19.07.2021 17:55 |

Ach, übrigens...

Don’t call us, we’ll call you

In seiner neuen Kolumne schaut sich Harald Petermichl den Machtkampf zwischen der Lufthansa und dem DFB genauer an.

Bei der Besetzung von Positionen im diplomatischen Dienst lohnt es sich, genau hinzuschauen, über welche Kernkompetenzen die vorgesehenen Personen verfügen, um sich in heiklen Situationen auf deren Expertise verlassen zu können. So hat sich beispielsweise das Emirat Qatar, als es 2020 darum ging, einen Botschafter nach Deutschland zu entsenden, für einen Luftfahrtexperten entschieden: Abdulla bin Mohammed bin Saud Al Thani ist diplomierter Pilot des British Army Air Corps und hat selbstverständlich auch bei der Emiri Air Force seines Heimatlandes gedient. All das kommt ihm jetzt in einer nachrichtentechnisch gesehen recht unübersichtlichen Situation zugute und die von Herrn Putin überreichte Freundschaftsmedaille hätte er dafür gar nicht gebraucht.

Weil die pandemisch schwer angeschlagene und mit etwa neun Milliarden an staatlichen Hilfen gestützte Lufthansa kürzlich angekündigt hat, sie müsse ihre Zahlungen an den Fußballbund (bisher ca. 25 Millionen jährlich inklusive aller Freiflüge) signifikant verringern, war man an der Otto-Fleck-Schneise recht verschnupft und hat bei der EM auf die Dienste des Carriers mit dem Kranich verzichtet.

Für die 184 Kilometer zu den Vorrundenspielen nach Fröttmaning bestieg man in Herzogenaurach den Autobus und zum einzigen Spiel in der Wembley-Fremde flog man mit einer 28 Jahre alten Boeing 737 des litauischen Anbieters KlasJet, der in der Branche eher als halbseiden betrachtet wird, weil er, so die Transportgewerkschaft ETF, seine Angestellten ausbeutet und dem Kabinenpersonal „zwischen 540 und 1.300 Euro pro Monat zahlt.“

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Beim Versuch, mit medialem Druck ein Umdenken bei der Lufthansa herbeizuführen, ist man nun mal wieder mit Anlauf in einen Fettnapf gehopst.

Harald Petermichl

Beim Versuch, mit medialem Druck ein Umdenken bei der Lufthansa herbeizuführen, ist man nun mal wieder mit Anlauf in einen Fettnapf gehopst, indem man Meldungen lanciert hat, die staatliche Fluglinie Qatar Airways habe dem DFB Avancen gemacht. Und hier kommt unser Flugdiplomat ins Spiel, der am Freitag unter dem Motto „Wer hat wen angerufen?“ klarstellte: „Qatar Airways wurde zwar von Seiten des DFB mit einem derartigen Begehren kontaktiert, zieht es derzeit aber nicht in Betracht, entsprechende Verhandlungen aufzunehmen.“

Peinliche Sache das, aber ein Blick auf die Qualifikationstabelle, wo die Jetzt-Flick-Buben hinter Armenien und Nordmazedonien auf Platz 3 liegen, zeigt, dass es im Moment keinerlei Grund dafür gibt, überstürzt Flüge zur Vorweihnachts-WM zu buchen. Und für irgendwelche freundschaftlichen Länderkämpfe tut’s, dem derzeitigen spielerischen Niveau angemessen, auch die Holzklasse der Deutschen Bahn.

Harald Petermichl
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