10.04.2020 07:47 |

Covid-19 in England

Online-Meldesystem für Corona-Sünder gestartet

Die Polizei in der britischen Grafschaft Cambridgeshire hat ein Online-Meldesystem eingerichtet, über das Bürger andere Bürger melden können, die ihrer Meinung nach gegen die Corona-Verkehrsbeschränkungen der Regierung verstoßen. Die Polizei mahnt, das System nur bei schweren Verstößen zu verwenden - und erntet in sozialen Medien viel Kritik.

„Cambridgeshire Gestapo“ schimpft ein Twitter-Nutzer unter dem Beitrag, in dem die Polizei der Grafschaft ihr Online-Meldesystem vorstellt.

Den Polizisten ging es beim Erstellen der Seite darum, die Notrufnummer zu entlasten und die vielen Meldungen über angebliche Verstöße gegen die Verkehrsbeschränkungen effizienter zu sammeln. Auf der Website mahnt die Polizei, das System nur zur Meldung schwerwiegender Vergehen - etwa feiernden Menschengruppen - zu verwenden. „Verwenden Sie dieses Formular nicht, um kleinere Verstöße zu melden!“

„Widerwärtige Form der Polizeiarbeit“
Viele Briten sehen das Online-Formular höchst kritisch, hebt die Zeitung „Metro“ hervor. Der Anwalt Allen Green spricht dort von einer „widerwärtigen Form der Polizeiarbeit“, die den sozialen Zusammenhalt untergrabe und zum Denunziantentum führe. Wenn es um die Entlastung der Hotline gehe, „dann hätten sie den Anrufern auch sagen können, dass sie nicht die Zeit der Polizei verschwenden sollen“, mahnt er. Bequemlichkeit sei kein Grund, eine Gesellschaft einander ausspionierender Nachbarn zu forcieren.

Ausgangsbeschränkungen wie bei uns
In Großbritannien gelten in der Covid-19-Krise ähnliche Ausgangsregeln wie bei uns. Die Briten sind angehalten, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten und möglichst nur für unerlässliche Besorgungen, also Lebensmittel- oder Medikamentenkäufe, für Arztbesuche oder kurze sportliche Aktivitäten in der Nähe des Wohnortes, ihre Wohnungen zu verlassen.

Polizei stellte Wanderer mit Drohne bloß
Der Polizei fällt die Aufgabe zu, die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen durchzusetzen - allerdings schießen manche Verantwortungsträger der Polizei dabei über das Ziel hinaus. Erst vor zwei Wochen machte die Polizei Derbyshire Schlagzeilen, weil man Wanderer mit einer Drohne verfolgte, die fernab anderer Menschen durch einen Nationalpark spazierten.

Die Videoaufnahmen aus der Grafschaft wurden, versehen mit launigen Kommentaren wie: „Instagram-Snaps sind nicht notwendig“, auf Twitter veröffentlicht. Ziel der Aktion war Bewusstseinsbildung, gebracht hat sie der Polizei einen Shitstorm und den Vorwurf, man würde „Nanny-Polizeiarbeit“ betreiben.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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