07.09.2021 10:20 |

Zum Abschminken

Hai-Produkte: Das Artensterben im Cremetiegel

Sie versprechen Pflege, Schönheit und ewige Jugend - viele Kosmetikprodukte wie Cremes, Salben oder Haarspülungen werden gerne so angepriesen. Doch das positive Image mancher Produkte hat auch Schattenseiten, die oft erst im Zutatenverzeichnis ersichtlich werden. So etwa das aus Haileber gewonnene Squalen. Drei Millionen Tiefseehaie fallen dessen Gewinnung jährlich zum Opfer.

Einerseits finden sich in vielen Mixturen Mikroplastik, Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe, die allergieauslösend sein können. Zum anderen werden auch Inhaltsstoffe verwendet, die das Artensterben vorantreiben. Sehr häufig ist das aus Haileber gewonnene Squalen zu finden, teils auch das chemisch daraus umgesetzte Squalan. Nach Schätzungen der NGO Bloom Association fallen jährlich mehr als drei Millionen Tiefseehaie der Befischung zum Zweck der Squalengewinnung zum Opfer.

Ein Großteil der Squalenproduktion geht in die Kosmetikindustrie, der Rest wird in der pharmazeutischen Industrie als Wirkstoffverstärker für Impfungen oder in der High-Tech-Branche für Transformatorenöl verwendet. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln findet man Squalen, wenngleich eine positive gesundheitliche Wirkung bisher nicht durch Studien belegt ist.

Warum der Hai so begehrt ist
Squalen wurde zunächst kurz nach 1900 in Haifischleber nachgewiesen, daher auch der Name, der sich von der lateinischen Bezeichnung des Haifisches „Squalus“ ableitet. Mitte der 1930er-Jahre wurde Squalen, das auch in Pflanzen vorkommt, erstmals in Olivenöl gefunden. Die pflanzliche Alternative hat nur einen wirtschaftlichen Nachteil: Der Gehalt ist deutlich geringer und die Herstellung des Phytosqualens um etwa ein Drittel teurer als aus Fischölen. Während der Gehalt in Fischölen, vor allem in dem der Haifische, bei bis zu 90 Prozent liegt, sind es im pflanzlichen Bereich gerade einmal um die ein Prozent. Deshalb ist die Jagd auf das „flüssige Gold aus der Tiefsee“ immer noch ein lukratives Geschäft, ohne Rücksicht auf gefährdete Haiarten, wie Dornhai, Weißer Hai oder Heringshai.

Neben dem tierischen Squalen wird auch ein weiteres Haiprodukt häufig in der Kosmetikindustrie verwendet: Kollagen aus Haifischknorpeln. Es findet sich vor allem in Hautcremen, aber auch in diversen Produkten der „Naturheilkunde“, die etwa Rheuma oder auch Krebs vorbeugen sollen, die Wirksamkeit darf jedoch angezweifelt werden.

Wie erkenne ich ein Hai-Produkt?
Die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten müssen gemäß einer EU-Richtlinie, je nach Menge, in absteigender Reihenfolge wiedergegeben werden. Oft sind die Namen und Bezeichnungen der Inhaltsprodukte jedoch nicht solche, die uns allen im Alltag geläufig sind. Squalen oder Squalan gehören in diesem Sinn auch nicht zu den unbedingt bekannten Zutaten. 

Zahlreiche Produkte sind mit Alternativen in der Rezeptur, etwa Phytosqualen, zu haben. Bei Bioprodukten oder Naturkosmetikprodukten mit Gütesiegel (z. B. Ecocert, Natrue, Weleda, Bio Austria Garantie), ist man auf der sicheren Seite.

Hai-Produkte von der Fischtheke oder aus dem Urlaub
Obwohl sich in Europa die Haifischflossensuppe nicht so recht durchsetzen konnte, lauern auch an der Fischtheke Fallen für Konsumenten, denen der Artenschutz am Herzen liegt. Neben Haifischsteaks werden unter wohlklingenden, jedoch irreführenden Namen auch andere Haifisch-Produkte angeboten - etwa Speckfisch, Schillerlocke oder Königsaal.

Beim Souvenirkauf im Ausland sollte den Verlockungen, Haifischgebisse oder Produkte aus Haileder („Boroso“-Leder) zu kaufen, widerstanden werden. Diese Produkte treiben nicht nur das Artensterben voran, sie können bei der Heimreise auch eine Menge Ärger am Zollschalter verursachen.

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