23.02.2021 08:13 |

Keine Neueröffnungen

Gesundheitszentren in Tiefschlaf versetzt

Langes Warten in den steirischen Regionen: Dass 2021 keine einzige Neueröffnung eines Gesundheiszentrums geplant ist, sorgt für Unmut. Ein Clinch zwischen Kammer und Kasse gilt als Ursache für die Verzögerung, der Gesundheitsfonds drängt jetzt auf eine rasche Einigung.

Zumindest 30 Primärversorgungszentren in der Steiermark bis zum Jahr 2025 - so der ursprüngliche Plan. Ins Leben gerufen vor allem deshalb, um Menschen, die in der Peripherie leben, eine bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten. Mit der Eröffnung des ersten Hauses in Mariazell fing 2016 alles gut an, zehn weitere Einrichtungen folgten.

Pause seit Juni 2020
Trotz positiver Bilanzen und einer hohen Akzeptanz seitens der Bevölkerung ist das Projekt nun aber ordentlich ins Stocken geraten - ganz zum Missfallen des Gesundheitsfonds Steiermark: „Seit Juni des Vorjahres steht alles still, darunter leiden alle“, ist Geschäftsführer Bernd Leinich zornig.

Geld als Zankapfel
Dass bis auf Weiteres, anders als geplant, keine neuen Primärversorgungszentren eröffnet werden können, liege am Konflikt zwischen steirischer Ärztekammer und Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) zu Honorierungsvereinbarungen: „Der Kammer geht’s nur ums Bewahren. Dazu kommt die Angst, dass den Einzelärzten Geld abhanden kommen könnte. Aber das unternehmerische Denken aus den 1970er-Jahren hat mit den Wünschen der jungen Ärztegeneration nichts mehr zu tun. Heute ist die Medizin vorrangig weiblich, und der Großteil der Frauen möchte im Team und in einem Angestelltenverhältnis arbeiten“, sagt Leinich.

Kritik an „Geldkoffer-Politik“
Während Vinzenz Harrer von der ÖGK in der Steiermark betont, dass der „eingeschlagene Weg mit Nachdruck weiterverfolgt werden muss“, weist die Ärztekammer den Vorwurf der Blockade aufs Schärfste zurück: „Wir haben leider oft den Eindruck, dass der Gesundheitsfonds eher Zentren mit Gewalt und viel Geld aus dem Boden stampfen will, als die Zusammenarbeit mit den Ärzten zu suchen. Das führt zu überflüssiger Verärgerung und sinnlosen Provokationen ohne Nutzen für die Bevölkerung“, meint Präsident Herwig Lindner.

Dialog als Lösung
Als Positiv-Beispiele nennt der Infektiologe die Zentren in Fehring und Liezen. Und er betont: „Die besten Ergebnisse können nur im vertrauensvollen Dialog erzielt werden.“

Psychische Belastung steigt
Während die Verantwortungsträger ums Geld streiten, steigt der Druck in der Bevölkerung: „Am dringendsten bräuchte es in der Mur-Mürz-Furche ein neues Versorgungsangebot, aber auch in der Süd- und Weststeiermark“, sagt Leinich. Nicht zuletzt auch deshalb, weil immer mehr Menschen mit psychischen Problemen in die Praxen strömen

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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