13.12.2020 06:01 |

krone.at-Test

Huawei Matebook X: Alu-Flachmann mit 3:2-Display

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Notebook-Displays nicht im 16:9-Breitbildformat, sondern in 4:3 mit deutlich mehr Arbeitsfläche in der Vertikale. Huawei macht Menschen, die solche Formfaktoren vermissen, mit dem Matebook X ein Angebot: Ein äußerst mobiles 13-Zoll-Notebook mit hochauflösendem 3:2-Bildschirm, genug Rechenleistung und laut Hersteller bis zu 15 Stunden Laufzeit. Das optimale Arbeitsgerät?

Welches Bildverhältnis praktischer ist, ist immer eine Frage der Anwendung: Filme im Breitbild-Format machen natürlich auf 16:9 mehr her, auch Spiele können vom breiteren Bild profitieren.

Software für die tägliche Arbeit verzichtet wegen der 16:9-Bildschirme heutzutage aber auf Arbeitsfläche: In Word hatten auf den alten 4:3-Monitoren bei gleichem Zoomfaktor ein paar Zeilen mehr Text Platz, in Excel mehrere Reihen zusätzliche Zellen. Beim Surfen braucht man nicht so oft scrollen, wenn man eine Website im Desktop-Format betrachtet.

Helles, scharfes, aber spiegelndes Display
Wir sind entsprechend neugierig ans Matebook X herangegangen, das mit seinem 3:2-Display diese Tugenden der Jahrtausendwende zurückbringen will. Und wie: Huawei spendiert dem Matebook X ein phänomenales Display mit hoher Helligkeit von 400 Candela und 3000 mal 2000 Pixeln Arbeitsfläche auf 13 Zoll Diagonale. Es ist seitlich sehr gut ablesbar, erfreut mit einer leuchtenden Farbdarstellung - und ist ein Touchscreen.

Den hätten wir vor dem Hintergrund, dass das Display kaum weiter als 140 Grad aufklappbar ist, sein Scharnier recht leichtgängig ist und somit der Bildschirm bei Berührung mitunter federt, aber gar nicht gebraucht. Im Gegenteil: Draußen kann das spiegelnde Display trotz hoher Helligkeit zur Tücke werden, matte Bildschirme sind hier schlicht im Vorteil.

Äußerst spartanische Anschlussausstattung
Ebenfalls nicht allzu vorteilhaft für den Business-Alltag: Die Anschlussausstattung ist höchst reduziert, es gibt lediglich zwei USB-C-Anschlüsse und eine Audioklinke. Wer ein Netzwerkkabel, einen externen Monitor via HDMI oder DisplayPort anschließen, eine Speicherkarte lesen oder schlicht eine etwas ältere USB-Maus oder einen alten USB-Stick nutzen will, braucht also zwingend einen Adapter.

Klar, das Matebook X ist gerade einmal ein Kilo schwer, also letztlich ein Subnotebook. Das muss aber nicht zwingend Anschluss-Armut bedeuten, wie jüngst der japanische Rivale Fujitsu Lifebook U9310X bewies. Der wiegt ebenfalls ein Kilo, bietet aber einen SD-Kartenleser, je zwei USB-C- und USB-3.0-Anschlüsse, eine Audioklinke und obendrein sogar noch einen Ethernet-Port. Dabei spielen beide Geräte auf dem gleichen Preisniveau.

Schönes Alu-Chassis, ein Kilo leicht
Dafür ist Huaweis Matebook X schön. Das matte Alu-Chassis macht einen wertigen Eindruck, weckt dabei unweigerlich Assoziationen mit manch leichtgewichtigem Rivalen aus Kalifornien, überzeugt letztlich aber jedenfalls mit Griffigkeit und hoher Stabilität. Das geringe Gewicht macht das Huawei Matebook X höchst transportabel, im Rucksack oder der Tasche merkt man das 1-Kilo-Notebook kaum.

Genug Rechenpower für die Arbeit
Die Rechenleistung ist für Arbeit und Surfen ausreichend: Im Testgerät arbeitete ein Intel Core i5-10210U mit viermal 1,6 Gigahertz, dazu gab es 16 Gigabyte nicht erweiterbaren DDR3-RAM und 512 Gigabyte via PCIe angebundenen SSD-Speicher. Das lässt Windows schnell hochfahren, sorgt für flüssige Programmstarts und reibungsloses Multi-Tasking.

3D-Anwendungen sind ihm zu viel
An seine Grenzen stößt das Setup mit der schwächlichen Intel-Onboard-Grafik bei Anwendungen mit 3D-Fokus - also zum Beispiel Computerspielen. Videos wird man auf so einem Subnotebook auch nicht bearbeiten wollen. Gelegentliche Bildbearbeitung können wir uns auf dem großen scharfen Display hingegen schon vorstellen. Insgesamt wird hier die Performance eines Arbeitsgeräts geboten - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Unter längerer Rechenlast gibt der Prozessor genug Wärme ans Gehäuse ab, um das Matebook X zu einem passablen Schoßwärmer für die Wintermonate zu machen - es wird nicht unangenehm heiß, aber durchaus wohlig warm.

Gute Eingabegeräte
Die Eingabegeräte haben uns gut gefallen. Das große Touchpad bietet gute Gleiteigenschaften und genug Präzision, der Touchscreen reagiert abseits der Nachfeder-Problematik zuverlässig und die Tastatur ist zwar klein und bietet wenig Tastenhub, macht aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten das beste draus. Dass Huaweis Ingenieure sogar noch eine Tastaturbeleuchtung untergebracht haben, sei lobend erwähnt.

Windows 10 Home mit Bloatware
Beim Betriebssystem handelt es sich um Windows 10 Home, das bei unserem Testgerät mit etwas vorinstallierter Bloatware angereichert war - etwa Streamingdiensten, Spielen oder sozialen Netzwerken. Lässt sich alles problemlos deinstallieren, wir würden es aber vorziehen, bei einem neuen Notebook nicht aktiv unerwünschte Dreingaben deinstallieren zu müssen. Wobei das gar nicht Huaweis Verschulden sein muss: Windows spielt heutzutage leider schon bei der Erstinstallation Bloatware auf.

Akku hält einen Arbeitstag durch
Die Akkulaufzeit von 15 Stunden, die Huawei angibt, haben wir im Test nicht erreicht - vermutlich wurde sie unter praxisfernen Bedingungen, bei minimaler Helligkeit und ohne allzu intensive WLAN-Nutzung gemessen. Im alltäglichen Betrieb mit Surfen, Arbeiten und dem einen oder anderen Video waren bei uns eher Laufzeiten im Bereich der zehn Stunden üblich. Immer noch genug für einen ganzen Arbeitstag.

Webcam in der Tastatur versenkbar
Die Extras des Matebook X umfassen einen Fingerscanner, der im Power-Button untergebracht ist und seinen Job zuverlässig erfüllt und eine in der Tastatur versenkbare Webcam, die in der Praxis leider eine unvorteilhafte Froschperspektive produziert, weshalb wir im Zweifel einer Webcam im Deckel - gern abdeckbar - den Vorzug geben würden. Dafür hat das Matebook X sehr wenig Rand ums Display - der Platz wird gut genutzt.

Schlecht aufrüst- und wartbar
Eher wenig überzeugend ist die Aufrüst- und Wartbarkeit: Der Arbeitsspeicher ist fix verlötet, eine Aufrüstmöglichkeit ist hier nicht vorgesehen. Das nur 13,6 Millimeter dünne Gehäuse dürfte es überhaupt schwer machen, noch irgendetwas aufzurüsten oder auszutauschen - auch, wenn es immerhin Schrauben erkennen lässt, über die man Zugang erlangt.

Business-User könnte das stören. Übrigens auch, dass es kein Mobilfunkmodem gibt, mit dem man unabhängiger vom WLAN wäre, das leider noch nicht in der allerneuesten .ax-Version an Bord ist. Dafür gibt’s aktuelles Bluetooth 5.0 und - eher ungewöhnlich bei einem Laptop - NFC.

Fazit: Ja, ein 3:2-Display bringt bei der Arbeit Vorteile. Surfen, Word und Excel profitieren spürbar vom Mehr an vertikaler Arbeitsfläche, überhaupt hat uns das Display des Matebook X grundsätzlich gut gefallen. Für Business-Nutzer ist das Gerät aber leider uninteressant. Spiegelnder Touchscreen, fehlende Wartungsmöglichkeiten, kein Mobilfunkmodem, dazu noch eine äußerst spartanische Anschlussausstattung: Diese Zielgruppe wird hier einiges vermissen. Bleiben Privatnutzer als mögliche Käufer, die allerdings der vergleichsweise hohe Preis von 1500 Euro abschrecken könnte.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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