13.12.2020 12:00 |

„Krone“-Interview

LH Platter: „Das härteste Jahr in meinem Leben“

„Ich hatte bisher noch nicht Corona, kenne aber viele in meinem Umfeld, die damit infiziert waren. Daher werde ich mich, so bald es geht, auch dagegen impfen lassen“, erklärt der Tiroler Landeshauptmann im großen Weihnachtsinterview mit der „Tiroler Krone“. Platter sprach über Corona, die Tiroler Teststrategie, seine Hoffnung in Bezug auf den Impfstoff, Bayern, den Transitkampf und seine große Liebe zu den Tiroler Bergen.

Die erste Frage liegt auf der Hand: Ein hartes Jahr geht zu Ende. War es aus der Sicht des Landeshauptmannes das härteste Jahr bisher in seiner politischen Tätigkeit?
Ja, das war durchaus das härteste Jahr in meiner politischen Karriere. Aber auch das härteste Jahr für die Bevölkerung – denn so eine Krise haben wir noch nie gehabt. Zugleich könnte ich mir in so einer Phase aber gar nicht vorstellen, nicht an vorderster Front zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Gerade in schwierigen Situationen bin ich einer, der die Ruhe bewahrt. Dass ich auf eine große Erfahrung zurückblicken kann, ist mir sicherlich zugute gekommen.

Die Krise wird uns noch wohl länger begleiten, oder?
Ja, letztendlich wird diese Krise deutlich ins nächste Jahr hineinreichen. Aber es wird auch eine Zeit nach Corona geben und deshalb ist es mir immer wieder wichtig, den Menschen Zuversicht zu geben. Diese Pandemie können wir nur gemeinsam bewältigen. Der Zusammenhalt der Tirolerinnen und Tiroler ist entscheidend, denn nur zusammen kommen wir aus dieser Krise wieder heraus. Und dass wir das schaffen, da bin ich sehr zuversichtlich.

Haben wir in der Krise alles richtig gemacht?
Wer kann bei einer Pandemie schon behaupten, alles richtig gemacht zu haben? Das würde ich für mich nie in Anspruch nehmen. Das Buch von hinten zu lesen ist einfach. Medizin, Einsatzkräfte und auch die Politik – wir alle lernen jeden Tag dazu. Es war und ist ein enormes Bemühen da, man versucht in jeder Situation das Bestmögliche. Wir waren nach den Ereignissen im Frühjahr das erste Land, vermutlich auf der ganzen Welt, das eine umfangreiche Analyse gemacht hat – Stichwort Rohrer-Bericht. Daraus ziehen wir unsere Schlüsse. So installieren wir jetzt eine eigene Gesundheitsdirektion und auch ein eigenes Krisenkommunikationszentrum.

Bei den Schulen lief es aber alles andere als rund. Da hätte man sechs Monate Zeit gehabt, zu reagieren. Zum Beispiel bei der Entzerrung der Schulbeginnzeiten. Was ist da falsch gelaufen?
Darüber habe ich mich auch geärgert. Wir haben das auch mehrmals im Ministerium deponiert, weil die Schulen hier nicht autonom handeln konnten. Aber jetzt gibt es einen Erlass des Bundes, wodurch ab Jänner endlich eine Entzerrung möglich sein soll.

Sie möchten den Menschen Zuversicht geben. Woran denken Sie?
Ich denke unter anderem an die Zeit, in der wir einen Impfstoff bekommen. Das Virus wird dadurch nicht abgeschafft, aber je mehr sich impfen lassen, desto besser bekommen wir die Pandemie in den Griff. Um die nächsten Monate gut zu bewältigen, werden wir zudem in Tirol auch eine eigene Test-Strategie fahren.

Wie sieht die aus?
Unser Ziel ist es, den Tirolerinnen und Tirolern ständig und permanent die Möglichkeit zu geben, sich testen zu lassen. Auch über die Weihnachtsfeiertage. Wenn man sich mit Mama, Papa, Oma oder Opa treffen will, dann kann man sich vorher testen lassen und hat so Gewissheit, ob man positiv oder negativ ist. Diese freiwillige, aber kostenlose Möglichkeit wird es geben. Ein negatives Test-Ergebnis soll aber kein Freibrief sein. Ich appelliere trotzdem weiterhin an alle, sich an die geltenden Regeln und Vorgaben zu halten, um sich nicht anzustecken.

Werden wir genug Impfstoff bekommen in Tirol?
Davon gehe ich aus. Aber das ist Bundesaufgabe.

Wird sich der Landeshauptmann impfen lassen?
Selbstverständlich. Weil jeder der sich impfen lässt, einen Beitrag leistet, die Pandemie zu bewältigen.

Hatte der Landeshauptmann schon Corona?
Nein – und ich bin froh darüber. Ich passe auch sehr auf und halte mich natürlich streng an die Vorgaben. Aber ich kenne sehr viele in meinem Umfeld, die Corona gehabt haben.

Wieviel hat uns – das Land – Corona bisher gekostet?
Es gibt Beschlüsse über rund 800 Millionen Euro, wobei noch nicht alles ausgegeben ist. Uns muss klar sein, dass das nächste Jahr wirtschaftlich sehr herausfordernd wird. Dank einer überraschend guten Sommersaison und einer guten Bau-Konjunktur konnten wir uns heuer wirtschaftlich noch gut halten.

Das nächste Jahr wird also viel härter?
Ja. Deswegen ist es mir auch ganz wichtig, den Gemeinden zusätzliches Geld zu geben. Die können vor Ort investieren und so wichtige Arbeitsplätze absichern und auch retten.

Werden wir Familiensilber verkaufen müssen?
Nein, sicher nicht. Das ist etwas, das wir für die nächsten Generationen sichern müssen. Mein Ziel ist, dass wir ab 2022 wieder halbwegs eine Normalität haben. Zur „Null-Schulden-Politik“ möchte ich in vier, fünf Jahren zurückkehren. Eines kann ich aber jetzt schon sagen: Tirol wird nach der Coronakrise finanziell besser dastehen als die meisten anderen Bundesländer davor.

Hätten Sie sich je vorstellen können, dass wir einmal keine Wintersaison haben?
Nein, das war unvorstellbar. Da hätte ich jede Wette verloren. Aber ich wehre mich gegen alle Versuche, dem Wintersport die Schuld an der Verbreitung der Pandemie zu geben. Das ist absurd. In der U-Bahn in München ist die Ansteckungsgefahr sicher größer als beim Skifahren. Après-Ski ist natürlich etwas anderes, aber das wird nicht stattfinden.

Da sind wir eh schon beim Stichwort Söder und Bayern - was ist los zwischen der CSU und der Tiroler VP?
Im Prinzip passt das Verhältnis schon. Aber es gibt etwas, das ich nicht mag: Wenn man etwas vereinbart und das dann nicht eingehalten wird - Stichwort Transitfrage. So etwas macht man nicht, deshalb wird es weiterhin eine beinharte Transitpolitik geben. Und auch das ständige Tirol-Bashing, dieses ständige Ischgl-Bashing, das an Unanständigkeit nicht zu überbieten ist, muss endlich ein Ende haben.

Aber ist das nicht irgendwie nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“?
Nein, überhaupt nicht. Aber ich kann als Tiroler Landeshauptmann nicht zulassen, dass Verkehrspolitik auf dem Rücken der Tirolerinnen und Tiroler gemacht wird. Wenn es notwendig ist, werden wir da noch viel härter werden.

Was heißt härter?
Wir werden noch mehr Blockabfertigungen machen. Auch unsere Infrastruktur müssen wir regelmäßig sanieren. Und das wird dann halt zu weiteren Staus führen.

Wie wird heuer bei Ihnen Weihnachten aussehen?
Weihnachten war bei uns zu Hause schon immer ganz eine ruhige Zeit, Halli-Galli gab es da nie. Ganz im Gegenteil: Wir haben seit jeher im kleinsten Kreis gefeiert. Dasselbe gilt auch für Silvester. An dem Tag habe ich bisher immer eine Skitour mit guten Freunden gemacht. Weil ich mit Elan und mit Freude in das neue Jahr starten will.„Ausreichend Kraft hole ich mir in der Natur“

Woher schöpfen Sie ihre Kraft für die Arbeit?
Bei mir ist es immer die Kombination aus Arbeit und Sport. Immer wenn es geht, dann bin ich in der Natur. Ich hole mir von unserer Landschaft, unseren Bergen, vom Wald die Kraft. Und Kraft habe ich ausreichend.

Welche Wünsche haben Sie für das Jahr 2021?
Die Corona-Pandemie bewältigen, einen starken und friedlichen sozialen Zusammenhalt im Land, Vollbeschäftigung, Erfolge in der Transitfrage und den Ausbau der Wasserkraft.

Claus Meinert und Markus Gassler, Kronen Zeitung

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