13.01.2021 05:48 |

„Krone“-Interview

Maier: „Ski-Präsident? Das ist nichts für mich!“

Annemarie Moser-Pröll, Michael Walchhofer und Hermann Maier präsentierten sich vor dem Slalom von Flachau als Aushängeschilder der Ski-Region „Snow Space“. Ein Trio mit 135 Weltcup-Siegen, neun WM-Titeln und drei Olympia-Goldenen. Sowie einer der seltenen Auftritte des „Herminators“ in der Öffentlichkeit, bei dem er über Pisten-Erlebnisse in Corona-Zeiten, sein Leben als Familienvater und sein Nein als Schröcksnadel-Erbe sprach.

„Krone“: Hermann, man hat dich heute beim Skifahren gesehen. Stimmt das?
Hermann Maier: Ja, das war keine Erscheinung, das war ich. Es ist derzeit sehr unwirklich auf den Pisten. Ich war komplett allein. Normalerweise bin ich ja keiner, der ein Handy-Foto macht, aber da bin sogar ich dafür stehen geblieben. Ich bin mir vorgekommen wie damals bei meiner Expedition zum Südpol. Denn normalerweise geht’s auf den Pisten in Flachau zu wie in einem Ameisenhaufen, jetzt ist es leer. Man muss zwar hoffen, dass das nie mehr wieder so kommt, aber andererseits kann man jetzt wieder richtig Ski fahren. Wie in den 80ern. Man sollte jeden Tag fahren.

Du warst Ausnahme-Sportler, jetzt bist zu Familienvater. Wie kommst du mit dem Wechsel zurecht?
Langweilig ist mir noch nie geworden. Das ist mir zuletzt wahrscheinlich im Teenager-Alter passiert. Ich würd’s mir wünschen, aber das gibt es einfach nicht. Das berühmte schwarze Loch, das ist an mir vorübergezogen, das hat andere erwischt.

Gibt es jetzt im Lockdown Hermann Maier zu Hause auch als Lehrer beim Homeschooling?
In der Öffentlichkeit kursieren manchmal gewisse Bilder, die Realität schaut aber oft anders aus.

Aber TV-Konsument von Skirennen bist du schon?
Ja, klar. Und wenn man dann ein Rennen wie Bormio sieht, dann denk ich mir schon: Wahnsinn, dass ich da runtergefahren bin. In einem Höllen-Tempo. Das ist schon toll, dass man sich auf so eine Herausforderung eingelassen hat.

In Kitzbühel warten auf die Speed-Fahrer in der kommenden Woche laut Programm sechs Fahrten auf der Streif in sechs Tagen. Wär das etwas für dich?
Wenn ich irgendwo sechsmal runterfahre, verliere ich komplett die Lust. Aber man muss ja nicht jedes Training fahren. Ich habe in Kitzbühel fünf Super-Gs gewonnen und weiß, warum es mit Sieg Nummer 6 nicht mehr geklappt hat. Weil ich gedacht habe: Und was ist diesmal anders? Da fährt man dann schlechter.

Die Absage von Wengen ist aber schade, oder?
Klar. Die ideale Kombination mit Kitzbühel. Zwei Höhepunkte hintereinander. Alles war auch schon hergerichtet, und dann ist gar nichts. Bitter. Aber der Sport kann derzeit zumindest stattfinden, der hat da schon einen Vorteil.

Österreichs Skiverband sucht einen Präsidenten. Hast du keine Lust darauf?
Nein. Ich habe keine Zeit dazu. Das ist ein so verantwortungsvoller Job, das geht nicht einfach so. Aber wir haben in unserer Region zwölf Gipfel und fünf Täler - vielleicht findet sich da ganz am Ende einer. (Michael Walchhofer. Ski-Legende aus Zauchensee, lacht)

Georg Fraisl, Kronen Zeitung

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