modellen gibt es Verzögerungen, und wenn jemand genau darauf besteht, wird es schwierig“, fasst Elektrohandels-Obmann Robert Pfarrwaller zusammen. Für das Weihnachtsgeschäft rechnet er aber mit einer Entspannung, ebenso wie Red-Zac-Manager Lenane.

Zweitens klettern die Preise, ergänzt er. „Es wurden uns von Industrie und Lieferanten Erhöhungen avisiert. Grund ist die Kostenexplosion von Rohmaterialien wie Alu, Kupfer, Stahl usw. und für internationale Transporte um rund 300 Prozent.“ Die Teuerung dürfte um die drei bis fünf Prozent betragen, hört man aus der Industrie.

Christian Ebeert
Christian Ebeert
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