04.06.2020 07:22 |

Große Verwunderung

Wolff: Vettel? „Wir hätten das anders gemacht!“

Neben Gerhard Berger blickt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach der Corona-Auszeit erwartungsvoll auf den bevorstehenden WM-Auftakt der Formel 1 in Spielberg. „Als Österreicher freue ich mich besonders, dass wir die ersten Rennen auf dem Red Bull Ring fahren“, sagte der Wiener. Der bei Ferrari am Jahresende scheidende Sebastian Vettel sei höchstens „Außenseiterkandidat“ auf ein Mercedes-Cockpit. Große Verwunderung herrscht über die frühe Vettel-Bekanntgabe: „Wir hätten das anders gemacht!“

„Sebastian ist eine tolle Persönlichkeit, mit vier Weltmeistertiteln ein wirklich herausragender Rennfahrer seiner Generation. Und ein Außenseiterkandidat für ein Cockpit bei Mercedes, weil wir in allererster Linie auf unseren Mercedes-Kader schauen“, sagte Wolff am Mittwoch in einer Video-Pressekonferenz. „Vom Talent und der Persönlichkeit her ist er jemand, zu dem ich keinesfalls sofort Nein sagen würde.“

Vettel wird Ferrari Ende 2020 nach sechs Jahren verlassen, seine Zukunft als Formel-1-Fahrer ist offen. Bei Mercedes laufen die Verträge von Weltmeister Lewis Hamilton (35) und Vize Valtteri Bottas (30) aus, allerdings hat Mercedes eigene Nachwuchspiloten wie den bei Williams fahrenden George Russell im Köcher. „Zum Timing will ich mir nicht unbedingt selbst ein enges Korsett schaffen“, sagte Wolff über einen Zeitplan zur Klärung der Fahrerfrage bei Mercedes für 2021.

Er jedenfalls hätte eine derart weitreichende Entscheidung wie bei Vettel nicht schon vor dem Saisonstart gefällt bzw. bekanntgegeben. „Am Ende musst du mit einem Fahrer, der weiß, dass er nächstes Jahr woanders fährt, auch Geheimnisse teilen.“ Dazu kämen die Faktoren Stimmung und Teamplay. „Du brauchst ja beide Autos, um Punkte zu machen. Meist sind aber beide Autos auf der gleichen Teilstrecke schnell, da hat der eine oder andere nichts zu verlieren“, warnte Wolff. Das solle kein Urteil über richtig oder falsch sein. „Aber wir hätten das anders gemacht.“

„Autos kommen ja praktisch direkt aus dem Container“
Der nach der langen Corona-Auszeit nun endlich avisierte Saisonauftakt mit dem Doppelrennen in vier bzw. fünf Wochen in Spielberg taugt Wolff auch deshalb, „weil das es mir leichter macht zu wissen, wo ich meine Zeit verbringe“. Das Thema Ausfälle und Haltbarkeit der Formel-1-Autos werde aber anfangs ganz wichtig sein. „Die Autos kommen ja praktisch direkt aus dem Container aus Australien.“ Mercedes tut sich in Spielberg aufgrund der Höhenlage und der zuletzt stets großen Hitze im Juli stets schwer. Die beiden jüngsten Rennen in der Steiermark hat Max Verstappen im Red Bull gewonnen.

Wolff spricht über Aston Martin
Wolff sieht die Silberpfeile auch künftig in der Formel 1 und sich selbst dort trotz der Gerüchte nach der jüngsten Aktienbeteiligung beim kommenden Konkurrenten Aston Martin weiter als Teamchef. „Der Marketingwert, den Mercedes durch die Plattform Formel 1 generiert, ist enorm“, ist Wolff überzeugt, dass Mercedes der Königsklasse zumindest vorerst treu bleibt. Wenn sich die Automobilindustrie verändere, müsse man aber jedes Engagement auch diskutieren. Das bei Aston Martin sei ein reines Finanzinvestment, stellte Wolff klar. „Ich glaube an die Marke, ich glaube an das Management.“ Langfristig könne das ein erfolgreiches Unternehmen werden. „Aber operativ werde ich keine Rolle spielen.“

Den beschlossenen Budget Cap bezeichnete Wolff als „wichtigen Schritt“. Für größere Teams bringe dies freilich ziemliche Anpassungs-Prozesse und veränderte Strukturen, man müsse ja trotzdem Geld in der Formel 1 verdienen. Amerikanische NFL-Teams etwa seien da Vorbild. Der Finanzdeckel werde jedenfalls das Feld „am Ende des Tages enger zusammenbringen“.

krone Sport
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