08.02.2021 06:02 |

Kommt Abschottung?

Corona-Maßnahmen: Entscheidung um Tirol vertagt

Bereits seit Samstag streiten Bundes- und Landesvertreter, wie scharf die Maßnahmen werden, mit denen die südafrikanische Virus-Mutation in Tirol bekämpft werden soll. Eine Entscheidung lässt allerdings weiter auf sich warten. Am späten Sonntagabend wurden Gespräche zwischen dem Land und Gesundheitsministerium bzw. zwischen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Minister Rudolf Anschober (Grüne) ohne Ergebnis vertagt. Details wurden vorerst nicht bekannt.

Fix sind „Krone“-Informationen zufolge Teil-Abschottungen von einzelnen Bezirken. Im Raum stand bis zum Schluss auch, dass Reisen in ein anderes Bundesland nur noch in Ausnahmefällen erlaubt werden, etwa zur Arbeit oder im Krankheitsfall. Angedacht wird, das Aufsuchen des Zweitwohnsitzes oder der Ferienwohnung zu verbieten. Diese Maßnahme wäre im Vergleich zu innerösterreichischen Reisebeschränkungen einfacher kontrollierbar. Die Entscheidung wurde kurz vor Mitternacht auf Dienstag vertagt.

Bestätigung dafür gab es nur aus Landhauskreisen. Gegen Mitternacht hieß es, der weitere Fahrplan stehen noch nicht fest. Aus dem Bund war aber kurz darauf zu vernehmen, dass noch an einer Einigung gefeilt werde.

Politischer Druck aus Tirol wächst
Im Vorfeld ließ ein „Krone“-Bericht die Wogen hochgehen. Der politische Druck aus Tirol gegen schärfere Maßnahmen wuchs quer durch alle Parteien: „Es kann nicht sein, dass die Tiroler bestraft werden“, verwies der ÖVP-Abgeordnete Josef Hechenberger auf die Massentests, das Nachverfolgen der Covid-19-Fälle sowie die intensive Suche nach Mutationen. Die war zuletzt erfolgreich: 165 Fälle wurden mittels Vollsequenzierung bestätigt, 118 weitere mittels Teilsequenzierung. Dazu kommen 112 Verdachtsfälle - macht 395 insgesamt.

Zu Hechenbergers Kritik gesellten sich weitere ÖVP-Abgeordnete sowie Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger und die grüne Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe. Markus Blume, Generalsekretär der bayerischen CSU, fürchtet indes ein „zweites Ischgl“ und fordert die Abschottung betroffener Regionen.

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Es kann nicht sein, dass die Tiroler bestraft werden, weil wir schneller und vorsichtiger als andere agiert haben.

Josef Hechenberger, ÖVP-Abgeordneter und Landwirtschaftskammerpräsident

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Die Menschen haben über Monate alle Maßnahmen geduldig über sich ergehen lassen – jetzt ist es aber wirklich genug.

Erwin Zangerl, Präsident der Arbeiterkammer Tirol

Tirols Wirtschaftskammer-Präsident schießt scharf
Tirols Wirtschaftskammer-Chef Christoph Walser, der bereits am Samstag Gesundheitsminister Anschober scharf attackiert hatte, legte am Sonntagabend in der „ZiB 2“ nach: „Wir sperren morgen auf“, meinte er. Tirol wolle einfach nur gleich behandelt werden wie alle anderen Bundesländer. Hinsichtlich der Corona-Zahlen warf er dem Gesundheitsministerium ein falsches Spiel vor: Er glaube, dass „massiv falsch informiert“ bzw. mit falschen Daten gearbeitet werde, so Walser, der auf lediglich acht aktiv positive Fälle hinwies.

Auch die Tiroler ÖVP-Nationalräte Kira Grünberg, Alexandra Tanda, Rebecca Kirchbaumer, Franz Hörl und Hermann Gahr hatten am Sonntag in den Chor eingestimmt und ließen die Parteifreunde und den Koalitionspartner im Bund wissen: „Wir stehen zu unserem Land und lehnen überschießende und sachlich nicht begründbare Schikanen ab. Die Betrachtung darf nicht nur aus virologischer Sicht passieren, sondern muss gesamtgesellschaftlich erfolgen. Diese Position werden wir auch in Wien in aller Klarheit vertreten.“

Zahl der Corona-Fälle leicht gesunken
Die Zahl der Corona-Fälle in Tirol sank am Sonntag: 1170 Personen waren infiziert – um 26 weniger als am Tag zuvor. 88 neue Fälle wurden registriert. Die Verschärfungs-Debatte ins Rollen gebracht hatte die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer, die sich für eine Isolation und einen längeren Lockdown aussprach.

Kronen Zeitung/krone.at

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