11.04.2021 13:55 |

Innovative IT-Lösungen

Die heimlichen Helden der „Modellregion“

Ohne die klugen Köpfe der Landeswarnzentrale wäre Vorarlberg nicht „Test-Weltmeister“: Neben dem Mitaufbau der Test- und Impfinfrastruktur haben sie dafür gesorgt, dass die technische Umsetzung im Ländle reibungslos funktioniert. Ihre innovativen IT-Lösungen haben sogar bundesweit Aufmerksamkeit erregt.

„Seit über einem Jahr beschäftigen wir uns mit fast nichts anderem als der Covid-Pandemie“, erzählt Philipp Bachmann, der technische Koordinator der Landeswarnzentrale. Mit fünf Kollegen betreut er die technische Infrastruktur der sieben großen Teststraßen sowie die rund 50 kleineren Teststationen in den Gemeinden. Heißt: Sie organisieren die Technik, angefangen von Computern über Drucker bis hin zu den Scangeräten für die QR-Codes.

Abwicklungen von Tests und Impfungen
Noch viel bedeutender ist jedoch, was im Hintergrund abläuft - nämlich die digitale Abwicklung von Tests und Impfungen: Mittlerweile werden in Vorarlberg pro Woche im Schnitt 130.000 Tests durchgeführt. Sämtliche Anmeldungen und die Übermittlung der Testergebnisse laufen über ein von den Technikern der Landeswarnzentrale entwickeltes System. „Ende Februar letzten Jahres, als das Covid-Thema auch bei uns aktuell wurde, haben wir angefangen, technische Plattformen zu entwickeln“, berichtet Bachmann.

15 Minuten zwischen Test und Ergebnis
Die größte Herausforderung war es, die Datenflut in den Griff zu bekommen. Es galt, die Testergebnisse zu verwalten, positive Fälle mussten schnellstmöglich der Landessanitätsdirektion und dem Infektionsteam gemeldet werden. Am Anfang lag die Kapazität bei rund 400 Tests pro Tag. Doch dabei sollte es nicht bleiben: „Als das Land dann die freiwilligen PCR-Tests für Privatzahler freigegeben hat, haben wir das erste Mal eine Web-Plattform entwickelt, auf der sich die Bürger für einen Testslot in Röthis anmelden konnten. Kurz vor Weihnachten, als die ersten Flächentests gestartet wurden, haben wir die Plattform noch einmal verbessert.“ Innerhalb eines Wochenendes wurden 105.000 Tests eingespeist. „Bevor wir mit der Plattform online gegangen sind, haben wir sie zu Testzwecken eine Nacht lang mit rund 300.000 Anmeldungen befeuert. Das System lief einwandfrei.“

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Alle unsere EDV-Lösungen wurden selbstverständlich bereits vorab datenschutzrechtlich kontrolliert. Ich kann garantieren: Keine externe Person hat Zugriff auf irgendwelche Befunde.

Philipp Bachmann

Der „Vorarlberger Weg“
Schritt für Schritt wurden die Testkapazitäten weiter ausgebaut, die Plattform der Landeswarnzentrale mutierte zur zentralen Drehscheibe für den Datenaustausch zwischen den zuständigen Stellen. „Mittlerweile läuft alles automatisch.“ Soll meinen: Zwischen Test und Übermittlung des Ergebnisses vergehen nur mehr 15 Minuten - von einer derartigen Effizienz kann man in weiten Teilen Österreichs nur träumen.
Kein Wunder also, dass die Arbeit der IT-Füchse aus dem Ländle mittlerweile ganz genau beäugt wird. So hat etwa die EDV-Lösung für die sogenannten „Wohnzimmertests“ bundesweit das Interesse auf sich gezogen: Rund 15.000 dieser Selbsttests wurden bereits übermittelt, ein negatives Ergebnis berechtigt zum Besuch von Veranstaltungen und der Ausübung von Indoor-Sportarten - nur für die Gastronomie gelten sie (noch) nicht. „Das System ist österreichweit einzigartig“, ist Bachmann stolz. In den vergangenen Wochen hat er sich mehrfach mit Vertretern des Gesundheitsministeriums ausgetauscht - gut möglich, dass dieser kreative „Vorarlberger Weg“ Nachahmer findet.

Alles läuft voll automatisch
Eine nicht minder anspruchsvolle Challenge ist die Abwicklung der Impfungen: Wer eine Impfung möchte, kann sich seit Anfang dieses Jahres über die Online-Plattform der Landeswarnzentrale registrieren lassen. Von der Anmeldung über die Ankunft im Impfzentrum bis hin zur Spritze und der abschließenden Eintragung im digitalen Impfpass wird alles vom System erfasst. „Die Impfstoff- und Terminverwaltung läuft voll automatisch.“ Natürlich.

Datenschutz wird großgeschrieben
Bleibt noch die sensible Frage nach dem Datenschutz: Alle Infos zu den Tests und Impfungen werden auch ans „Epidemiologische Melderegister“ gesendet. Die „Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit“ bezieht daraus wiederum ihre Daten für das bundesweite Corona-Dashboard. „Alle unseren EDV-Lösungen wurden selbstverständlich bereits vorab datenschutzrechtlich kontrolliert. Ich kann garantieren: Keine externe Person hat Zugriff auf irgendwelche Befunde.“ Die Testergebnisse bleiben vier Wochen gespeichert, danach werden alle personenbezogenen Daten gelöscht. Nur behördlich angeordnete Tests können bis zu 30 Jahre gespeichert bleiben. Und wie steht’s eigentlich um Ihre Kondition und jene Ihres Teams, Herr Bachmann? „Klar, manchmal würden wir uns schon etwas mehr Luft wünschen. Aber alles in allem überwiegt die Freude, dass wir einen Beitrag in dieser schwierigen Zeit leisten können.“

Philipp Vondrak
Philipp Vondrak
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