11.04.2021 06:01 |

Mobiler Lautsprecher

Sonos Roam im Test: Klein, aber auch oho?

Mit dem Roam bringt Sonos am 30. April seinen bislang kleinsten und günstigsten Lautsprecher mit integriertem Akku nach Österreich. Der soll sowohl zu Hause im WLAN als auch unterwegs mittels Bluetooth „alle Stückerl spielen“. Aber bietet der portable Speaker auch den von Sonos gewohnten Klang? krone.at hat den Roam getestet.

Rund anderthalb Jahre ist es her, dass Sonos mit dem Move seinen ersten „mobile Speaker“ auf den Markt brachte. Der interne Akku erlaubte es in der Theorie zwar, den Lautsprecher überallhin mitzunehmen; in der Praxis dürfte das hohe Eigengewicht von drei Kilogramm jedoch dafür gesorgt haben, dass sich der Move eher nicht bewegte. Vielleicht noch vom Haus in den Garten und wieder zurück, aber sicher nicht zum Picknick oder Wanderungen, bei denen es auf jedes Gramm ankommt.

Lückenfüller
Exakt diese Lücke will Sonos nun mit dem neuen Roam füllen. Der wiegt nämlich nur rund 430 Gramm, also weniger als ein Sechstel des Move, und ist auch dementsprechend kleiner (168 x 62 x 60 Millimetern), vergleichbar in etwa mit einer 500-ml-Getränkedose. Der Roam passt demnach bequem in die Hand und auch sonst nahezu überall rein, und weil er nach IP67-Zertifizierung zudem wasser- und staubdicht ist, spricht Sonos von einem perfekten Begleiter für alle Abenteuer.

Auf die von Sonos gewohnte Verarbeitung, Features und „unglaublichen Sound“ sollen Nutzer dabei nicht verzichten müssen, so das Versprechen. Und tatsächlich bietet der Roam zunächst wenig Anlass zur Kritik: In puncto Haptik und Verarbeitung steht der mobile Speaker anderen Lautsprechern des Herstellers in nichts nach, wenngleich auch das Lautsprechergitter im Gegensatz zum Move nicht aus Metall, sondern wie der Rest des Gehäuses aus Hartplastik gefertigt zu sein scheint.

Als praktisch erweisen sich beim Roam vier kleine Gummifüßchen. Sie erlauben es, den Lautsprecher auch querliegend zu nutzen, ohne dass er dabei Gefahr laufen würde, davonzurollen. Zugleich wirken sie dämpfend und verhindern, dass Untergründe zu ungewollten Resonanzverstärkern werden. Weniger gut gefällt dagegen mangels eines klar definierten Druckpunkts die Ein-/Aus- bzw. Bluetooth-Taste. Zwei dedizierte Tasten wie beim Move wären sicher vorteilhafter gewesen.

Gewohnte Funktionalität
Funktionsseitig hat der kleinere der beiden Sonos-Speaker aber genauso viel zu bieten wie der größere und bietet über die App im heimischen WLAN nach 802.11b/g/n/ac mit 2,4 oder 5 GHz die gewohnte Multiroom-Funktionalität sowie den Zugriff auf bekannte Streaming-Angebote. Unterstützt wird zudem neben Amazons Alexa und dem Google Assistant zwecks Sprachsteuerung auch Apples AirPlay 2, um Inhalte von iOS- und macOS-Geräten über den Roam wiederzugeben.

Mit an Bord ist zudem die neue Sound-Swap-Funktion, die es durch Drücken der Play/Pause-Taste ermöglicht, die Musik an den nächstgelegen Speaker im System und somit auch über Räume hinweg weiterzugeben, was im Test problemlos funktionierte. Verlässt man die eigenen vier Wände dagegen, wechselt der Roam automatisch zur Bluetooth-Übertragung und verbindet sich mit einem gekoppelten Mobilgerät. Auch das funktionierte ohne Probleme.

Bis zu zehn Stunden mobiler Musikgenuss
Die mobile Akkulaufzeit gibt Sonos mit bis zu zehn Stunden an - ein Wert, der sich mit den Praxis-Erfahrungen im Test deckt. Im Ruhemodus soll der 18-Wh-Akku zehn Tage durchhalten. Ist er leer, wird er mittels beiliegendem USB-C-Kabel geladen. Klitzekleiner Design-Schönheitsfehler: Steckt man das abgewinkelte Kabel verkehrt herum ein, verdeckt es die Ein-/Ausschalttaste. Alternativ kann der Roam kabellos mit einem Qi-zertifizierten Ladegerät oder einem separat erhältlichen Ladegerät frische Energie tanken. Zusätzliche Kosten dafür: 49 Euro.

Gut für sich, schlecht im Vergleich
Die wohl wichtigste Frage aber ist: Wie klingt der Roam? Das Urteil fällt zunächst durchaus wohlwollend aus. Trotz seiner geringen Abmessungen bietet der mobile Lautsprecher, ausgestattet mit zwei digitalen Klasse-H-Verstärkern, einem Mittel- und einem Hochtöner, den für Sonos typischen „warmen“ Sound. Alles klingt schön rund, nichts zerrt und dank Sonos‘ Trueplay-Tuning passt sich der Klang über die integrierten Mikrofone sogar automatisch an die Umgebung an. Wer dennoch unzufrieden ist, kann via App Bässe und Höhen nach den persönlichen Vorlieben definieren.

Im direkten Vergleich mit dem größeren Move, den uns Sonos zum Testen des neuen Sound-Swap-Features dankenswerterweise mitgeschickt hat, offenbaren sich dann allerdings größere Schwächen - insbesondere im Bass-Bereich, aber auch in puncto Dynamik. Der Roam ist schlichtweg kein Freund der leisen Töne und spuckt bei geringer Lautstärke nur wenig angenehm Hörbares heraus.

Vergleichsweise teurer Party-Spaß
Der Sonos Roam ist demnach vor allem eines: ein sogenannter Party-Lautsprecher. Allerdings ein mit 179 Euro doch recht teurer. Den in Größe und Klang vergleichbaren UE Boom 3 von Ultimate Ears gibt es etwa bereits für rund 105 Euro, wenngleich ohne WLAN. Angesichts des eher mäßigen Preis-Klang-Verhältnisses stellt sich dann auch die Frage, wer denn eigentlich die bevorzugte Zielgruppe für den Roam sein soll. Wer an Strand und Co. lediglich beschallt werden möchte, findet schlichtweg günstigere Alternativen. Wer dagegen Wert auf guten Klang legt, wird wohl kaum einen Roam in sein bestehendes Multiroom-Setup integrieren wollen und stattdessen eher zum mit 199 Euro (UVP) praktisch gleich teuren One SL (ohne Mikrofon) von Sonos bzw. dem mit 229 Euro geringfügig teureren One-Lautsprecher greifen.

Fazit: Guter Klang braucht ein gewisses Volumen, und das fehlt dem Roam leider. Wunder in Sachen Sound darf man sich daher von Sonos‘ Kleinstem nicht versprechen. Was er jedoch an Bässen vermissen lässt, macht er durch seine Flexibilität wieder wett - zumindest im Vergleich zum deutlich schwereren und mehr als doppelt so teuren Move aus dem eigenen Haus. Für die reine Beschallung unterwegs, bei der Lautstärke mehr zählt als guter Klang, gibt es allerdings preiswertere Alternativen. Und die gibt es auch für all jene, die nach einem günstigen Einstieg ins Sonos-System suchen: beim schwedischen Möbelhaus Ikea, das in Kooperation mit dem Unternehmen unter dem Label „Symfonisk“ für 99 bzw. 149 Euro zwei kompatible WLAN-Lautsprecher mit deutlich mehr Klangvolumen anbietet.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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