07.03.2021 13:22 |

Naturwunder in Gefahr

Umweltschützer empört über Flughafen am Südpol

Die Antarktis gilt als einer der letzten weitgehend unberührten Naturräume der Erde. Das hat nicht nur mit der Lage des Kontinents zu tun, sondern auch mit dem unwirtlichen Klima. In Tälern des Ostantarktischen Plateaus wurden einmal Temperaturen von minus 98 Grad gemessen. In dieser einmaligen Region mit ihren seltenen Tierarten plant Australien bis 2040 den Bau eines Flughafens.

Eine 2,7 Kilometer lange befestigte Landebahn soll es künftig auch großen Maschinen ermöglichen, die Gegend um den Südpol anzusteuern. Umweltschützer sind entsetzt. Die Regierung in Canberra will das Projekt im von ihr beanspruchten Teil im Osten der Antarktis durchführen, ganz in der Nähe der australischen Forschungsstation Davis. Die asphaltierte Piste würde nach den Wünschen der Regierungsbehörde Australian Antarctic Division (AAD) ganzjährige Flugverbindungen zwischen Hobart, der Hauptstadt des Bundesstaates Tasmanien, und der Antarktis möglich machen.

In dem Gebiet gibt es kaum Eis, aber viele Naturwunder. „Die Region um Davis Station ist wahrscheinlich das bedeutendste eisfreie Küstengebiet der Antarktis“, betonen Forscher der Universität Tasmanien. „Sie bietet einzigartige Seen, Fjorde, Fossilienfundstätten und wildlebende Tiere.“

Lebensraum von Tieren wird zerstört
Julia Jabour und Shaun Brooks vom Institut für Meeres- und Antarktisstudien warnten im Vorjahr eindringlich vor möglichen Folgen des Vorhabens. So sei die Umgebung der geplanten Landebahn wichtig für Adeliepinguine, Weddellrobben und Riesensturmvögel. Nicht nur würden Teile des Lebensraums der Tiere zerstört, sie würden während des Baus und vor allem nach der Inbetriebnahme auch massiv unter Lärm und Staub leiden, sagen Tierschützer.

Allein in der direkten Umgebung des anvisierten Bauortes gibt es demnach acht Adeliepinguin-Brutgebiete. Die flugunfähigen Seevögel könnten künftig durch startende und landende Flugzeuge in Panik geraten und ihre Eier zurücklassen, die dann eisigen Winden ausgesetzt wären. „Wenn man bedenkt, dass die Tourismus-Richtlinien vorsehen, dass man einem Pinguin nicht einmal den Weg blockieren darf, kann man davon ausgehen, dass dieses Projekt enorme Auswirkungen auf die Tiere haben wird“, sagte der Antarktis-Experte Alistair Allan von der Naturschutzorganisation Bob Brown Foundation.

„Auch in den angrenzenden Seen sind irreparable Schäden zu erwarten“, schrieben Jabour und Brooks in ihrem Papier. Dort heimische Flechten, Pilze und Algen könnten zerstört werden. Brooks schätzt, dass das Projekt den ökologischen Fußabdruck aller Nationen, die in der Antarktis Studien betreiben, um 40 Prozent steigern würde.

Kosten in Milliardenhöhe
Derzeit befindet sich das teure Projekt in der Umweltprüfungsphase. Beobachter rechnen mit Kosten von mehreren Milliarden australischen Dollar. Ob es letztlich genehmigt wird, ist noch fraglich. Australiens Antarktis-Behörde AAD sieht aber „eine Reihe bedeutender wissenschaftlicher Vorteile“, wenn es künftig ganzjährig Zugang zu der unwirtlichen Region geben sollte. „Dies würde es Wissenschaftern ermöglichen, sich auf die Beantwortung kritischer Fragen von globaler Bedeutung zu konzentrieren“, sagte ein AAD-Sprecher.

Kritiker glauben aber, dass die Regierung nicht nur wissenschaftliche, sondern vor allem geopolitische Ziele verfolgt. So erklärte Außenministerin Marise Payne im Dezember, das Projekt werde „Australiens Präsenz in der Antarktis stärken“. Auch die AAD hatte in einem früheren Bericht mitgeteilt, der Flugplatz werde „gleichermaßen unsere Präsenz und unseren Einfluss steigern“.

250 Menschen für Bau nötig
Schätzungen zufolge wären rund 250 Menschen nötig, um die Piste zu bauen. Die Unterbringung so vieler Menschen, um den Flugplatz bis 2040 fertigzustellen, würde ebenfalls Folgen für die Umwelt haben, warnen Umweltschützer. Es handle sich immerhin um eine Hightech-Landebahn, nicht nur um ein kleines Stück Beton. Letztlich liege die Entscheidung aber allein bei der australischen Regierung.

Quellen: APA/dpa

Pamela Fidler-Stolz
Pamela Fidler-Stolz
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