Geschützte Arten

Tiere als Hürden für Salzburger Großprojekte

Salzburg
18.08.2021 09:00
Geschützte Lebewesen werden immer mehr zur Herausforderung für größere Projekt in Salzburg. Allein beim geplanten Bahntunnel in Köstendorf wurden bisher drei geschützte Arten entdeckt. Die „Krone“ gibt einen Überblick, bei welchen Vorhaben die Krabbler und Co. den Baustart zumindest verzögerten. Oftmals mussten Kraftwerke und Gebäude umgeplant werden, um dem Naturschutz gerecht zu werden.

Steinkrebse gegen Deponie
Als ersten Deponiestandort für das Aushubmaterial des 16,8 Kilometer langen Flachgautunnels hatten die Österreichischen Bundesbahnen den Steinbachgraben im Gemeindegebiet von Lochen (OÖ) vorgesehen. Ein Förderband vom Tunnelportal zum Standort erhitzte die Gemüter der betroffenen Anrainer - umsonst. Denn schon bald wurde in dem Graben eine große Kolonie des in der Europäischen Union streng geschützten Steinkrebses entdeckt.
An eine Deponie war damit nicht mehr zu denken, weil eine Umsiedlung des Tieres nicht möglich sei. Interessanter Nebenaspekt: Nur einen Graben weiter ist der nicht geschützte Signalkrebs beheimatet, der bei einem Zusammenkommen mit dem Steinkrebs verheerende Auswirkung auf dessen Bestand haben würde. Die ÖBB suchen derzeit einen neuen Standort.

(Bild: Thomas Aichinger)

Laufkäfer gegen Deponie
Nachdem der Deponiestandort im Lochener Steinbachgraben nicht möglich war, wollen die ÖBB das Aushubmaterial in einem nur wenige Kilometer entfernten Gebiet zwischen Köstendorf und Seekirchen lagern. Nach dem Aus für die 1. Wahl durch den Steinkrebs macht nun ein Krabbeltier den Bundesbahnen zu schaffen. Tierschützer haben nämlich auf der geplanten Deponiefläche den geschützten Schwarzen Grubenlaufkäfer entdeckt. Dies wurde im Rahmen der Untersuchungen auch von den ÖBB bestätigt. Dieser galt in Mitteleuropa als nahezu ausgestorben. Dem aber noch nicht genug, hat sich auch der Rotmilan, ein Greifvogel, in dem Waldstück niedergelassen. Der Habicht ist seit 2006 auf der roten Liste der Weltnaturschutzorganisation.

Uhu gegen Garage im Berg
Wenn ein Berg ausgehöhlt werden soll, rechnet man nicht mit gefährdeten Tierarten, auf die Rücksicht genommen werden muss. Falsch. Im Falle des Ausbaus der Mönchsberggarage im Herzen der Stadt Salzburg gibt es sogar eine Vielzahl von Lebewesen, auf die die Projektbetreiber Rücksicht nehmen müssen. So auch ein Uhu. Der Bubo bubo - so der wissenschaftliche Name des Vogels - brütet in der Innenstadt in drei Revieren. Allerdings nicht beim Krauthügel, über den die Baustellenzufahrt führen wird, sondern auf der anderen Seite des Mönchsbergs über dem Friedhof St. Peter. Tierschützer sehen den Krauthügel aber als Jagdrevier des Uhus an. Die europäische Vogelschutzrichtlinie legt fest, dass die Tiere weder getötet noch gestört und auch nicht in ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt werden dürfen.

Hufeisennase gegen Abriss
Lange sollte die ehemals berühmte Volksgartensauna im Zentrum der Landeshauptstadt abgerissen werden. Das war Teil der Neugestaltung des Parks, die mittlerweile im Gange ist. In dem maroden Saunagebäude wurde aber die Kleine Hufeisennase entdeckt, die den Abriss um Monate verzögerte. Die Fledermausart gilt in Österreich und Deutschland als gefährdet und steht somit unter Schutz. Auf der roten Liste der Welttierschutzorganisation (IUCN) ist sie allerdings wegen des großen Verbreitungsgebiets nicht zu finden. In Salzburg wurde jedoch eine Lösung für das Tier gefunden. Beim Neubau im Volksgarten haben die Tiere im Gebäude einen eigenen Raum erhalten und damit quasi sogar ein „Wohnungs-Upgrade“ bekommen.

(Bild: Felix Heyder)

Biber gegen Kraftwerk
Nicht nur Biber bauen gerne Dämme und stauen das Wasser auf. Auch der heimische Energieerzeuger Salzburg AG macht dies mit seinen Wasserkraftwerken. Im Jahr 2010 kam es zwischen dem Biber und dem Unternehmen aber zu einem Interessenskonflikt beim Bau des Salzachkraftwerks Sohlstufe Lehen. Als es nämlich an den Start des Projektes ging, wurde der Bestand bestätigt und verzögerte den Bau. Das Kraftwerk musste umgeplant und die Auflagen geändert werden. Seit dem Jahr 2013 ist das Kraftwerk mit dem markanten Design in Betrieb. Es erzeugt jährlich 81.000 Megawattstunden Strom für die Salzburger Bevölkerung. Im Bundesland gibt es derzeit an die 250 Biber in 70 verschiedenen Revieren. Diese sind immer wieder für Schäden verantwortlich, die vom Land bezahlt werden.

Schlingnatter gegen Autobahn
Nicht nur Anrainer haben gegen einen Autobahnanschluss in Hagenau gekämpft. Entlang der A1 gibt es an der Böschung die Schlingnatter. Diese ist streng geschützt. Die kleine und ungiftige Schlange wird wegen ihrer Zeichnung oft mit der Kreuzotter verwechselt. Trotz des Tierschutzes wurde der erste Teil des Autobahnanschlusses gebaut und eröffnet. Bis Anfang 2020 war der weitere Ausbau bei der Anschlussstelle im Norden von Salzburg geplant. Dieser wird erst einmal nicht kommen. Dabei spielt das geschützte Tier aber keine Rolle mehr. Denn die bisherigen geplanten Varianten hätten für zuviel zusätzlicher Verkehrsbelastung in dem Gebiet gesorgt. Neue Varianten werden seitdem jedoch wieder geprüft.

Die Alpensalamander zeigen sich gerne nach regnerischen Nächten. (Bild: Rubina Bergauer)
Die Alpensalamander zeigen sich gerne nach regnerischen Nächten.

Salamander gegen Holzwerk
Der streng geschützte Alpensalamander ist auch in den Weitwörther Auen beheimatet - einem „Natura 2000“-Schutzgebiet. Dort will eine Firma seit mehr als zehn Jahren ein Holzrecycling-Werk bauen, scheiterte aber bisher wegen des Tieres. Es besiedelt in tieferen Lagen strukturreiche Nadel- wie auch Laub-Nadel-Mischwälder. Besonders Straßen und Wege sind für das Tier gefährlich, da es oft überfahren oder zertrampelt wird. Auch Waldrodungen tragen zur Reduzierung der Lebensräume der Amphibien bei. Aber auch Fledermäuse machen dem Projekt, wie bei einigen anderen, einen Strich durch die Rechnung. Neben dem Alpensalamander ist auch der bekanntere Feuersalamander geschützt. Dieser kommt häufiger vor und tritt meist bei Straßenprojekten oder Maßnahmen bei Bächen als Störfaktor in Erscheinung.

Nachtfalter gegen Stadion
Fußball-Regionalligist Austria Salzburg darf seit Beginn der Saison 2021/22 sein Flutlicht nicht mehr einschalten. Warum? Die Anlage hat eine Lichtfarbe von 5000 Kelvin, erlaubt sind mittlerweile allerdings nur noch 3000 Kelvin. Das helle Licht ist extrem schädlich für Insekten - etwa den Nachtfalter. Daher darf der Fußballclub keine Abendspiele mehr austragen, selbst Partien am Nachmittag werden zum Problem. Am vergangenen Wochenende musste der Anpfiff des Meisterschaftsspiels kurzfristig von 17 auf 16.30 Uhr vorgezogen werden. Die Problematik ist nicht neu: Landesligist Strobl darf wegen seltener Insekten seine Sportanlage nicht ausbauen. Auch die Fußballvereine SAK 1914 und USK Anif bekamen keine Flutlicht-Genehmigungen.

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