16.09.2021 08:21 |

„Krone“-Kolumne

„Pille danach“: Verhütungsmittel für den Notfall

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zu Verhütungsmitteln für den Notfall.

Verhütungsnotfälle passieren manchmal. In Deutschland hat eine repräsentative Studie zu Jugendsexualität gezeigt, dass jede dritte sexuell aktive Frau mindestens einmal schon die „Pille danach“ nehmen musste. Mädchen und junge Frauen haben allerdings wenig Wissen über eine „Notfallverhütung“. Wie diese genau wirkt und wo man sie erhält, ist oft unklar.

Fangen wir mit den Basics an. Um schwanger zu werden, müssen Samenzellen zum Zeitpunkt des Eisprungs eine Eizelle befruchten. Jetzt wird es allerdings schon kompliziert: Wann der Eisprung ist, wissen Frauen meistens nicht. Der Tag des Eisprungs kann in jedem Zyklus variieren. Fix ist nur, dass 14 Tage NACH dem Eisprung die nächste Regelblutung einsetzt, wenn man nicht schwanger ist. Das nachträgliche Wissen hilft einem für die Planung einer (Nicht-)Schwangerschaft jedoch wenig. Auch Zyklus-Apps können nicht in die Zukunft schauen und vermitteln eine falsche Sicherheit - als wüsste die App, wann genau der Eisprung stattfindet. Das ist aber nicht der Fall. Dazu kommt: Während eine Eizelle nur zwölf bis 24 Stunden befruchtet werden kann, können Samenzellen mehrere Tage in der Gebärmutter überleben und im Eileiter auf eine Eizelle warten. Das führt dazu, dass Frauen von Sex schwanger werden können, der mehrere Tage vor ihrem Eisprung (von dem sie das genaue Datum nicht wissen) stattgefunden hat.

Hat man das verstanden, ist es auch nicht mehr so kompliziert, die Wirkung der „Pille danach“ zu verstehen. Die Pille enthält Hormone, die dafür sorgen, dass der Eisprung um ein paar Tage verschoben wird (wenn er noch nicht stattgefunden hat). Die Samenzellen warten vergeblich und es kommt zu keiner Befruchtung der Eizelle. Hat der Eisprung hingegen zufälligerweise gerade während dem Sex stattgefunden, verhindert die „Pille danach“ die Befruchtung nicht. Deshalb muss die „Pille danach“ so schnell wie möglich nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, wenn sie wirken soll. Prinzipiell ist es jedoch möglich, bis zu fünf Tage danach noch das Notfallverhütungsmittel einzunehmen. Es wirkt nur nicht mehr so gut wie wenn man es innerhalb von zwölf bis 24 Stunden nach dem Sex einnimmt.

Als „Notfall“ kommen alle möglichen Situationen in Betracht, bei denen Sperma in die Vagina kommt und keine Schwangerschaft eintreten soll. Am häufigsten verwenden Jugendliche die „Pille danach“, wenn beim vaginalen Geschlechtsverkehr das Kondom gerissen, geplatzt oder abgerutscht ist. Aber auch wenn die Einnahme der Pille vergessen wurde oder - aus welchen Gründen auch immer - gar nicht verhütet wurde, besorgen sich Jugendliche eine Notfallverhütung. Obwohl die Verwendung der „Pille danach“ sehr sicher ist, haben viele Jugendliche Angst, trotzdem schwanger zu werden oder machen sich Sorgen, ob die Nebenwirkungen ihnen schaden können. Wie der Name schon sagt, ist die Notfallverhütung nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt, sondern für Ausnahmefälle. Aber eine ungewollte Schwangerschaft ist für junge Frauen und Männer ebenfalls eine körperliche, psychische und finanzielle Belastung. Verglichen damit sind die Belastungen durch die „Pille danach“ gering.

Die „Pille danach“ erhält man rezeptfrei in jeder Apotheke. Zu diskutieren gibt es dabei mit der Apothekerin nichts, außer wann genau der ungeschützte Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, damit die richtige „Pille danach“ (jene für bis zu drei Tage danach oder bis zu fünf Tage danach) gegeben werden kann. Nachdem die meisten „Notfälle“ am Wochenende passieren, kann man sich darauf einstellen, eine Nacht- oder Notfallapotheke aufsuchen zu müssen. Diese verlangen etwas mehr Geld für die Medikamente, die sie ausgeben, sind aber rund um die Uhr auch für solche Verhütungsnotfälle offen.

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Barbara Rothmüller
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