14.07.2020 06:00 |

Bub (14) starb

„Unmöglich, einen solchen Felssturz vorauszusehen“

Ein 25-Kilo-Stein tötete am Sonntag einen Buben (14), der mit seinen Eltern auf dem Weg zur weltgrößten Eishöhle in Werfen (Sbg.) unterwegs war. Jetzt, nach dem Unglück, ist die Naturattraktion gesperrt. Über mehr Sicherheit wird nachgedacht. Eine Wiedereröffnung noch in der heurigen Saison „ist nicht realistisch“.

Der lockere Untergrund durch starken Regen hatte einen massiven, zwei Kubikmeter großen Felsblock gelöst. Dieser krachte gegen die Schutzbauten auf dem Zufahrtsweg zur Eishöhle. Ein 25 Kilogramm schwerer Stein traf den Iraker tödlich. Ein Jugendlicher (19) wurde verletzt.

„Unfall hat uns anderes gelehrt“
„Wir sind gedanklich bei der Familie. Es steckt uns total in den Gliedern“, richtete Chef Fritz Oedl seine Anteilnahme aus. Fakt ist aber: „Es ist unmöglich, einen solchen Felssturz vorauszusehen“, weiß Landesgeologe Gerald Valentin. Höchstens Wahrscheinlichkeiten könne man berechnen. Zudem war der Bergrücken als „steinschlagsicher bewertet“ worden, sagt Valentin: „Der Unfall hat uns anderes gelehrt.“

Wiedereröffnung: „Erstrebenswert heuer, aber nicht realistisch“
Die Schutzbauten, die Teile des Weges einhausen, stammen aus den 70er-Jahren. „Vor 20 Jahren wurden sie erneuert“, erklärt Seilbahn-Betriebsleiter Michael Rieder. „Es wird darauf hinausgehen, den ganzen Weg zur Höhle einzuhausen.“ Noch aber sei man am Anfang der Überlegungen, Simulationen werden beauftragt, Bau- und Geologie-Experten gesucht.

„Wir prüfen jetzt, welche Baumaßnahmen in welchem Zeitrahmen umsetzbar wären“, sagte Seilbahn-Betriebsleiter Michael Rieder. „Wir gehen dabei von einem Zeitrahmen von sechs Wochen bis zu sechs Monaten aus.“ Die Bahn steht währenddessen still, die Eishöhle - die jährlich 160.000 Besucher anzieht - ist auf unbestimmte Zeit gesperrt. „Eine Wiedereröffnung ist schwer absehbar. Erstrebenswert wäre es noch heuer, aber das ist nicht realistisch.“

Strafrechtliche Konsequenzen?
Wie der Sprecher der Salzburger Staatsanwaltschaft, Marcus Neher, am Dienstag sagte, sei es noch zu früh zu beurteilen, ob der Betreibergesellschaft nach dem Unfall mögliche strafrechtliche Konsequenzen drohen. „Wir müssen dazu auf den Bericht der Alpinpolizei warten und prüfen dann, ob allenfalls ein Sorgfaltsverstoß der Betreiber vorgelegen ist.“

Ein Blick ins nahe St. Johann im Pongau zeigt, warum: In der Liechtensteinklamm ist 2017 ein Felssturz abgegangen. Erst vor einem Monat wurde wiedereröffnet – mit mehr Schutzmaßnahmen.

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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