01.11.2020 20:04 |

Keiner hat mehr Titel

Wien-Champ Rublew lässt sogar Djokovic hinter sich

Ohne Satzverlust und gar ohne Aufschlagverlust hat sich Andrej Rublew am Sonntag verdient zum Sieger des Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle gekürt. Der 23-jährige Russe holte sich zudem das Ticket für die ATP Finals in London. Es war bereits sein fünfter ATP-Titel in diesem Jahr. Damit ist der „Wien-König“ erfolgreicher als Superstar Novak Djokovic und Co.

Rublew hat seinen bereits fünften ATP-Saison-Titel nach Doha, Adelaide, Hamburg und St. Petersburg gewonnen, den insgesamt siebenten. Damit ist der er der erfolgreichste Tennisspieler im Jahr 2020. Hinter ihm lauert Djokovic, die Nummer eins der Welt, mit vier Triumphen.

Mit dem Erfolg über US-Open-Gewinner Dominic Thiem im Viertelfinale hatte sich Rublew als Topfavorit auf den Titel ausgewiesen. Nun ist der gebürtige Moskauer überhaupt der erste russische Champion in der Geschichte des seit 1974 ausgetragenen Stadthallenturniers. Der Weltranglisten-Achte holte sich den dieses Jahr wegen der Coronakrise nur auf 105.240 Euro dotierten Siegerscheck in eindrucksvoller Manier: In 38 Aufschlag-Games im Turnierverlauf musste er kein einziges Mal das Service abgeben. Mit seinem Powertennis hat er viele neue Fans gewonnen.

Rublew: „Habe österreichisches Blut in mir“
„Einen großen Dank an Herwig (Straka, Anm.), der dieses Turnier in so schwierigen Zeiten möglich gemacht hat. Das bedeutet uns Spielern allen sehr viel“, bedankte sich Rublew beim Turnierdirektor und im üblichen Dank an die Fans verriet er auch ein Detail: „Dieses Turnier ist wirklich besonders für mich, weil meine Großmutter war Österreicherin, also habe ich österreichisches Blut in mir.“

Die erst vor Kurzem während der Turnierwoche in St. Petersburg verstorbene Oma sei eine wichtige Person seines Lebens gewesen, enthüllte Rublew, der wegen der nahen Schule bei ihr und ihrem Mann gewohnt hat. „Sie ist als kleines Kind nach Russland gekommen.“ Für Österreich zu spielen habe er nie erwogen, aber: „Wir haben daran gedacht, österreichische Pässe zu bekommen, aber es war dann schon zu spät“, erzählte er lachend. Auch wenn seine Großmutter nicht mehr lebt: „Sie hat eine Schwester und die lebt in Wien.“

Sein sportlicher Erfolg hätte seiner Großmutter viel Freude bereitet. „Ich bin glücklich, dass ich den Titel gewonnen habe und das ich zum ersten Mal in London teilnehmen werde“, meinte Rublew in der Video-Pressekonferenz nach dem Sieg. Doch er wäre nicht er selbst, wenn er nicht fast mantra-artig wieder erwähnen würde, wie viele Dinge er immer noch verbessern müsse. London werde eine großartige Erfahrung werden, sich mit den Besten der Besten messen zu können.

39 Siege wie Djokovic
Körperlich fühlt sich jener Spieler, der nun gemeinsam mit Djokovic mit je 39 Siegen in diesem Jahr diese Wertung anführt, gut. Nach St. Petersburg habe er nicht viel gespielt und in dieser Woche habe er gegen Jannik Sinner nur drei Games spielen müssen. „Körperlich geht es mir gut.“

Rublew war vor dem Finale der klare Favorit, aufgrund des Durchmarsches von Sonego aber auch gewarnt. Es war auch der Russe, dem zum 3:2 das erste Break des Endspiels gelang. Eigentlich war das aufgrund seiner Aufschlagstärke schon eine Bank. Bei 5:4 fand Sonego dann aber plötzlich zwei Breakchancen vor, die der Weltranglisten-Achte aber abwehren konnte. Nach 36 Minuten hatte Rublew das 6:4 in der Tasche. Im zweiten Durchgang gelang Rublew bei 4:4 das Break zum 5:4. Rublew servierte in der Folge zum Titel aus.

Sonego: „Das war das beste Turnier meines Lebens“
Lucky Loser und Djokovic-Bezwinger Sonego konnte sich mit 85.000 Euro und immerhin 300 ATP-Zählern trösten. Und der Italiener war am Ende trotz der Final-Niederlage ein „happy Loser“, also glücklich über seinen Wien-Trip. „Sicher. Das war das beste Turnier meines Lebens. Ich habe das beste Tennis meines Lebens gespielt. Ich habe die Nummer 1 der Welt geschlagen und es war wirklich eine großartige Woche“, erklärte der 25-jährige Italiener. Gegen Rublew sei es sehr schwer gewesen. „Er hat viel Selbstvertrauen hat. Er ist so stark, er serviert so gut und es ist unmöglich ihn zu breaken“, so Sonego. Zudem sei Rublew auch von der Mentalität her sehr stark. Rublew ist nun auch ein möglicher Gegner von Dominic Thiem bei dessen letzten Turnierauftritt bei den ATP Finals in London, wo es zur Revanche für den US-Open-Sieger kommen könnte.

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