Nach Bluttat in Wels

Verteidiger will entlastendes Gutachten beantragen

Nach der Messerattacke auf seine Ex-Lebensgefährtin Chiara H. (19) am 17. August in Wels hatte Alois M. (21) in U-Haft versucht, sich das Leben zu nehmen. Anwalt Michael Lanzinger (38) glaubt nicht an einen gezielten Mordversuch seines Mandanten. Er überlegt nun, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu beantragen.

„Krone“:Wie geht es Ihrem Mandanten nach dem Suizidversuch. Er hatte Toilettenreiniger getrunken und soll massive Verätzungen erlitten haben?
Michael Lanzinger:
Es geht ihm mittlerweile besser, er konnte die Krankenstation verlassen. Ihm war alles zuviel geworden.

„Krone“: Wie geht es Chiara H., die nach der Messerattacke im Spital behandelt wurde?
Lanzinger:
Das Opfer konnte das Krankenhaus relativ schnell wieder verlassen, der Schulterstich war offenbar nicht lebensbedrohlich. Die Frau ist vernehmungsfähig.

„Krone“: Die Staatsanwaltschaft Wels glaubt an Mordversuch.
Lanzinger:
Meiner Einschätzung nach handelt es sich in diesem Fall um ein klassisches Beziehungsdrama, bei dem sich die Emotionen hochgeschaukelt und dann entladen haben. Die Tat sollte deshalb nicht als Mordversuch, sondern als versuchter Totschlag oder als absichtliche schwere Körperverletzung bewertet werden. Mein Mandant hatte nicht die Absicht, seine Ex-Partnerin zu töten. Er hat sich nach dem Stich auch widerstandslos festnehmen lassen, war von Anfang an geständig und half mit, die in die Traun geworfene Tatwaffe zu finden.

„Krone“:Er soll der Frau aufgelauert und ein Klappmesser mitgeführt haben. Trug er dieses sonst auch ständig bei sich?
Lanzinger:
Nein, er kann sich das überhaupt nicht erklären.

„Krone“:Musste die Polizei vor der Tat schon einmal eingreifen?
Lanzinger:
Es gab eine Wegweisung wegen eines Streits, die mein Mandant auch befolgt hat.

„Krone“:Ende September soll eine kontradiktorische Einvernahme stattfinden. Gibt es schon irgendwelche Gutachten?
Lanzinger:
Nein, ich kann mir aber vorstellen, eventuell ein Glaubwürdigkeitsgutachten, das auf Basis gewisser Aussagen erstellt wird, zu beantragen. Im Gegensatz zu Deutschland wird so etwas bei uns nur selten gemacht.

Interview: Jürgen Pachner

 OÖ-Krone
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