Klar, schenkt er rote Rosen, stehen alle Zeichen auf Liebe – die Symbolik einer roten Rose kennt auch noch heute so gut wie jede(r). Aber was ist, wenn es weiße, rosa oder gar gelbe Rosen sind? Hat er sich dabei etwas gedacht, waren sie einfach nur im Angebot oder haben ihm schlicht besser gefallen?
In der Zeit der Romantik und sogar noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts musste man sich solche Fragen erst gar nicht stellen. Denn zu dieser Zeit war die sogenannte „Blumensprache“ weit verbreitet. Liebesbezeugungen, Abschiede, Anfragen zu Rendevous, Stimmungsmitteilungen bis hin zum Beenden von Freundschaften – dies alles wurde durch Blumensträuße mitgeteilt. Nicht nur die Auswahl der Blumensorten und ihre Farben, sondern sogar die Anordnung in den Sträußen spielte dabei eine wichtige Rolle.
Noch heute umgangssprachliche Redewendungen wie „etwas durch die Blume sagen“ oder „lass Blumen sprechen“ sind übrigens auf jene Zeit zurückzuführen.
Wie die Blumensprache nach Europa kam
Der Brauch, seine Gedanken, Gefühle und Empfindungen den anderen ohne Worte durch Blumen oder Sträuße mitzuteilen, stammt ursprünglich aus dem Orient. Diese in vielen Jahrhunderten vertiefte Kunst wird dort „Selam“ genannt.
Als europäische Botschafterin der Blumensprache gilt eine Frau: Lady Mary Wortley Montagu reist zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Orient und soll in Istanbul auch Zutritt zu den Harems erlangt haben. Dort soll sie dann in der diffizilen Blumensprache, die für die Haremsbewohnerinnen oft der einzige sichere Kommunikationsweg untereinander, aber auch zur Außenwelt, war, unterwiesen worden sein. In ihren „Briefen aus dem Orient“, die 1763 veröffentlicht wurden, schrieb sie darüber. Begeistert nahmen Maler, Dichter und Komponisten, vor allem aber jungen Menschen diese Idee auf. Exotische, in Europa nicht bekannte Blumen wurden durch regionale ersetzt und so die orientalische Blumensprache gleichsam „übersetzt“. Übrigens: Viele Blumenstilleben des 18. Jahrhunderts sind nach den Grundsätzen der Blumensprache aufgebaut.
Von romantisch bis deftig…
Am intensivsten wurde die „Geheimsprache durch Blumen“ von jungen Verliebten genützt. Jede eingesetzte Blume, jedes Schleifchen, hängende oder aufrechte Blüten – alles hatte eine Bedeutung. So war zum Beispiel die Ausrichtung der Blumen oder Schleifen ein Signal dafür, ob mit der Botschaft der Straußgeber (nach rechts) oder der Empfänger (nach links) gemeint war. Mittels Blumen und Frischezustand konnten sogar genaue Liebes-Treffen zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeschlagen und vereinbart werden. Durch ein Umdrehen der Blumen konnte die Botschaft ins genaue Gegenteil verkehrt werden.
Kein Wunder also, dass sich bald auch Anleitungsbücher für die Blumensprache entwickelten. So veröffentlichte etwa Charlotte de la Tour ein Büchlein namens „Blumensprache“ mit z.B. folgender Anweisung: „So sagt eine Rosenknospe mit ihren Dornen und Blättern: Ich fürchte, doch ich hoffe! Gibt man nun eben diese Knospe zurück, aber den Stiel nach oben gewendet, so sagt das: Du darfst weder fürchten, noch hoffen.“
So zart-romantisch ging es aber bei weitem nicht immer zu. Bekannt ist „Die Berliner Blumensprache aus dem Jahr 1838 von Adolf Gießbrenner“, wo z.B. für die rote Rose folgende Übersetzung steht: “Ich liebe Dir! Ich liebe Dich! Wie's richtig is, ich weeß es nich. Doch klopft mein Herz so schnelle! Ich lieb' nicht auf den dritten Fall, ich lieb' nicht auf den vierten Fall, Ich lieb' auf alle Fälle!“ Und wenig charmant für ältere Verehrer mittels der Dezemberblume: „Du mit deinen Schimmel-Haare, Du bist in de besten Jahre? Na, denn möcht' ick mal die schlechten sehen! Kleiner Schäker, Du kannst weiter jehen!“
Was heute zählt
Reste dieser einst so komplizierten Blumensprache haben sich zwar bis heute erhalten (z.B. rote Rose bedeutet leidenschaftliche Liebe, weiße Rosen stehen eher für Unschuld, aber auch Trauer etc.), doch allzu große Bedeutung sollte man den ausgewählten Blumen gemeinhin nicht mehr geben. Wichtig ist, dass die Sträuße je nach Anlass und Blumen- oder Farbvorlieben der Beschenkten zusammengestellt werden.
Und heute sind spezielle Gütesiegel meist wesentlicher als geheime Botschaften: So empfehlen z.B. viele Organisationen beim Kauf der über das ganze Jahr hin beliebtesten Blume, nämlich der Rose, auf das – gar nicht versteckte! – „Fair Trade“-Siegel zu achten, um Kinderarbeit und ungerechte Löhne auszuschließen.
Übrigens: Es müssen nicht immer (überteuerte!) rote Rosen sein: Auch rote Tulpen gelten in der Blumensprache als Liebesbotschaft!
Einige Pflegetipps für längere Haltbarkeit
Egal, ob geschenkt oder selbstgekauft: Viele Blumensträuße verlieren gerade im Winter nach kürzester Zeit ihre Frische. Einige Tipps für längere Haltbarkeit:









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