31.08.2021 07:26 |

Während Taliban feiern

Hier verlässt der letzte US-Soldat Afghanistan

Eine Minute vor Mitternacht (Ortszeit) hob das letzte Transportflugzeug am Flughafen Kabul ab. Der letzte Soldat, der die Maschine betrat, war Generalmajor Chris Donahue, der bei diesem historischen Schritt von einem Nachtsichtgerät aufgenommen wurde. „Jeder einzelne Soldat ist jetzt aus Afghanistan raus. Das kann ich mit 100-prozentiger Sicherheit sagen“, erklärte General Kenneth McKenzie von den US-Marines.

Kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 bereiteten sich CIA-Agenten auf einen Einsatz in Afghanistan vor, der die USA schließlich 20 Jahre beschäftigen sollte. Die CIA veröffentlichte erst vor zwei Jahren Fotos, wie die Spezialeinheit der Operation „Jawbreaker“ in das Land am Hindukusch ankam. Ein Beamter trug dabei eine Kappe mit der Aufschrift „New York“, um „die Bedeutung der Mission des Teams“ zu unterstreichen, wie die CIA damals berichtete.

Die Spezialeinheit umfasste nur zehn Menschen, sieben Offiziere und drei Piloten. Am 19. September 2001 - also etwas mehr als eine Woche nach den Anschlägen - startete das Team den „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan.

Taliban-Anhänger: „Afghanistan ist frei“
Rund 20 Jahre später haben die USA ihre Truppen abgezogen. Während die Staaten die letzten Soldaten ausflogen, feiern die Taliban als neue Machthaber ihre Rückeroberung mit stundenlangen Freudenschüssen. Auch in sozialen Medien beglückwünschen sich Anhänger der Terrororganisation gegenseitig. „Gratulationen an alle“, freut sich einer, „Afghanistan ist frei“, verkündet ein anderer. Das hochrangige Taliban-Mitglied Anas Haqqani schrieb triumphierend auf Twitter: „Wir schreiben wieder Geschichte. Die 20-jährige Besetzung Afghanistans durch die USA und die NATO endete heute Abend. Gott ist groß.“

„Der letzte amerikanische Soldat verlässt Afghanistan“, musste das US-Verteidigungsministerium nun auf Twitter verkünden - die US-Mission in Kabul sei nun offiziell beendet. Die Afghanen werden damit nach knapp 20 Jahren wieder den Islamisten, die Ende 2001 entmachtet wurden, überlassen. Bis zu 100.000 internationale Soldaten waren in den letzten zwei Jahrzehnten am Hindukusch im Einsatz. Für die USA war es der längste Krieg in ihrer Geschichte, 2460 ihrer Soldaten fielen im Kampf gegen den Terror.

Verteidigungsminister: Noch etwa 100 US-Amerikaner im Land
Neben den Soldaten haben auch US-Diplomaten ihre Präsenz beendet. Alle diplomatischen Aktivitäten seien in die katarische Hauptstadt Doha verlegt, erklärte US-Außenminister Antony Blinken: „Angesichts der unsicheren Sicherheitslage und der politischen Situation in Afghanistan war dies ein umsichtiger Schritt.“ Noch immer seien ein paar Dutzend US-Bürger dort, die das Land verlassen wollen. Die Anzahl sei „unter 200, wahrscheinlich näher an 100“, vermutet Blinken und versprach: „Wir werden ihnen helfen, auszureisen.“

Taliban: „Wir wollen gute Beziehungen zu den USA“
Die Verpflichtung gegenüber diesen Menschen habe keine Frist - die Taliban hätten außerdem zugesagt, Afghanen, die für die USA gearbeitet hätten, auszureisen. Auch McKenzie erklärte, die Islamisten hätten sich in den letzten Phasen des US-Abzugs aus Afghanistan „sehr pragmatisch und geschäftsmäßig“ verhalten. Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid betonte bei einer Rede am Dienstag am Flughafen: „Wir wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt haben.“

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).