06.03.2021 06:00 |

Unterm Display verbaut

ZTE Axon 20: Das taugt die unsichtbare Frontkamera

Keine Anschlüsse, keine Tasten - so stellt sich, wie berichtet, Xiaomi die Smartphone-Zukunft vor. Das „Axon 20“ des chinesischen Mitbewerbers ZTE geht noch nicht ganz so weit, versteckt aber immerhin bereits nebst Fingerabdruckscanner auch Selfie-Kamera unterm Display. Eine Weltpremiere. Zudem ist es im Gegensatz zum Xiaomi-Konzept schon regulär zum vergleichsweise günstigen Preis im Handel erhältlich. krone.at hat es getestet.

„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, könnte das Motto des ZTE Axon 20 lauten - auch wenn das nicht ganz stimmt, doch dazu später mehr. Zunächst sticht beim neuesten Smartphone der Chinesen nämlich dessen schiere Größe ins Auge. Mit seinem 6,92 Zoll in der Diagonale messenden Display, rund 198 Gramm Lebendgewicht und 172,1 Millimetern Länge sowie einer Dicke von knapp acht Millimetern darf es durchaus als „kräftiges Kerlchen“ bezeichnet werden. In der Hosentasche fühlt es sich daher nicht so wohl, dank des schlanken Displayformats (20,5:9) liegt es aber immerhin noch gut in der Hand.

Riesiges OLED-Display
Das Axon 20 ist aber nicht nur imposant, sondern auch schön anzusehen: Das OLED-Display mit seinen 2460 x 1080 Pixeln leuchtet stark und blickwinkelstabil in kräftigen Farben, und das dank Bildwiederholfrequenz von 90 Hertz auch flüssig, während die zu den Rändern hin gekrümmte Glasrückseite metallisch schimmert - und Fingerabdrücke leider magnetisch anzuziehen scheint. Ein Schönheitsfehler, mit dem jedoch auch andere Hersteller zu kämpfen haben. Rückseitig ebenfalls zu bestaunen ist die senkrecht untereinander angeordnete Vierfach-Kamera. Auch sie wirkt nicht gerade dezent, passt damit aber gut ins Konzept des tadellos verarbeiteten Riesen-Smartphones.

Mittelmäßiger Prozessor ...
Weniger überzeugend ist, was ZTE unter der Haube verbaut. Denn im Gegensatz zur hierzulande zunächst nicht erhältlichen 5G-Variante mit Qualcomms Snapdragon-765-G-Prozessor verbaut der Hersteller in der von uns getesteten LTE-Variante einen nicht ganz so flotten Unisoc-Achtkerner (A75 (2.0GHz*2)+A55 (2.0GHz*6)). Im Zusammenspiel mit den sechs Gigabyte Arbeitsspeicher bewältigt der zwar souverän gängige Office-Aufgaben, lässt bei aufwändigeren Anwendungen oder anspruchsvolleren Games aber Federn und gerät ins Straucheln. Positiv dagegen der mittels microSD-Speicherkarte um bis zu zwei Terabyte erweiterbare interne Speicher von 128 Gigabyte.

... und mittelmäßige Fotos
Auch die Kamera verspricht mehr als sie in der Praxis hält. Zur Verfügung stehen eine 64-Megapixel-Hauptkamera, eine mit acht Megapixeln auflösende Weitwinkel-Kamera, eine Zwei-Megapixel-Makrokamera sowie ein ebenfalls mit zwei Megapixeln auflösender Tiefeschärfe-Sensor. Zusammen liefern diese bei Tag und optimalen Lichtverhältnissen durchaus noch brauchbare und auf dem Smartphone-Display auch herzeigbare Ergebnisse. Die Vollansicht am PC offenbart jedoch schnell matschige Texturen. Wird es dunkler oder die Kamera etwa mit Gegenlicht konfrontiert, kommen unschönes Rauschen und Probleme mit dem Kontrast dazu. Das Bild „säuft ab“, wie man so schön sagt - trotz „künstlicher Intelligenz“. Das können andere, zum Teil auch deutlich ältere Smartphones derselben Preiskategorie besser.

Versteckte Frontkamera mit sichbaren Schwächen
Aber vielleicht weiß die unter dem Display verbaute Frontkamera ja besser zu gefallen? Zunächst einmal: Wirklich unsichtbar ist sie nicht. Wer genau hinsieht, sieht sie je nach Lichteinfall unter dem Display als kleines Quadrat hervorschimmern. Das stört allerdings nicht. Auch nicht, dass die Displayauflösung an dieser Stelle sichtbar geringer ist. Was in diesem Zusammenhang schon eher stört, ist, dass sich Videos aufgrund des ungewöhnlichen Displayformats trotz fehlender Notch zunächst nicht ohne schwarze Balken wiedergeben lassen und erst durch Zoomen digital vergrößert werden müssen.

Das eigentliche Problem mit der unter dem Display hinter einem laut ZTE „hochtransparenten Material“ versteckten 32-Megapixel-Frontkamera ist, dass ihre Fotos schlichtweg pixelig, verwaschen und bei näherer Betrachtung unscharf sind. Bei optimaler Ausleuchtung mag das nur bedingt auffallen, doch je schwächer das Umgebungslicht wird, umso enttäuschender sind die Ergebnisse. Das Licht muss eben durch eine zusätzliche Schicht hindurch. So bleibt am Ende der Eindruck, dass ZTE mit dem Axon 20 zwar die generelle Machbarkeit seiner Under-Display-Kamera beweist, bis diese wirklich überzeugende Ergebnisse liefert, aber noch viel Arbeit hineinzustecken hat.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass der ebenfalls frontseitig unter dem Display verbaute Fingerabdruckscanner dagegen tadellos funktioniert. Alternativ steht es Nutzern frei, das Gerät mittels Gesichtserkennung zu entsperren.

Als Betriebssystem kommt beim Axon 20 Googles Android 10 zum Einsatz, dem ZTE seine Benutzeroberfläche MiFavor überstülpt. Der Akku hat eine Kapazität von 4220 Milliamperestunden und kann via USB-C mit bis zu 15 Watt geladen werden. Das reicht bei gewöhnlicher Nutzung problemlos für einen Tag und darüber hinaus; wer jedoch viel spielt oder Videos schaut, wird feststellen müssen, dass das große Display eben auch viel Strom frisst. Eine Kopfhörerklinke hat das Axon 20 nicht, ein USB-Adapter liegt jedoch bei.

Fazit: ZTE darf sich rühmen, als erster Hersteller eine Kamera unter dem Display verbaut zu haben. Leider nutzt die fortschrittlichste Technologie jedoch nichts, wenn sie am Ende des Tages nicht bessere und überzeugendere Ergebnisse liefert als bisher Bekanntes. Schade ist auch, dass das Gerät hierzulande bislang nur in der 4G-Version mit vergleichsweise schwachem Prozessor erhältlich ist. Wer das Gerät jedoch nicht zum Spielen braucht und auch nur gelegentlich fotografiert, bekommt mit dem Axon 20 ein gutes Mittelklasse-Smartphone mit riesigem OLED-Screen zum mit derzeit rund 352 Euro vergleichsweise günstigen Preis.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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