15.06.2021 16:04 |

Morddrohungen

Italiens Starvirologen im Visier der Impfgegner

Chaos um die Verwendung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca und immer mehr Drohungen von Impfverweigerern gegen die Starvirologen des Landes sorgen in Italien für Unruhe. Zuletzt musste der Direktor für Infektionskrankheiten des San Martino-Krankenhauses in Genua, Matteo Bassetti, unter Polizeischutz gestellt werden, nachdem er und seine Familie Morddrohungen erhalten hatten.

Der 53-jährige Bassetti, der seit der Pandemie zum TV-Star aufgerückt ist, kritisierte eine koordinierte Attacke einer Gruppe von Impfverweigerern gegen seine Facebook-Seite, die innerhalb weniger Minuten mit rund 1500 Botschaften gegen die italienische Impfkampagne bombardiert wurde. Die Seite war somit am Wochenende lahmgelegt. Der Virologe meldete den Vorfall bei der Polizei und drohte mit Klagen. „Ich lasse mich nicht einschüchtern. Jeder Einzelne, der sich an der Attacke beteiligt hat, soll dafür büßen. Sollten sie zu Geldstrafen verurteilt werden, werde ich das Geld für Benefiz-Zwecke spenden.“

Auch Kollegen ins Visier der Impfgegner geraten
Solidaritätserklärungen erhielt der Virologe von Kollegen, die ebenfalls ins Visier der Impfgegner geraten sind. „Ich bin auch wiederholt bedroht worden, doch ich lasse mich nicht einschüchtern, denn die Impfung ist ein wesentliches Instrument im Kampf gegen die Pandemie“, sagte Francesco Vaia, Direktor des auf Infektionskrankheiten spezialisierten Krankenhauses Spallanzani in Rom.

Drohungen erhält auch der Mailänder Virologe Fabrizio Pregliasco, der fast täglich im Fernsehen auftritt. „Auf meinen sozialen Netzwerken finde ich immer wieder Kommentare von Personen, die mich nicht nur beschimpfen, sondern auch bedrohen. Die Leute haben Angst, viele haben das Vertrauen in die Institutionen verloren und hängen Verschwörungstheorien an. Ich habe Klage bei der Polizei eingereicht“, so Pregliasco.

Ratlosigkeit nach Änderungen im Impfplan
In Italien herrscht Ratlosigkeit, nachdem die Regierung in Rom vergangene Woche beschlossen hatte, dass Menschen unter 60 Jahren nicht mehr mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft werden sollen. Diese Entscheidung war nach dem Tod einer 18-Jährigen in Genua getroffen worden.

Die Regierung lege daraufhin fest, dass Italiener unter 60 Jahren, die bereits eine AstraZeneca-Dosis bekommen haben, beim „zweiten Stich“ mit einem mRna-Impfstoff - also Vakzinen von Moderna oder Pfizer - immunisiert werden sollen. Dagegen wehrt sich jedoch der Präsident der süditalienischen Region Kampanien, Vincenzo De Luca, der vor den Folgen einer solchen Mischimpfung warnt.

Der Konsumentenschutzverband Codacons startete indes in Ligurien eine Sammelklage zugunsten der Bevölkerung im Alter von unter 60 Jahren, die mit AstraZeneca geimpft wurde. „Die vollkommene Ungewissheit und die ständigen Änderungen im Impfplan haben de facto die Gesundheit jener Personen aufs Spiel gesetzt, denen AstraZeneca verabreicht wurde“, so Codacons, der Entschädigungen zugunsten von Menschen verlangen will, die in Angst vor Nebenwirkungen durch das AstraZeneca-Vakzin leben würden.

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