15.01.2021 06:00 |

„Müssen aufsperren“

Breite Front gegen den Endlos-Lockdown

„Bald wird jeder jemanden kennen, der arbeitslos ist“, formuliert ein Leser einen viel zitierten Satz von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aus dem Frühjahr 2020 um. Die „Krone“-Umfrage zeigt: Die Hälfte der Österreicher fürchtet bei einem längeren Lockdown um den Job. Von der „größten Jobvernichtungsmaschine aller Zeiten“ sprach Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) in der „Krone“, seine Forderung nach einem raschen Ende des Lockdowns teilen immer mehr Unternehmen.

„Katastrophe“, „fatal“, die „menschlich und wirtschaftlich schlechteste Antwort auf das Virus“ sind nur drei der Zitate, die im Zusammenhang mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens fallen. Sie - und viele weitere - stammen von Unternehmern, die sich nach zehn Monaten des ständigen Auf- und wieder Zusperrens von der Politik im Stich gelassen fühlen.

Menschen in Österreich wollen wieder arbeiten
„Planlosigkeit“ werfen manche, mehr oder weniger öffentlich, der Regierung vor. Ganz offen wünschen sie sich Planungssicherheit für sich und ihre Mitarbeiter sowie die Möglichkeit, unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen wieder arbeiten zu dürfen. Bisher verhallen diese Wünsche ungehört: Ein Hochfahren aller Bereiche zum Stichtag 25. Jänner ist ausgeschlossen. Einzelne Lockerungen könnte es geben, welche - das steht nur zehn Tage vor dem geplanten Ende des Lockdowns noch nicht fest.


Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung:
„Rasch, effizient, unbürokratisch, transparent - das sind die Kriterien, unter denen die Corona-Impfstrategie umgesetzt werden muss. Zeit ist dabei ein entscheidender Faktor: Eine nachhaltige Beendigung der Krise ist nur mittels Durchimpfung der breiten Bevölkerung zu erreichen.“

Siegfried Menz, Ottakringer: „Es fehlt an einer klaren und transparenten Führung durch die Pandemie, das Maß an Verunsicherung und Enttäuschung wird von Tag zu Tag größer. Wir haben als Unternehmer so viel Vorarbeit geleistet - da ist es vertretbar, dass wir wieder öffnen. Wichtig wäre, das Contact Tracing weiterzuverfolgen und auszubauen.“

Matthias Winkler, Sacher Hotels: „Ein dauerhaftes Zusperren ist epidemiologisch die beste, menschlich und wirtschaftlich aber die schlechteste Antwort auf das Virus. Unsere Mitarbeiter sind seit Wochen nicht im Unternehmen. Ihre Hoffnung schwindet, Angst macht sich breit. Wir müssen so bald wie möglich sicher aufsperren.“

Gregor Grüner, Modehaus Grüner, Klagenfurt: „Der Lockdown ist eine Katastrophe, in meinem Umfeld gibt es schon einige Betriebe, die zusperren müssen. Ich wünsche mir eine konkrete Planung, die darüber entscheidet, wann wir aufsperren dürfen. Das betrifft Ansteckungszahlen, Inzidenz oder die Auslastung von Intensivbetten.“

Nina Stift, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer NÖ: „Ich bin keine Virologin, aber wir müssen die Einzelverantwortung der Menschen stärken. Unsere Unternehmen halten sich an alle Vorschriften, stellen Desinfektionsmittel bereit, achten auf den Mindestabstand. Der Handel ist nicht schuld an den steigenden Infektionszahlen!“

Ernst Kirchmayr, Einkaufszentrum Plus City Pasching: „Der Lockdown dauert zu lange. Man darf trotz der epidemiologischen Lage nicht auf die Arbeitsplätze vergessen. Je länger die Krise dauert, umso länger werden wir die Kosten tragen müssen. Wichtig ist, die Regeln für das Aufsperren rechtzeitig festzulegen. Das war bisher nicht der Fall.“

Hans Roth, Saubermacher, Graz: „Ein längerer Lockdown wäre für Wirtschaft und Handel fatal. Man würde die Menschen zu noch mehr Online-Einkäufen drängen, was nicht nur finanziell zu Schwierigkeiten führt, sondern auch zu psychischen Belastungen. Ich würde wieder aufsperren mit ganz starken Auflagen - Masken, Abstand usw.“

Daniel Wüstner, Rauch Fruchtsäfte: „Ich will als Unternehmer der Politik keine Ratschläge erteilen. Aber wir alle - von der Wirtschaft bis zu den Eltern von Schulkindern - brauchen eine Perspektive und Planungssicherheit. Die Gesundheit steht an oberster Stelle, aber mit allen Werkzeugen, die wir haben, können wir sicher öffnen.“

Verena Eugster, Vorsitzende Junge Wirtschaft Vorarlberg: „Wir Jungunternehmer wollen endlich wieder durchstarten! Die Einhaltung der Maßnahmen ist wichtig und notwendig, natürlich auch weiterhin - ich sehe aber ein langsames Öffnen der Geschäfte mit Maskenpflicht und Abstand als wichtig für die Wirtschaft und Gesellschaft.“

Andreas Brandstetter, Uniqa Österreich: „Covid-19-Tests breitflächig anbieten, rasch möglichst alle Bevölkerungsgruppen impfen und immer daran denken, die Hygiene- und Abstandsregeln noch viel konsequenter einzuhalten. Unter diesen Voraussetzungen ist ein durchdachtes Aufsperren möglich.“

Franz Huditz, Gastronom, Kärnten: „Bei allem nötigen Respekt für den Ernst der Lage - es wird Zeit, dass die Politik aufhört, Kleingeld auf dem Rücken der Unternehmer zu wechseln. Wir können nicht ewig im Lockdown verharren. Wichtig wäre eine stringente Strategie. Wir stehen wirtschaftlich an der Wand und brauchen eine Perspektive.“

Doris Gaspari, Papiergeschäft-Betreiberin, Götzens (Tirol): „Eine Lockdown-Verlängerung ist natürlich sehr schmerzlich. Wir haben uns während des ersten Lockdowns umorientiert und zum Beispiel sehr viel auf online umgestellt. Daher werden wir den dritten Lockdown meistern, aber es wird für zahlreiche Betriebe sicherlich sehr schwierig.“

Ernst Mayr, Fussl Modestraße: „Wenn’s notwendig ist, dann lassen wir zu - aber dann muss ein gescheiter Ersatz her. Die Minimalzuschüsse für Kurzarbeit und die Deckelungen - das ist zu wenig. Es ist ein Desaster. Die Situation ist bitter, nicht nur im Modehandel. Die Firma Fussl wird’s überleben, wir sind aber auch eine Ausnahmeerscheinung.“

Andreas Klauser, Palfinger, Salzburg: „Wir haben bei Palfinger strengste Hygienevorschriften - und unter unseren weltweit 11.000 Mitarbeitern kaum Verdachts- und Krankheitsfälle. Das zeigt, dass es auch bei steigenden Infektionszahlen möglich ist, Betriebe aufrechtzuerhalten. Ein kompletter Lockdown ist nur das allerletzte Mittel.“

Mario Plachutta, Gastronom, Wien: „Wir brauchen einen ehrlichen Plan und eine klare Strategie, wie es weitergeht. Wir sind es gewohnt, Hygieneregeln einzuhalten, und werden unsere Verantwortung wahrnehmen. Lieber auch strenge Kontrollen, als dass einige wenige, die die Vorgaben nicht umsetzen, die ganze Branche lähmen.“

Mario Schwann, Designer Outlet Parndorf: „Die derzeitige Situation ist eine Ausnahmesituation für den ganzen Handel, die mehrmaligen Schließungs- und Öffnungsphasen sind in der Planung und Aussteuerung sehr anspruchsvoll. Wir wollen rasch für unsere Kunden da sein und bereiten uns auf eine Wiedereröffnung am 25. Jänner vor.“

Erwin Hameseder, Raiffeisen NÖ-Wien: „Gesundheit ist das höchste Gut, aber man muss auch an die Zukunft denken. Ohne Klarheit können Unternehmer weder Arbeitsplätze noch Existenzen sichern. Es wäre zielführend, alle Entscheidungsträger an einen Tisch zu holen und eine Lösung für den Weg aus der Krise zu erarbeiten.“

Kronen Zeitung

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