09.01.2021 06:01 |

Red Magic 5S & ROG 3

Gaming-Smartphones im Test: Spielt man so besser?

Wer „Playerunknown’s Battlegrounds“ spielen will, kann das am PC ebenso wie am Handy tun. „Fortnite“ ebenso. Für die Hersteller lohnt sich das: Unterm Strich sind Smartphones die größte Spieleplattform der Welt und erreichen Milliarden Menschen. Und auch wenn manch Gaming-Veteran über Free-to-Play-Handyspiele mit Touch-Steuerung die Nase rümpft, gibt es Leute, die ihrem Hobby bei der Gerätewahl Rechnung tragen wollen. Aber lohnt sich so ein hochgezüchtetes Gaming-Smartphone tatsächlich? Wir haben es mit zwei aktuellen Exemplaren ausprobiert.

Eines vorweg: Der Test erfolgt aus Perspektive eines langjährigen PC-Spielers, der eine Maus und Tastatur Gamepads und Touchscreens vorzieht, kurzum: auf dem Handy nicht gut trifft. An dieser Grundproblematik ändert auch ein Gaming-Smartphone nichts - oder?

Oberklasse-CPU, viel RAM, dicker Akku
Werfen wir einen Blick auf unsere Testkandidaten, das ROG Phone 3 aus dem Hause Asus und das Red Magic 5S von Nubia, einer Tochter des chinesischen Netzwerkausrüsters ZTE. Gelingt es ihnen, uns Gaming am Handy schmackhaft zu machen? Die Hardware gefällt jedenfalls. Sie sind interessant designte, sauber verarbeitete Oberklasse-Smartphones mit sehr guten Displays und leistungsstarker CPU, viel RAM und dicken Akkus. Auch die Kamera bietet einiges.

Die Spezifikationen im Detail:

 

Asus ROG Phone 3

Nubia Red Magic 5S

CPU

Qualcomm Snapdragon 865(+):
2,84 + 3 x 2,42 + 4 x 1,8 GHz

Qualcomm Snapdragon 865:
2,84 + 3 x 2,42 + 4 x 1,8 GHz

RAM

8 - 12 GB

8 - 12 GB

Display

6,59 Zoll
(OLED, HDR10+, 144Hz)

6,65 Zoll
(OLED, HDR10, 144Hz)

Auflösung

2340 x 1080

2340 x 1080

Kamera

64 MP (F/1.8, PDAF)
13 MP (F/2.4) Weitwinkel
5 MP Makrokamera

64 MP (F/1.8, PDAF)
8 MP (F/2.0) Weitwinkel
2 MP Makrokamera

Frontkamera

24 MP

8 MP

Speicher

256 - 512 GB

128 - 256 GB

microSD-Slot

Nicht vorhanden

Nicht vorhanden

Funk

5G, .ax-WLAN, Bluetooth 5.1, NFC, GPS, GLONASS, Galileo, QZSS

5G, .ax-WLAN, Bluetooth 5.1, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo

Akku

6000 mAh

4500 mAh

Extras

Virtuelle Buttons (Rahmen)
Verbessertes Kühlsystem
Stereo-Speaker
Metall-Glas-Chassis
Viel Zubehör verfügbar (Controller-Halterung, Aktivkühler, Docking Station, RGB-Hülle, Zweit-Display)
Seitliche Ladebuchse
Fingerscanner (Display)
Dual-SIM

Virtuelle Buttons (Rahmen)
Verbessertes Kühlsystem
Stereo-Speaker
CPU-Lüfter (!)
Metall-Glas-Chassis
Zubehör verfügbar (Controller-Halterung, Aktivkühler)
Fingerscanner (Display)
Audioklinke
Dual-SIM

Software

Android 10

Android 10

Preis

ca. 750 - 900 Euro

ca. 580 - 650 Euro

Es wird bei so viel Hardware-Power nicht verwundern, dass wir im Test ein sehr schnell reagierendes System vorfanden, das auch leistungshungrige Smartphone-Spiele in scharfer Auflösung und flüssiger Bildrate darstellt. Dass so potente Smartphones jede handelsübliche App mit links schupfen und sich beim Multi-Tasken keine Blöße geben, versteht sich von selbst.

Red Magic 5S hat winzigen 15.000-rpm-Lüfter
Verbringt man etwas Zeit im Spiel, stellt man fest, dass die Ingenieure hinter den Smartphones sich lang mit der Hitzeentwicklung auseinandergesetzt haben: Warm werden die Geräte unter Last zwar immer noch, mit ausgefuchsten Kühltricks will man aber zumindest einem Herunterdrosseln der CPU vorbeugen.

Von der „Vapor Chamber“ samt Lüftungsschlitz bei Asus bis zu einem extrem schnell rotierenden Mini-Lüfter beim Red Magic 5S reichen hier die Ideen. Überzeugender erschien uns hier das lautlose Konzept von Asus. Der bis zu 15.000 Umdrehungen pro Minute (rpm) schnelle Kleinstlüfter im Red Magic 5S tönt, wenn er Vollgas gibt, nämlich arg hochfrequent. Zum Glück ist er regelbar.

Virtuelle Zusatztasten, spezieller Game-Mode
Als praktisch erwiesen sich im Test auch andere Features der beiden Geräte. Sie bieten an den Gerätekanten berührungsempfindliche Bereiche, die man mit Funktionen in Spielen belegen kann. Das ist kein Allheilmittel für Touchscreen-Skeptiker, kann aber hilfreich sein. Beide bieten außerdem einen speziellen Spielemodus, beim Red Magic 5S sogar mit eigener Hardware-Taste zugänglich.

Hier gibt es ein angepasstes Interface mit Game-Starter, Hardware-Monitor und sogar Übertaktungs-Tools. Will man beim Spielen nicht gestört werden, kann man hier eingehende Anrufe blockieren. Außerhalb dieses Spiele-Interfaces kommen die Geräte mit Ausnahme ihrer martialischen Stock-Hintergrundbilder aber wie normale Android-Smartphones daher.

Starke Kameras, exquisite Bildschirme
Display und Kamera haben bei beiden Testkandidaten einen sehr guten Eindruck gemacht. Die Geräte liefern mit ihren lichtstarken 64-Megapixel-Hauptkameras bei gutem Licht exzellente und bei schlechtem Licht immer noch vernünftige Ergebnisse. Zur vollständigen Video-Glückseligkeit fehlt eine optische Bildstabilisierung, manch einer wird sich beim Kamerasystem vielleicht auch eine Zoom- statt einer Makrolinse wünschen. Aber insgesamt sehr brauchbar.

Beim Display der beiden Gaming-Boliden - zeitgemäß ohne Rand und trotzdem ohne Löcher oder „Notch“ - hat man es mit viel Kontrast, satten Farben, hoher Helligkeit und hoher Bildwiederholrate zu tun. Hier überzeugen beide Geräte. Alles läuft zudem bei 144 Hertz noch einen Hauch flüssiger als bei eigentlich auch schon flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Aber eben nur einen Hauch und mit negativen Folgen für die Akkulaufzeit.

Die hielten sich beim Asus ROG Phone 3 mit seinem 6000-mAh-Akku dabei naturgemäß noch eher in Grenzen als beim Red Magic 5S mit 4500-mAh-Akku. Das Asus-Smartphone bietet überdies eine variable Bildwiederholrate, die dafür sorgt, dass der stromhungrige 144-Hertz-Modus nur aktiviert wird, wenn man auch davon profitiert. Beim Red Magic 5S gibt es hier keinen Automatismus: Standardmäßig ist das Display auf 90 Hertz „heruntergedrosselt“, um den Akku zu schonen.

„PUBG Mobile“ saugt auch große Akkus leer
Überhaupt erzielen Smartphone-Gamer schwankende Akkulaufzeiten. Wer über mehrere Stunden intensiv rechenhungrige Spiele ausführt und hohe Bildraten nutzt, leert selbst den 6000-mAh-Akku im ROG Phone 3 in weniger als einem Tag und muss zwischenladen. Umgekehrt kommt man mit einem so großen Akku bei sparsamer Nutzung aber auch zwei (Red Magic 5S) bis drei (ROG Phone 3) Tage ohne Ladepause aus.

Der Preis von zumindest 750 Euro für das Asus-Smartphone und - im Direktvertrieb des Herstellers - rund 600 Euro für das Red Magic 5S verwundert ob der Oberklasseausstattung nicht. Er erscheint angesichts der verbauten Komponenten und zahlreich vorhandenen Extras tatsächlich gar nicht mal so unverschämt wie bei manch Luxushandy der 1000-Euro-Klasse.

Interessant wird’s erst mit Controller
Realistischerweise wird man bei einem Gaming-Smartphone aber noch etwas Zubehör einkalkulieren: Einen Bluetooth-Controller, in die man das Smartphone einspannen kann, gibt es beim Asus-Gerät. Beim Red Magic gibt’s ebenfalls einen rudimentären Controller zum Andocken. Alternativ kann man freilich auch einfach vorhandene Bluetooth-Controller mit einer passenden Halterung nutzen: Für Xbox- und PS4-Gamepads gibt es eine Fülle davon im Online-Handel.

Überhaupt eröffnet die Nutzung mit Controller neue Möglichkeiten, etwa mit Emulatoren und Spiele-Streaming. Über Steam Link, Moonlight, Geforce Now oder Google Stadia lassen sich „große“ Games vom Gaming-PC oder aus der Cloud auf Smartphones streamen und mit dem Controller bedienen wie auf PC oder Konsole. Das funktioniert natürlich nur in entsprechend schnellen Netzwerken, mit ihren .ax-WLAN-Modulen sind die von uns getesteten Gaming-Smartphones für diese Art des Spielens aber gut gerüstet - sofern das Spiel eine kleine, aber nicht zu leugnende Eingabelatenz verträgt.

Angenehmer Nebeneffekt von Streaming und Emulatoren: Man vergrößert das von Free-to-Play-Geschäftemachern dominierte Ökosystem am Handy und bekommt Zugang zu „großen“ Videospielen. Den High-End-Prozessor von Red Magic 5S und ROG Phone 3 bräuchte es für Streaming zwar nicht, er bringt aber Vorteile bei Emulatoren. Viele 3D-Spiele lassen sich mit ihm flüssig emulieren, selbst neuere aus der Dreamcast- oder Gamecube-Ära.

Fazit: Wer zum Gaming-Smartphone greift, bekommt Oberklasse-Technik in spaciger Optik mit teils sinnvollen Dreingaben wie den in den Rahmen integrierten Touch-Tasten, durchdachten (Asus) bis verwegenen (Red Magic 5S) Kühlsystemen, optionalem Zubehör und einem dicken Akku. Die potente Technik hilft beim Spielen, entfaltet aber auch im Alltag ihren Reiz. Eine zuverlässige Kamera, eine reaktionsschnelle Android-Installation und das tolle Display schätzt nämlich auch, wer nicht spielt.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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