Schönste Wanderrouten

Lünersee: Türkisblaues Naturjuwel im Rätikon

Vorarlberg
23.07.2021 17:55

Der Lünersee ist als Ausflugsziel auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt und beliebt. Im Sommer zeigt sich die ansonsten eher karge Landschaft von ihrer allerschönsten Seite.

Bei der heutigen Wanderroute handelt es sich nicht gerade um einen Geheimtipp. Der Lünersee war schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Und seit das Gewässer mit der markant türkis-blauen Färbung im Rahmen der ORF-Sendung „9 Plätze - 9 Schätze“ 2019 zum schönsten Ort Österreichs gekürt worden ist, ist das Interesse noch einmal merklich gestiegen. Ein Ausflug in dieses landschaftlich beeindruckende Gebiet lohnt sich aber dennoch - besonders jetzt, da zahlreiche Alpenblumen in voller Blüte stehen.

Empfehlenswertes Ziel für eine moderate Wanderung ist die Totalphütte. Los geht es von der Bergstation der Lünerseebahn. Wer sportlich ambitioniert ist, kann auf die Gondelfahrt verzichten und wählt stattdessen den Aufstieg über den „Bösen Tritt“. Allerdings sind hierfür eine gute Kondition und absolute Trittsicherheit gefordert. Nach einem gewaltigen Felssturz im Mai musste ein Abschnitt des Wandersteigs neu verlegt werden. Mittlerweile ist die Strecke wieder passierbar. Gleich ob mit der Bahn oder zu Fuß empfiehlt es sich, zeitig in der Früh aufzubrechen. Die erste Bergfahrt erfolgt bereits um 8 Uhr.

Rubina Bergauer erkundet die schönsten Wanderrouten im Ländle. (Bild: Mathis Fotografie)
Rubina Bergauer erkundet die schönsten Wanderrouten im Ländle.

Auf Höhe der Staumauer angekommen, geht es zunächst gemütlich ein Stück dem Seeweg entlang. Hier kann vor allem morgens noch sehr lebhafter Wind auffrischen. Eine leichte Sommerjacke hält warm, bis es in den Anstieg zur Totalphütte geht.Vom natürlichen Bergsee zum StauseeDie Strecke führt rechts vom Seerundweg in felsiges Gelände. Bald geht es steil bergan. Der Untergrund besteht teilweise nur aus losem Geröll, festes Schuhwerk ist daher unbedingt erforderlich. Schon nach ein paar hundert Metern bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das schimmernde Wasser. Der Lünersee liegt auf 1970 Metern Höhe am Fuße der Schesaplana und umgeben von zerklüfteten Bergspitzen. Er war einst der größte natürliche Bergsee der Ostalpen. Nachdem bereits im Jahr 1920 mit Abdichtungsarbeiten am Seegrund begonnen worden war, vergrößerte die Vorarlberger Illwerke AG 1959 das Fassungsvermögen mit Hilfe einer Staumauer. Das Wasser wird seither zur Stromerzeugung im Lünerseewerk genutzt. 

Vandanser „Enklave“im Brandnertal
Das Gebiet um den See (samt der Totalp) liegt auf dem Gemeindegebiet von Vandans, obwohl es geografisch gesehen zum Brandnertal gehört. Die Alpflächen um das Gewässer werden seit jeher vom Rellstal (Vandans) aus bestoßen, da die felsigen Steige, die vom Brandnertal dort hinauf führen, für das Vieh praktisch unpassierbar sind - daher rührt wohl auch der Name „Böser Tritt“.

Den aufmerksamen Wanderer lockt aber nicht nur das unvergleichliche Panorama an den smaragdfarbenen See. In der hochalpinen Landschaft trotzen zahlreiche Pflanzen den extremen Lebensbedingungen: Der bekannte blaue Enzian ist hier in großer Zahl vertreten, stängelloses Leimkraut bildet pinke Polster, zart blaue Vergissmeinnicht sprießen auf Magerwiesen und die großblütige Gemswurz reckt ihre sonnengelben Blüten in den Himmel. So karg die Berghänge auf den ersten Blick anmuten mögen - bei näherer Betrachtung sind sie erfüllt von buntem Leben. Totalphütte in

Totalphütte in neuem Glanz
Dem schmalen Pfad folgend gelangt der Wanderer in rund zwei Stunden schließlich zur Totalphütte auf 2385 Metern Höhe. Im Jänner 2019 ist das Gebäude von einer Staublawine stark beschädigt worden. Das kurz vor dem Unglück sanierte Schlafhaus wurde mit Ausnahme des betonierten Kellers komplett zertrümmert. Bis dahin galt der Standort als lawinensicher. Doch die Schneemassen donnerten in einem Naturereignis, das so wohl nur alle paar hundert Jahre vorkommt, durch die Senke westlich des Totalpsees und schossen am Gegenhang empor, wo sie schließlich mit ungeheurer Wucht auf die Hütte trafen. Zum Glück befanden sich zu diesem Zeitpunkt keine Tourengeher in den Winterräumlichkeiten. 3,1 Millionen Euro kostete der Wiederaufbau, im Juli 2020 fand schließlich die Neueröffnung statt. Die Totalphütte ist von Mitte Juni bis Anfang Oktober bewirtschaftet.

Wenige Meter unter der Hütte führt ein schmaler Wanderpfad durch das unebene und felsendurchsetzte Gelände retour in Richtung See. Dabei werden malerische Bächlein und vom Saharastaub verfärbte Schneefelder passiert. Mit einer anschließenden Umrundung des Lünersees kann diese eindrucksreiche Wanderung abgeschlossen werden.

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