25.05.2021 13:54 |

Boom bei Tiefseekabeln

Der Kampf um die Cloud tobt am Grund der Weltmeere

Wer ein Foto auf Facebook postet, ein YouTube-Video anschaut oder auf Daten in Microsofts Cloud-Speicher OneDrive zugreift, schickt Daten auf eine Tausende Kilometer weite Reise, die meist durch Glasfaserkabel am Meeresgrund führt. 98 Prozent des globalen Internetverkehrs laufen durch diese Datenkabel. Im Kampf um die Vorherrschaft im boomenden Geschäft mit Cloud-Diensten nehmen sie damit eine zentrale Stellung ein.

Standen früher vor allem Telekombetreiber hinter dem kostspieligen Ausbau der Datenkabel, haben zuletzt auch verstärkt IT-Giganten wie Google, Facebook, Amazon oder Microsoft in sie investiert. Das zeigt sich an der gerade in ihrer neuesten Version für das Jahr 2021 veröffentlichten Submarine Cable Map des Dienstleisters TeleGeography.

Hier sind alle im Betrieb oder im Bau befindlichen Unterseekabel verzeichnet, die den grenzenlosen Datenverkehr von einem Kontinent zum anderen überhaupt erst ermöglichen - vom kurzen 130-Kilometer-Kabel, das Irland mit Großbritannien verbindet bis zur 20.000-Kilometer-Internetlebensader zwischen Asien und Nordamerika.

IT-Riesen lassen eigene Kabel verlegen
Eine interessante Veränderung: Wurden sie in der Vergangenheit meist von Telekom-Konzernen betrieben, lassen mittlerweile IT-Riesen wie Facebook, Google, Amazon oder Microsoft ihre eigenen Datenkabel verlegen. Alan Mauldin von TeleGeography zur BBC: „Das liegt schlicht daran, dass sie einen größeren Bandbreitenbedarf als irgendjemand sonst haben.“

In den vergangenen fünf Jahren haben die IT-Konzerne aus den USA mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in eigene Unterseekabel investiert. Google hat - siehe Video oben - etwa Kabel zwischen Chile und den USA sowie Frankreich und den USA verlegen lassen. Zwei Google-Kabel, die von Portugal nach Südafrika und von den USA nach Spanien und Großbritannien führen, stehen kurz vor der Fertigstellung.

Es geht um die Vorherrschaft in der Cloud
Google geht es bei seinen Datenkabeln - ebenso wie der Konkurrenz - darum, sich im Kampf um die Vorherrschaft beim lukrativen Cloud Computing einen schnellen Datenfluss zwischen seinen in aller Welt verteilten Rechenzentren zu sichern. Droht da die Benachteiligung kleinerer Internetunternehmen, die sich das Verlegen eigener Datenkabel nicht leisten können?

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Die Kabel werden von mehreren Nutzern verwendet, nicht nur von einer Partei.

Alan Mauldin, TeleGeography

Mauldin: „Die Kabel werden von mehreren Nutzern verwendet, nicht nur von einer Partei.“ Beim Kabel nach Frankreich habe Google etwa mit Provider Orange kooperiert, in dessen Verteilerknoten das Google-Kabel münde. Die privaten Kabel seien mit einer Autobahn vergleichbar, bei der die IT-Riesen als Financier Datenpakete über die Lkw-Spur schicken, aber auf den übrigen Spuren auch andere Anbieter unterwegs seien.

Seekabel sind anfällig, aber alternativlos
Tatsächlich enthält jedes Tiefseekabel mehrere von einer dicken Schutzschicht ummantelte Glasfasern. Nicht nur die Kabel selbst sind komplexe Technologie, sondern auch der Vorgang des Verlegens: Die Kabel werden von Spezialschiffen verlegt, die teils 6000 Kilometer auf einmal mitführen können, müssen vor der Installation aber bereits an Land auf ihre Funktion getestet werden. Wurden die Kabel erfolgreich in Position gebracht, können schon bald die ersten Schäden auftreten - mit natürlichen, aber auch unnatürlichen Ursachen.

Schleppnetze und Anker sorgen mitunter für Ausfälle, auch Unterwasser-Erdrutsche haben in der Vergangenheit schon Reparaturoperationen notwendig gemacht. Hinzu kommt die Gefahr, dass verfeindete Staaten die wichtige Infrastruktur am Meeresboden sabotieren. Die britische Marine hat für diesen Fall eigens ein Überwachungsschiff gebaut, das besonders kritische Seekabel vor „unterseeischer Kriegsführung“ schützt.

Alternativen für die anfälligen Seekabel sind nicht in Sicht: Zwar arbeiten mehrere Unternehmen - etwa SpaceX und OneWeb - an weltumspannenden Internetsatelliten-Netzwerken. Deren Stärke liegt aber darin, Internetzugang in abgeschiedenen Gebieten zu ermöglichen. Für die enormen Datenmengen, die über die Seekabel verschickt werden, sind die Satelliten noch nicht geeignet. Mauldin: „Die Schwerarbeit, Big Data zwischen Rechenzentren auf der ganzen Welt zu verschieben, werden weiter Seekabel leisten.“

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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